Handwerker haucht in Goldach alten Weinfässern neues Leben ein

Remo Hämmerle renoviert gebrauchte Fässer und baut sie zum Aufbewahrungsort für Weingläser und Zigarren um. Er erzählt, wie er das Fasswerk gegründet hat und was ihn an seiner Arbeit fasziniert.

Vivien Huber
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Remo Hämmerle steht vor einem Weinfass, in dem Zigarren aufbewahrt werden. (Bild: Vivien Huber)

Remo Hämmerle steht vor einem Weinfass, in dem Zigarren aufbewahrt werden. (Bild: Vivien Huber)

«Der Innenraum dieses Fasses ist noch unbehandelt. Wenn man mit dem Finger dem Holz nachfährt, fühlt man, wie der Zuckersatz des Weins noch an den Wänden klebt», sagt Remo Hämmerle. Der 30-Jährige renoviert in seinem Schreinerraum in Goldach für einen Kunden gerade ein Weinfass, das ein Hochzeitsgeschenk werden soll. Hämmerle hat sein Unternehmen Fasswerk vor fünf Jahren gegründet. Er verschafft alten Möbeln neuen Glanz und renoviert gebrauchte Wein- und Whiskeyfässer. Den Innenraum des Fasses gestaltet er nach den Wünschen des Kunden. So verwandeln sich seine Fässer zum Aufbewahrungsort für Weingläser, Whiskeyflaschen oder Zigarren. «Es gibt je nach Wunsch verschiedene Türen, Licht mit Bewegungssensor und verschiedene Schubladen», erklärt Hämmerle.

Die Geschäftsidee hatte er, als er mit seiner Freundin im Garten sass und ein altes Fass betrachtete, das dort stand. «Wir fragten uns, ob man nicht etwas daraus machen könnte», erinnert sich Hämmerle. Er habe zunächst drei Fässer bestellt und sich an diesen versucht. «Das erste Fass war ein Reinfall. Aber ich habe nicht aufgegeben, bis es geklappt hat», sagt er. Auch seine Freunde fanden die Idee gut und meinten, dass sich die Fässer auch verkaufen würden. «Deshalb gründete ich das Fasswerk», sagt Hämmerle. Im Moment führt er das Fasswerk mit seiner Freundin Nadine Ledergerber, die für das Marketing zuständig ist.

Alle Fässer haben ein anderes Erscheinungsbild

Für den Umbau eines Fasses brauche Hämmerle je nach Aufwand drei bis sechs Tage. Bevor er aber mit der Arbeit beginnt, untersucht der Schreiner das Fass auf Risse oder andere Mängel, die er vorab ausbessern kann. Danach schleift er die Aussenseite des Fasses und schneidet es auf. Im Fass selbst muss Hämmerle vor dem Einbauen der Schubladen die Wände abschleifen. «Bei den Weinfässern behält der Innenraum auch nach der Bearbeitung seine violette Farbe», sagt er. Die Whiskeyfässer hingegen seien im Innern schwarz. Je nach dem, welches Fass man nehme und wie man es von innen beleuchte, habe es ein ganz anderes Erscheinungsbild. «Ich beziehe die gebrauchten Fässer entweder von Weingütern oder von einem Fasshändler. Die Kunden mögen es, wenn ihr Fass Charakter hat», sagt er. Die meisten Fässer könne man nur etwa drei Gärungsprozesse lang gebrauchen. «Bei den Whiskeyfässern ist das Holz manchmal schon nach kurzer Zeit stark verkokelt. Das gibt dann viel Schleifarbeit.» Dass er als Schreiner wisse, wie sich das Holz verhalte, habe ihm anfangs beim Bearbeiten der Fässer geholfen. «Jedoch muss ich auch heute noch experimentieren und nach Möglichkeiten suchen, wie ich die Wünsche der Kunden umsetzen kann. So entwickelt sich das Handwerk immer weiter», sagt Hämmerle.

Er sei dabei auch schon an seine Grenzen gekommen: Ein Kunde wollte seine Zigarren im Fass aufbewahren und dafür einen Humidor einbauen lassen. «Ich habe noch nie einen Humidor gebaut und wusste nicht, ob ich die Idee umsetzen kann», sagt er. Er habe schliesslich jemanden gefunden, der ihm den Luftbefeuchter anfertigte. «Das Schwierige war, die Zusammenarbeit so zu koordinieren, dass alles exakt in das Fass passt und wie aus einem Stück aussieht. Dieses Fass ist bisher mein bestes Werk», sagt er. Manchmal sei es schwierig, abzuschätzen, ob die Wünsche der Kunden umsetzbar sind oder nicht. Die Ideen seien aber immer inspirierend und interessant. «Wenn eine neue Idee geklappt hat, ist es umso schöner», sagt Hämmerle.

Das schönste an seiner Arbeit sei aber, dass er selbst etwas schaffe und mit dem eigenen Namen dahinter stehen könne. «Wenn ich beim Liefern des Fasses sehe, wie der Kunde zufrieden ist und Freude daran hat, weiss ich, dass dies mein Verdienst ist.»

«Ich bin kein Künstler, sondern ein Handwerker»

Die meisten seiner Kunden seien Privatpersonen. «Ich habe aber auch schon Fässer für Möhl, Campari und Einstoffen angefertigt», sagt er. Hämmerle setzt auch seine eigenen Ideen um: Er hat ein Fass in zwei Hälften geteilt und ein Hundebettchen daraus geschreinert.

Bei Hämmerle werden durchschnittlich mehr Fässer als Möbelstücke in Auftrag gegeben. «Wahrscheinlich liegt es daran, dass ein umgebautes Fass etwas Spezielles ist und es fast niemand macht», sagt der Schreiner. In der Schweiz habe er bisher nur von einem Unternehmen gehört, das auch Fässer umbaue. Entgegen anderen Meinungen sind die Fässer für Hämmerle kein Kunstwerk. «Ich sehe mich nicht als Künstler, sondern als Handwerker», sagt er.

www.fasswerk.ch