Am Abend eine Stunde länger einkaufen: Überraschend werden die Öffnungszeiten in der St.Galler Innenstadt sofort erweitert

Bereits ab nächster Woche dürfen Läden in der St.Galler Innenstadt von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet sein. Die Detailhandelsorganisation Pro City ist erfreut, die Gewerkschaft Unia dagegen ist empört.

Daniel Wirth
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Die Multergasse ist im Tourismusperimeter. Hier wird Shopping länger möglich.

Die Multergasse ist im Tourismusperimeter. Hier wird Shopping länger möglich.

Bild: Benjamin Manser

Der St.Galler Stadtrat erweitert die Ladenöffnungszeiten in der Innenstadt. Das teilte er gestern mit. Bereits ab dem kommenden Dienstag dürfen die Läden in einem neu als Tourismusperimeter bezeichneten Rayon von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet sein. Heute gelten folgende Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 6 bis 19 Uhr und am Samstag von 6 bis 17 Uhr.

Die erweiterten Ladenöffnungszeiten sind zurückzuführen auf das Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt», das im Kampf gegen das Ladensterben ins Leben gerufen wurde. Die Detailhändler äusserten dabei explizit den Wunsch, die Läden samstags eine Stunde länger bis 18 Uhr offenhalten zu dürfen und im Gegenzug am Donnerstag den als Auslaufmodell bezeichneten Abendverkauf um eine Stunde auf 20 Uhr zu verkürzen.

Die Forderung nach einer Liberalisierung wurde auch in einer FDP-Interpellation im Stadtparlament an die Adresse des Stadtrates gerichtet. In seiner Antwort darauf schrieb der Stadtrat, er sei im Grundsatz für eine Erweiterung und schlug vor, dafür in eigener Kompetenz einen Tourimusperimeter zu definieren; das sei einfacher, als auf kantonaler Ebene zum wiederholten Mal eine Gesetzesänderung anzustreben.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Ralph Ribi
Pro-City-Chef Ralph Bleuer.

Pro-City-Chef Ralph Bleuer.

Michel Canonica

Mit einem neuen Vollzugsreglement zum städtischen Reglement über Ruhetag und Ladenöffnung geht der Stadtrat jetzt einen grossen Schritt weiter. Stadtpräsident Thomas Scheitlin: «Wir wollen St.Gallen als Tourismusdestination stärken.» Offene Läden am Abend trügen dazu bei, sagt er.

Der Stadtrat will den Rahmen vorgeben

Die neue Regelung sei in Zusammenarbeit mit der städtischen Detailhandelsorganisation Pro City entstanden. Der Stadtrat wolle einen Rahmen vorgeben, den die Detaillisten sinnvoll ausfüllen dürfen, sagt Scheitlin.

Ralph Bleuer, Präsident von Pro City, sagt, die erweiterten Ladenöffnungszeiten seien wichtig für den Detailhandel. Er sei überzeugt, dass nicht alle Läden von 6 bis 20 Uhr geöffnet sein würden. «Aber wir erhalten mehr Spielraum, um die Bedürfnisse jedes unserer Mitglieder abzudecken.» Bleuer sagt, der Pro-City-Vorstand denke darüber nach, eine Empfehlung abzugeben, damit nicht jeder Laden anders offenhalte, was die Kundschaft irritierte.

Gewerkschaft Unia ist empört

Das Ganze werde sich einspielen, sagt Bleuer. Im Kanton Thurgau gelten schon länger die gleichen Ladenöffnungszeiten wie neu in der St.Galler Innenstadt. Dort gibt es gemäss Bleuer keinerlei Probleme.

Die Stadt St.Gallen ist nicht die erste im Kanton, die erweiterte Ladenöffnungszeiten in einem Tourismusperimeter kennt. Auch in Rapperswil-Jona wurde ein solcher definiert.

Die Gewerkschaft Unia reagiert empört: Es sei skandalös, dass beim gerade eingesetzten Abflauen der Coronaviruspandemie ein solches Reglement verabschiedet werde. Die ohnehin gebeutelten Arbeitnehmenden müssten sich jetzt extrem kurzfristig mit einschneidenden Änderungen ihrer Arbeitszeiten herumschlagen, so die Unia.