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In der Welt der Vergessenden: 20-Jährige wird für ihre Arbeit über Demenz ausgezeichnet

Eine junge Frau setzt sich mit Demenz auseinander und erhält von der Alzheimervereinigung den Fokuspreis.
Benjamin Schmid
Tabea Keller wird für ihre Arbeit über Demenz ausgezeichnet. (Symbolbild: Mareycke Frehner)

Tabea Keller wird für ihre Arbeit über Demenz ausgezeichnet. (Symbolbild: Mareycke Frehner)

Sie ist 20 Jahre alt. Das ganze Leben liegt noch vor ihr. Ihr Gehirn ist auf dem Höhepunkt der Leistungsfähigkeit. «Vergessen» ist ein Fremdwort für die angehende Studentin der Sozialwissenschaft. Sie ist vielseitig interessiert, wissbegierig und liebt das analytische Denken. Tabea Keller setzt sich gern mit sich und der Welt auseinander, möchte den Dingen auf den Grund gehen und blickt hinter die Kulissen. Keine Spur von Gedächtnislücken, Planungs- und Organisationsschwierigkeiten. Neue Informationen merkt sie sich leicht und langfristig und hat weder Probleme mit der zeitlichen noch der räumlichen Orientierung. Obwohl sie scheinbar nichts mit Demenz verbindet, wird sie diesen Freitag von Alzheimer St.Gallen und beider Appenzell mit dem Anerkennungspreis «Fokus» ausgezeichnet. Die Auszeichnung geht jedes Jahr an Personen oder Organisationen, die sich besonders für das Thema Alzheimer engagieren.

Nebenjob im Hausdienst

Begonnen hat alles vor zwei Jahren. Als Schülerin der Kanti Trogen jobbte Tabea Keller. Nicht nur als Nachhilfelehrerin und Babysitterin, sondern im Hausdienst des Alterswohnheims Walzenhausen. Dabei traf sie auf Menschen mit Demenzerkrankungen. Bis dahin kam sie nur sporadisch mit alten Menschen und noch seltener mit Demenzpatienten in Kontakt. Weil in ihrer Familie keine Fälle von Alzheimer bekannt sind, musste sie den Umgang mit diesen Menschen erst lernen. Sie lernte, sich nicht nur adäquat zu verhalten, sondern suchte nach möglichen Themen rund um Demenzerkrankungen für ihre Maturaarbeit. «Ich wollte ein biologisch-medizinisches oder sozialpolitisch-historisches Thema», sagt Tabea Keller. Dabei stiess sie auf die Nationale Demenzstrategie 2014 – 2019 (NDS), «eine gute Kombination aus den beiden Interessen».

Es sollte keine Arbeit über die Symptome der Krankheit, deren Verlauf und mögliche Behandlungen geben. Vielmehr legte die Walzenhauserin den Fokus auf die gesellschaftliche Akzeptanz, das Versorgungsnetz und die niederschwellige Informationsbeschaffung. «Für Jüngere ist es wichtig zu wissen, was mit ihren Grosseltern passiert», sagt die Studentin. Die Reaktionen ihrer Mitschülerinnen und -schüler fielen ähnlich aus: «Ah Demenz. Meine Opa ist auch dement.» Was aber wirklich da- hinter steckt, wie umfassend und einschneidend eine solche Krankheit für eine Familie ist, war oft nicht wirklich bekannt. Es seien viele Vorurteile und Halbwahrheiten in der Gesellschaft verankert, ausserdem werden Jugendliche durch Sensibilisierungskampagnen zu wenig angesprochen und Angehörige werden zu wenig begleitet und entlastet.

Wertschätzung für eigene Arbeit

Nach bestandener Matura begann sie mit der Arbeit am Demenzkonzept: Sie studierte Inhalt und Aufbau der NDS vertieft und verfasste eigene Texte dazu. In Zusammenarbeit mit einer neu eingesetzten Projektgruppe befasste sie sich eingehend mit der Planung und Umsetzung des Konzeptes im Kanton AR. Dabei hatte sie keine Ahnung, welch hohe Wellen ihr Einsatz dereinst schlagen würde: «Als mich das Amt für So- ziales des Kantons Appenzell Ausserrhoden anfragte, bei der Ausarbeitung des kantonalen Demenzkonzeptes mitzuwirken, war ich hell begeistert. Mit einer Preisverleihung hätte ich aber nie gerechnet», sagt Tabea Keller.

Die 20-Jährige hatte unzählige spannende Gespräche sowie interessante Begegnungen und lernte, dass Zuhören und Nachfragen nicht nur im Leben von Demenzerkrankten einen hohen Stellenwert erfordern, sondern auch im eigenen Leben. Tabea Keller freut sich sehr über die Auszeichnung. Sie fühlt sich angespornt, weiterzuarbeiten und ihre Ziele zu verfolgen.

Mut zur Veränderung

Dass ihre ursprünglichen Berufswünsche während des Zwischenjahres etwas in die Ferne gerückt sind, störe sie keineswegs. Sie wird sich statt des geplanten Medizinstudiums der Politik und vor allem sozialen Fragen zuwenden.

Die 20-Jährige macht sich nicht nur Gedanken über Demenzarten und -strategien, sondern ebenso über die Sicherung der Altersvorsorge, über die Entwicklung des Bildungssystems und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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