Alterszentrum im Riethüsli rückt in Reichweite

Das geplante Alterszentrum im Riethüsli wird konkreter. Die Stadt hat das Baugesuch der Christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft bewilligt. Dem Entscheid ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus.

Christina Weder 
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Auf der Wiese an der Demutstrasse im Riethüsli ist ein Alterszentrum mit 27 Wohnungen geplant. Nach jahrelangem Rechtsstreit liegt nun eine Baubewilligung vor. (Bild: Ralph Ribi)

Auf der Wiese an der Demutstrasse im Riethüsli ist ein Alterszentrum mit 27 Wohnungen geplant. Nach jahrelangem Rechtsstreit liegt nun eine Baubewilligung vor. (Bild: Ralph Ribi)

Die Alterswohnungen im Riethüsli hätten nach ursprünglicher Planung längst bezogen sein sollen. Doch vis-à-vis des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums, wo sie geplant sind, erstreckt sich immer noch eine Wiese. Das Projekt der Christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft St.Gallen (CWG) lässt auf sich warten. Nun scheint es auf der Zielgeraden zu sein. Die Stadt hat eine Baubewilligung erteilt, wie Ivan Furlan, Leiter des städtischen Amts für Baubewilligungen, bestätigt. Der Entscheid sei am 10. Dezember versandt worden.

Die Bauherrin, die CWG, hat den Entscheid zur Kenntnis genommen, wie ihr Mediensprecher Stefan Grob auf Anfrage sagt. Nun warte man die 14-tägige Rekursfrist ab. «Erst wenn die Baubewilligung rechtskräftig ist, fällt uns ein Stein vom Herzen», sagt Grob. «Wir hoffen auf ein wunderbares Neujahrsgeschenk.» Bis zum Ablauf der Frist will er sich noch nicht zum weiteren Vorgehen äussern.

Baugesuch vor fünf Jahren eingereicht

Dem Entscheid der Baubewilligungskommission ist ein jahrelanger Rechtsstreit vorausgegangen. Die CWG hat im Dezember 2013 – also vor fünf Jahren – ein erstes Baugesuch für ein Alterszentrum eingereicht. Es umfasst 27 Wohnungen und soll zwischen Nest- und Demutstrasse zu stehen kommen. Die meisten Wohnungen verfügen über zwei bis drei Zimmer. Bei Bedarf sollen die künftigen Bewohner Betreuungsleistungen der Spitex in Anspruch nehmen können.

Es gingen damals verschiedene Einsprachen gegen das Bauprojekt ein, wie Thomas Taverna vom Amt für Baubewilligungen schildert. Die meisten wurden zurückgezogen. Die Einsprache eines direkten Anwohners blieb übrig. Die städtische Baubewilligungskommission stützte diese Einsprache und lehnte das Baugesuch ab. Ernst Michel, der damalige Leiter des Amts für Baubewilligungen, begründete gegenüber dem «Tagblatt», das geplante Alterswohnheim überzeuge weder aus gestalterischer noch aus städtebaulicher Sicht.

Die CWG konnte die ablehnende Haltung der Stadt nicht nachvollziehen und legte im November 2014 Rekurs beim kantonalen Baudepartement ein. Dieses gab der CWG im Frühling 2016 recht und hob den Entscheid der städtischen Baubewilligungskommission damit auf.

«Riesencremeschnitte» oder «Koloss»

Trotzdem konnte noch immer nicht gebaut werden. Denn der private Einsprecher reichte gegen den Entscheid des Baudepartements beim kantonalen Verwaltungsgericht Beschwerde ein. Stein des Anstosses war für ihn die Grösse des geplanten Baus. Er sprach von einem «Koloss» und einer «Riesencremeschnitte». Gegenüber dieser Zeitung sagte er, dass er das Quartier Riethüsli vor der Verschandelung bewahren wollte.

Doch das Verwaltungsgericht wies seine Beschwerde im Frühling 2017 ab. Es unterstützte damit die Bauherrschaft, die daraufhin bei der Stadt St.Gallen ein Korrekturgesuch einreichte. Ein solches hatte das kantonale Baudepartement gefordert. Der Baukörper blieb laut Taverna zwar der Gleiche. Doch entgegen ursprünglichen Plänen verzichtete die CWG fortan auf den sogenannten Wirrgarten, einen abgeschlossenen Bereich für Demente, und reduzierte die Räume und Büros, die für die Spitex vorgesehen waren. Damit ging die Diskussion los, ob überhaupt noch von einem Spitex-Stützpunkt die Rede sein könne.

Argumente der Stadt entkräftet

Der Anwohner reichte dann auch gegen das Korrekturgesuch eine Einsprache ein. Die Baubewilligungskommission der Stadt wies diese ab und erteilte der CWG kürzlich die Baubewilligung. Denn indem das Baudepartement den Rekurs der Bauherrschaft stützte, seien die Argumente der Stadt entkräftet worden, sagt Taverna. So seien sowohl das Baudepartement als auch das Verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass sich das Projekt auch ohne Spitex-Stützpunkt als zonenkonform erweise. Nun wird sich bald zeigen, ob der jahrelange Rechtsstreit ein Ende findet.

Hürden auf dem Weg zum Bauprojekt

Der Quartierverein Riethüsli setzt sich seit 15 Jahren für ein Alterszentrum im Quartier ein. Auf dem Weg dazu waren mehrere Hürden zu nehmen. 2008 lancierte der Verein eine Petition. Doch die Stadt sah keinen Bedarf für ein Altersheim, aber für ein Alterszentrum. Das Projekt lief harzig an. 2009 sprang die Logicasa, die den Bau hätte realisieren sollen, überraschend ab. Daraufhin übernahm die Christlichsoziale Wohnbaugenossenschaft das Ruder. Doch 2012 kamen Experten zum Schluss, der Standort sei ungeeignet. Das Quartier musste einen alternativen Standort prüfen. Erst als es dort klare Nachteile nachweisen konnte, kam die Umzonung der Wiese zustande.

OPPOSITION: Jetzt spricht der Einsprecher

Hansjürg Albrecht kämpfte bis vor Verwaltungsgericht gegen das Alterszentrum im Riethüsli. Stein des Anstosses war die Grösse des geplanten Baus. Auch nach dem Gerichtsurteil bleiben für ihn offene Fragen.
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RIETHÜSLI: Alterszentrum rückt wieder näher

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