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Muolen: Netz-Alternative stösst auf Ablehnung

Ginge es nach dem Gemeinderat, bliebe das Netz der Elektra Muolen Eigentum der Gemeinde. An einem Infoanlass begründet der Gemeindepräsident diese Idee – und löst eine emotionale Diskussion aus.
Perrine Woodtli

Eine Viertelstunde vor Beginn sagte Bernhard Keller, er wäre enttäuscht, wenn weniger als 50 Leute erscheinen würden. Kurz vor halb acht füllte sich der Saal aber. Über 70 Muolerinnen und Muoler fanden sich am Montagabend im Vereinslokal ein. Die Gemeinde hatte zu einem Infoanlass zur Zukunft der Elektra eingeladen. Im Dorf herrschen derzeit Unstimmigkeiten. Der Verwaltungsrat der Elektra Muolen will das Netz an die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) verkaufen und die Genossenschaft liquidieren («Tagblatt» vom 11. Mai). Der Gemeinderat aber würde das Netz gerne selber kaufen, damit dieses in Muoler Besitz bleibt und Geld abwirft.

Keller betonte zu Beginn, dass der Gemeinderat die Arbeit der Elektra stets geschätzt habe. Auch mit der SAK habe man keine Probleme. «Es geht uns darum, Alternativen zu diesem Verkauf seriös zu prüfen.»

Gemeinde rechnet mit jährlich 68000 Franken

Ginge es nach dem Gemeinderat, würde er das Netz der Elektra abkaufen und verpachten – am liebsten der SAK. Der Gemeinderat hatte Nico Waldmeier als externe Fachperson beauftragt, diese Variante zu prüfen. Waldmeier ist Unternehmensberater bei der Evu Partners AG, einem unabhängigen Beratungsunternehmen für Energieversorger. Er erklärte, wie ein Verkauf ablaufen würde: Die Gemeinde gründet für rund 100000 Franken eine Aktiengesellschaft und schiesst ein Kapital von rund einer Million Franken ein. Damit könnte die AG das Netz zum gleichen Verkaufspreis wie bei der SAK kaufen, also für 910000 Franken. Die AG verpachtet das Netz und überträgt die Betriebskosten an die Pächterin. Diese wiederum vergütet Pachtzins an die AG. Die Gemeinde profitierte einerseits von den Konzessionsabgaben der Pächterin, andererseits vom Gewinnanteil, der von der AG geliefert würde. Man gehe davon aus, dass die Gemeinde rund 68000 pro Jahr verdienen könnte, sagte Waldmeier.

Laut Waldmeier könnten mit dem Verkauf des Netzes an die Gemeinde zusätzliche Vorteile entstehen. Wie Keller betonte auch er, dass eigentlich alles gleich bleibe wie beim Verkauf an die SAK – sofern die SAK als Pächterin verpflichtet werde. So seien Punkte wie eine sichere Versorgung, günstige Stromtarife und Einheitlichkeit in beiden Fällen gegeben. Die Entscheidungshoheit bleibe aber bei der Gemeinde und sie profitiere von einer Rendite. Für die Genossenschafter ändere sich nichts, egal, an wen sie verkauften.

Der Gemeinderat wünsche sich einfach etwas mehr Zeit, um diese Variante genauer zu prüfen, sagte Keller. Die Genossenschafter sollen deshalb an der ausserordentlichen Generalversammlung nächsten Dienstag die Elektra-Kommission beauftragen, Varianten in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat zu prüfen.

Fraglich, wie Gemeinde und SAK verdienen sollen

Auch Guido Sieber, Präsident der Elektra, kam zu Wort. Die SAK hätten ihre Arbeit im Griff sowie das Wissen und das Material, um das Netz mit einer grösseren Sicherheit zu betreiben. «Es ist ein Rundum-Sorglos-Paket», fasste er zusammen. Die 22000 Franken Konzessionsabgaben erhalte die Gemeinde sowieso jährlich – ob als Eigentümerin oder nicht. «Sie kann so ohne Aufwand profitieren.» Sieber betonte, dass der Vertrag mit der SAK unterschriftsbereit sei und der Wert des Netzes jedes Jahr abnehme. «Wir müssen diese Chance jetzt nutzen.» Den Verkauf an die Gemeinde habe man geprüft. Die Genossenschaft habe nie Gewinne erzielen müssen und habe diese jeweils investiert, so Sieber. Die Gemeinde aber wolle Geld verdienen – deshalb frage er sich, wie das aufgehen könne.

«Lieber Spatz in der Hand als Taube auf dem Dach»

So ging es auch vielen Muolern. Einige verstanden die Absichten der Gemeinde nicht, mit einem eigenen Netz Geld verdienen zu wollen. «Das gehört nicht zu den Aufgaben einer Gemeinde», sagte ein Bürger. Man solle sich nicht «bei Profis einmischen». Eine Bürgerin sprach zudem das Mitteilungsblatt vom 3. Mai an. Keller hatte dort über das Vorhaben der Elektra informiert und deutlich gemacht, was er davon hält. Die «Tonalität, die Überheblichkeit und der fehlende Respekt» habe sie befremdet, sagte sie.

Ein Bürger sagte, er finde es schade, wenn die Infrastruktur aus dem Dorf verkauft würde. Gemeinderat Jürg Schmidhauser merkte an, dass kaum ein anderes 100-jähriges Unternehmen einen Verkauf beschliessen würde, ohne eine zweite Offerte einzuholen. Andere waren der Meinung, dass der Zwischenhandel zwischen Gemeinde und Pächterin keine gute Lösung sei. Das Risiko sei zu hoch, vieles sei nur Theorie und falls es nicht so laufe, wie es sich die Gemeinde vorstelle, müssten die Nutzer bürgen. Elektra-Verwalter Erwin Hug sagte, dass es sich beim SAK-Deal um ein Konstrukt «ohne Wenn und Aber handelt». Ein weiterer Bürger merkte an: «Ich habe lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.»

Nach über zwei Stunden war der Anlass vorbei und die Luft heiss und stickig. Wie sich die 123 Genossenschafter entscheiden werden, sei schwierig abzuschätzen, sagte Keller. Denn am Montag waren auch einige Bürger ohne Genossenschaftsanteil anwesend. Und nur die Genossenschafter haben das letzte Wort.

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