Altenrhein: Verein braucht Geld für «Connie»

Die Super Constellation, kurz  «Connie», galt einst als schönstes Flugzeug der Welt. Gerade zwei Exemplare des Vogels aus den 1950ern sind weltweit noch flugtüchtig. Eines davon drehte früher über dem Bodensee seine Runden. Ob es zurückkommt, entscheidet sich bald.

Jürgen Schelling
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Vor vier Jahren war die Super Constellation in Altenrhein zu Besuch.  (Bild: Jürgen Schelling)
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Vor vier Jahren war die Super Constellation in Altenrhein zu Besuch.  (Bild: Jürgen Schelling)

Es müsste eigentlich ihr Jahr sein: 2019 sollte der viermotorige Propeller-Oldie Super Constellation nach zweijähriger Zwangspause durch aufwendige Reparaturarbeiten im Frühsommer endlich wieder in Zürich abheben und eine Flugsaison absolvieren. Dann wäre wohl auch wieder eine Landung samt Bodensee-Rundflug am Flughafen St. Gallen-Altenrhein, wie in früheren Jahren, möglich gewesen. 

Nun geriet die Maschine aber in die Turbulenzen, die durch den tragischen Ju52-Absturz mit 20 Todesopfern im vergangenen Sommer ausgelöst wurden und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BaZL) beschäftigen. Die Ungewissheit ist gross. Denn der Verein Super Constellation Flyers Association (SCFA), der Halter der Maschine ist, muss mit aufwendigen und kostspieligen Untersuchungen nachweisen, dass das Flugzeug sicher ist. Des weiteren müssen voraussichtlich die Tragflächen komplett saniert werden. Das ist ein millionenteurer finanzieller Drahtseilakt. Aber der Reihe nach. Dass die Super Constellation, von allen nur kurz «Connie» genannt, auch vom Sog der Ju52-Ermittlungen erfasst wurde hängt mit der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) zusammen. 

Seit Ju-Absturz sind Kontrollen härter

Drei Monate nach dem verheerenden Crash der 1939 gebauten Ju52 kam die SuST beim Zwischenbericht der Absturzuntersuchung vom 20. November zu einem überraschenden Befund. Am Wrack wurden an mehreren Stellen, etwa an Holmen, aber auch an anderen Teilen der Flügel und am Kabinenboden «erhebliche Korrosionsschäden» entdeckt. Diese waren zwar laut SUST nicht Ursache für den Unfall, alarmierten aber dennoch das BaZL. Es groundete daraufhin die zwei noch existierenden Ju52 der Dübendorfer Ju-Air, um umfangreiche Korrosionsuntersuchungen an beiden Oldies vornehmen zu lassen. Damit nicht genug. Das BaZL schaut nun bei allen schweizerisch registrierten Oldtimerflugzeugen noch genauer hin. Davon ist wiederum die 1955 gebaute «Connie» und als ihr Halter die SCFA mit knapp 4000 Mitgliedern betroffen. 

Der viermotorige Klassiker wies 2017 ebenfalls Korrosionsschäden an Teilen des Landeklappengestänges auf. Seither steht die Maschine in Kloten im Hangar zur Reparatur. Zwei Millionen Franken hatte der Verein SCFA durch eine grossangelegte Spendenaktion mit Hilfe seiner Mitglieder und Unterstützung durch Gönner eingesammelt. 

Reparatur kostet bis zu 20 Millionen Franken

Im November 2018 wurden aber Absplitterungen an einem Vorderholm des rechten Tragflügels entdeckt. Fachleute untersuchten die Flächen weiter und kamen zum Schluss, dass vermutlich eine Sanierung der Tragflügel notwendig ist. Die kostet laut einer Pressemeldung der SCFA voraussichtlich 10 Millionen Franken. Da die Reparaturzeit vier Jahre beträgt, kommen weitere fünf bis zehn Millionen Franken an Kosten für Mechanikerlöhne, Hangarmiete, Administration und Unvorhersehbares hinzu. Es fehlen also bis zu 20 Millionen Franken bei der SCFA. Diese Summe muss vor Beginn der Reparatur gewährleistet sein, etwa durch eine Bankbürgschaft. 

Die Zeit drängt

Bei einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung im Februar sprach sich der Verein dafür aus, zu versuchen, die 20 Millionen aufzutreiben. Andernfalls wären Verkauf, Verschrottung oder Teileverkauf des Flugzeugs mögliche Optionen. Die SCFA steht allerdings unter erheblichem Zeitdruck: Innerhalb der nächsten Monate muss das Geld beschafft werden. Deshalb werden jetzt rasch Gespräche mit möglichen Gönnern, Sponsoren oder vielleicht auch eine Crowdfunding-Aktion begonnen. 

Es fliegen nur noch zwei 

Die Situation ist also dramatisch. Ob die «Star of Switzerland» jemals wieder abheben oder in St. Gallen-Altenrhein zu sehen sein wird, scheint sich in den kommenden Wochen zu entscheiden. Die eidgenössische «Connie» ist eines von weltweit nur noch zwei fliegenden Exemplaren der berühmten Constellation-Baureihe und die einzige Maschine, die Passagiere mitführen darf. Diese müssen allerdings SCFA-Vereinsmitglieder sein. 

Die Propellerflugzeuge der Constellation-Baureihe wurden wegen ihrer eleganten Form und des ungewöhnlichen Dreifach-Seitenleitwerks als «schönste Flugzeuge der Welt» bezeichnet. Durch ihre in den 50er-Jahren hochmoderne Druckkabine konnten sie über dem Wettergeschehen fliegen und bis zu 100 Passagieren für die damalige Zeit ungewohnten Komfort bieten.

ALTENRHEIN: Piloten fliegen für Super Connie

Der Basler Oldi-Airliner Super Constellation hat durch seine Besuche am Airport Altenrhein viele Fans. Jetzt sind aber teure Reparaturen nötig. Um dafür Geld zu sammeln, haben Piloten Benefiz-Flüge veranstaltet.

Super Constellation kommt an den See

Vom viermotorigen Propeller-Airliner aus den Fünfzigerjahren gibt es weltweit nur noch zwei Exemplare. Die einzige Maschine in Europa ist in Basel stationiert. Der seltene Oldtimer landet morgen Samstag auf dem Airport St. Gallen-Altenrhein.
Jürgen Schelling