Alter
Altwerden in St.Gallen früher und heute: Zur vollendeten Sanierung der Geriatrischen Klinik erscheint ein Buch

Eine neue Publikation zur Geriatrischen Klinik St.Gallen setzt sich mit dem Altwerden und der Altersmedizin in der Stadt St.Gallen auseinander. Sie blendet dabei Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft und der Spitalfinanzierung nicht aus.

Christina Weder
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Grosse Fenster, viel Licht: Die Räume in der Geriatrischen Klinik St.Gallen sind frisch saniert.

Grosse Fenster, viel Licht: Die Räume in der Geriatrischen Klinik St.Gallen sind frisch saniert.

Bild: Benjamin Manser

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat ein grosses Bauprojekt hinter sich: Zweieinhalb Jahre dauerte die umfassende Sanierung und Erweiterung der Geriatrischen Klinik St.Gallen an der Rorschacher Strasse. 50 Millionen Franken wurden investiert. Im vergangenen Frühling konnten die Patientinnen und Patienten die neuen Räume mit insgesamt 122 Betten beziehen.

Die neue Publikation, die zur fertiggestellten Totalsanierung der Geriatrischen Klinik erscheint.

Die neue Publikation, die zur fertiggestellten Totalsanierung der Geriatrischen Klinik erscheint.

Bild: Christina Weder

Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten erscheint nun – pünktlich zur Bürgerversammlung diesen Donnerstag – eine neue Publikation zur Geriatrischen Klinik. Sie trägt den Titel «Rückblick mit Weitsicht» und wurde vom Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde redaktionell begleitet und konzipiert. Sieben Beiträge beleuchten verschiedene Aspekte des Altwerdens und der Altersmedizin. Verfasst wurden sie von Historikerinnen, Ökonomen, Architekten, medizinischen Fachpersonen und Bürgerratspräsident Arno Noger.

Ration Ehrenwein für den ältesten Bürger der Stadt

Die Texte decken denn auch eine grosse thematische Bandbreite ab. Sie widmen sich den Lebensumständen betagter Menschen in St.Gallen in Geschichte und Gegenwart. Leserinnen und Leser erfahren etwa, dass die ältesten Bewohner der Stadt schon im 17. und 18. Jahrhundert über 80 Jahre alt wurden. In einer Zeit, in der es keine AHV gab und in der bis ins hohe Alter gearbeitet wurde, erhielten manche von ihnen spezielle Leistungen, etwa eine tägliche Ration Ehrenwein und Weissbrot oder wöchentlich einen kleinen Zustupf.

Die Geriatrische Klinik.

Die Geriatrische Klinik.

Bild: Benjamin Manser

Die Publikation zeigt auf, wie sich die Alterspflege und Altersmedizin, eine relativ junge Disziplin, entwickelt haben. Und sie legt dar, wie die heutige Organisationsstruktur des Kompetenzzentrums Alter der Ortsbürgergemeinde entstanden ist, zu dem heute die Geriatrische Klinik, der Alterswohnsitz Bürgerspital und die Altersresidenz Singenberg gehören. Alle drei Institutionen sind unterirdisch mit dem Kantonsspital St.Gallen verbunden.

Immer mehr ältere Patienten in den Akutspitälern

Am Beispiel der Geriatrischen Klinik greift die Publikation auch aktuelle Themen auf: Die Beiträge legen die Herausforderungen der gegenwärtigen Spitalfinanzierung dar und gehen auf die demografische Entwicklung in der Ostschweiz und deren Auswirkungen auf die künftige Spitallandschaft ein.

So rechnet der Kanton St.Gallen damit, dass im Jahr 2025 die Hälfte aller stationär behandelten Patientinnen und Patienten älter als 60 Jahre sein wird. Die Konsequenz sei, schreibt der Autor, dass sich die Akutspitäler immer stärker auf ältere und gebrechliche Patientinnen und Patienten ausrichten müssten.

Im Durchschnitt bleiben die Patienten 19 Tage in der Klinik

Nicht zuletzt ermöglicht der schmale Band anhand zahlreicher Bilder Einblicke ins frisch sanierte Innere der Geriatrischen Klinik und in die neu gestalteten, lichtdurchfluteten Bettenzimmer. Er macht deutlich, welcher Wandel die Klinik seit ihrer Eröffnung vor 40 Jahren durchgemacht hat.

Ein Zimmer in der frisch sanierten Klinik.

Ein Zimmer in der frisch sanierten Klinik.

Bild: Benjamin Manser

Damals waren Patienten mehrheitlich in Fünf-Bett-Zimmern untergebracht, 18 Personen teilten sich ein Bad mit Dusche. Und es war keine Seltenheit, dass sich Patienten mehrere Monate in der Klinik aufhielten. Seit der Totalsanierung sind die Fünf-Bett-Zimmer verschwunden. An ihrer Stelle gibt es Dreibett-, Doppel- und Einzelzimmer, die alle über eine eigene Nasszelle verfügen. Die Patientinnen und Patienten halten sich durchschnittlich noch 19 Tage in der Geriatrischen Klinik auf. 75 Prozent von ihnen können nach der Entlassung in ein selbständiges Leben zurückkehren.

Das Buch mit dem Titel «Rückblick mit Weitsicht» umfasst knapp 80 Seiten, es kostet 19 Franken und ist im Buchhandel erhältlich.