Am Dienstag startet das St.Galler Kulturfestival

Im Historischen und Völkerkundemuseum gibt es in den nächsten Tagen viel World Music zu hören. Bis 20. Juli treten fast 30 Bands und ein paar Poetry-Slammer auf. Die Veranstalter feilen noch an den Details.

Roger Berhalter
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Das Dreierteam im OK des Kulturfestivals: Walter Boos (auf der Leiter), Lukas Hofstetter und Lina Samland beim Aufbau im historischen Innenhof. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Das Dreierteam im OK des Kulturfestivals: Walter Boos (auf der Leiter), Lukas Hofstetter und Lina Samland beim Aufbau im historischen Innenhof. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Die grossen Brocken sind längst angeliefert worden, die Bühne und das gewölbte Zeltdach stehen schon. «Wir sind jetzt am Feinschliff», sagt Walter Boos, Bauchef des Kulturfestivals. Ihren Standort, den Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums, haben die Macher des Musikfestivals mittlerweile im Griff.

Dabei ist der Innenhof Fluch und Segen zugleich. Segen deswegen, weil die historische Fassade entscheidend zum Charme des Festivals beiträgt und es unverwechselbar macht. Doch der Innenhof ist eben auch ein Fluch, weil die verfügbare Fläche vorgegeben ist und jeder Quadratmeter zählt.

Wie knapp der Platz ist, merkt der Besucher erst auf den zweiten Blick: Die Bühne ragt bis über den Brunnen im Hof hinaus, die Brunnenfigur streift mit ihrer Bärenschnauze fast das Bühnendach. Zwischen dem Kühlcontainer für die Getränke und der nächsten Säule sind nur wenige Zentimeter Luft. «Wir bauen die Bühne in die historische Architektur hinein», sagt Boos.

120 Freiwillige helfen mit

Seit vier Jahren organisiert ein Dreierteam das Kulturfestival. Walter Boos ist technischer Leiter und Bauchef. Lukas Hofstetter bucht die Bands und übernimmt Werbung, Marketing sowie Medienarbeit. Lina Samland kümmert sich um die Finanzen, um den Gastrobereich, sowie um die Betreuung der Bands und der Helferinnen und Helfer. 120 Freiwillige helfen mit, damit das Kulturfestival über die Bühne gehen kann, und damit an 15 Konzertabenden fast 30 Bands auftreten können. Am 17. Juli findet zudem ein Poetry-Slam statt.

Musikalisch bleibt das Kulturfestival seiner bewährten Mischung treu. Der Fokus liegt auf World Music in verschiedenen Spielarten, aber auch einige Rock- und Soulbands sind im Programm sowie je ein Electro- und ein Hip-Hop-Act. So verschieden wie die Bands sind, so gemischt ist auch das Publikum, das sich jeden Abend wieder neu zusammensetzt.

Gipsy, Samba und Rock

Das diesjährige Kulturfestival-Programm besticht erneut durch viel World Music: Gipsy von Romengo (2.7.), brasilianischer Samba von Monsieur Periné (6.7.), kolumbianischer Cumbia von La Yegros (12.7.) und Mali-Blues von Sahad & The Nataal Patchwork (19.7.). Dazu kommen einige Indie- und Alternative-Rock-Bands, beispielsweise Ry X (9.7.), die American Authors (10.7.) sowie Kettcar (18.7.). Als elektronischen Act haben die Veranstalter Digitalism gebucht (13.7.), und mit Coely (16.7.) ist auch Hip-Hop vertreten. Tickets für das Kulturfestival lassen sich entweder im Vorverkauf oder an der Abendkasse ab 18.30 Uhr lösen. Ein Einzeleintritt kostet zwischen 28 und 45 Franken. Kinder bis zwölf Jahre können das Festival kostenlos besuchen. Zusätzlich bieten die Veranstalter Vier- und Sieben-Tages-Pässe an. (rbe)

Das Kulturfestival startet am Dienstag mit der Gipsy-Band Romengo. Die Sängerin Monika Lakatos und ihre vier Mitmusiker geben im historischen Innenhof eines jener Konzerte, wie es für das Kulturfestival typisch ist. Normalerweise spielen Romengo an grossen Festivals auf der ganzen Welt; in St.Gallen kann man sie im Vergleich dazu hautnah erleben. «Manche Musiker sind nach dem Konzert sogar noch an der Bar anzutreffen», beschreibt Lukas Hofstetter den familiären Rahmen des Festivals mit höchstens 400 Gästen.

Wenn immer möglich, ist das kulinarische Angebot auf die Musik abgestimmt. Steht auf der Bühne also eine Band aus dem Senegal, dampft auf dem Herd ein senegalesischer Eintopf. So wollen die Veranstalter den Besuchern ein Gesamtpaket bieten. Für die Küche ist dieses Jahr erstmals das Team von «Geschmacksträger» zuständig.

Türöffnung ist jeweils um 18.30 Uhr, die Konzerte beginnen um 20 oder 20.30 Uhr. Und dazwischen bleibt laut Lukas Hofstetter Zeit, um sich mit Freunden zum Apéro zu treffen oder um Znacht zu essen. «Bei uns kann man die Sommerferien verbringen.»

Die Bar war noch am Open Air

Walter Boos steigt auf die Leiter und schraubt an einer Glühbirne herum. Er tut dies nur fürs Foto, die Lampen sind längst aufgehängt. Was beim Aufbau der Festivalinfrastruktur jetzt noch fehle, seien die Details, sagt Boos: «Hier ein Rämpeli, dort ein Vorhängli. Da ist auch immer viel Herzblut dabei.»

Die Bar wird kurzfristig angeliefert, sie war übers Wochenende noch am Open Air im Sittertobel im Einsatz. Auch die Soundanlage wird erst heute Montag aufgebaut. Bis morgen Abend um 18.30 Uhr soll aber alles parat sein, und die diesjährige Kulturfestival-Saison kann beginnen.

www.kulturfestival.ch