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Die Technologie wäre vorhanden: Senioren haben aber keine Lust auf Überwachung in der Alterswohnung

36 Wohnungen im Gossauer Vita Tertia können überwacht werden – theoretisch. Denn nach wie vor macht erst ein Bewohner vom Angebot für mehr Sicherheit Gebrauch. Der Direktor glaubt, dass die Akzeptanz zunimmt.
Johannes Wey
Kamera zwischen Nippes: Nur ein Bewohner des Vita Tertia lässt sich zu seiner Sicherheit überwachen. (Bild: Benjamin Manser (14. Dezember 2015))

Kamera zwischen Nippes: Nur ein Bewohner des Vita Tertia lässt sich zu seiner Sicherheit überwachen. (Bild: Benjamin Manser (14. Dezember 2015))

Im Vita Tertia beruft man sich gerne auf den eigenen Pioniergeist. Viele Angebote, die man auf dem Platz Gossau als erste Institution für das Wohnen im Alter eingeführt habe, hätten Schule gemacht. Doch für die jüngste Neuerung sei die Zeit wohl noch nicht reif gewesen, räumt Direktor Markus Christen ein. Und meint damit die Bewohnerinnen und Bewohner.

Vor zweieinhalb Jahren startete im Vita Tertia ein Pilotprojekt. Erste Wohnungen wurden mit Elektronik ausgestattet: Bewegungsmelder an der Decke, Kamera auf dem Beistelltisch, ein Tablet zur Kommunikation und zur Fernsteuerung der Rollläden. Insgesamt rund zwei Dutzend Geräte pro Seniorenwohnung. Das soll etwa bei Stürzen die Reaktionszeit verkürzen und ansonsten den Alltag erleichtern. Alle 36 Appartements im Haus Weiher sind heute mit der Technologie ausgerüstet. In Anspruch genommen wird diese aber auch nach der Pilotphase erst von einem Bewohner.

Direktor ist für neue Bewohner zuversichtlich

Das sei ernüchternd, sagt Christen. «Die Bewohnerinnen und Bewohner sind mit der Technik noch nicht vertraut und lehnen sie ab.» Sie fürchteten sich vor dem Verlust ihrer Autonomie und Privatsphäre. Er sei aber überzeugt, dass diese freiwillige Überwachung in wenigen Jahren verbreitet sein werde.

Markus Christen, Direktor des Vita Tertia

Markus Christen, Direktor des Vita Tertia

Der «elektronische Assistent» sei vor allem für Notfälle sinnvoll, findet Christen. Ein Bewegungsmelder oder ein Sensor im Kühlschrank registriert, wenn Aktivität ausbleibt respektive der Kühlschrank nicht geöffnet wurde. Dann schlägt er Alarm. Danach müsse aber wieder der Mensch eingreifen. «In so einem Moment will man nicht über Lautsprecher kommunizieren. Dann muss das Pflegepersonal vorbeikommen und den Bewohnern helfen.» Hohes Sparpotenzial durch eine weitgehende Digitalisierung der Pflege sieht Christen deshalb nicht.

Und Trotzdem: «Ich bin fest davon überzeugt, dass Technologie bald eine grosse Rolle spielen wird.» Die technische Entwicklung sei auch im Pflegebereich enorm. «Vor wenigen Jahren galt man als top, wenn jedes Bett einen Alarmknopf hatte.» Christen behält den Markt im Auge. So gebe es heute statt gut gepolsterter Hosen für Stürze bereits Modelle mit Airbags.

Zwei neue Pilotprojekte in Vorbereitung

Im Vita Tertia arbeitet man auch daran, die Bewohnerinnen und Bewohner mit moderner Elektronik vertraut zu machen. Übermorgen Donnerstag findet beispielsweise ein Kurs statt, wo Bewohner und Auswärtige die Musik-App Spotify kennenlernen können. An weiteren Anlässen werden eine Wetter-App und ein Passwortmanager vorgestellt.

Die Terz-Stiftung, die Trägerin des Vita Tertia, startet zudem bald zwei neue Pilotprojekte, die wie dasjenige zum elektronischen Assistenten mit EU-Geldern gefördert werden. An beiden Studien können Personen zwischen 65 und 90 Jahren teilnehmen, unabhängig davon, ob sie im Vita Tertia wohnen.

Mit «Co-Train» sollen die körperlichen Fähigkeiten von älteren Menschen gestärkt werden. Zu Beginn werden die Teilnehmer von einem Physiotherapeuten in ein individuelles Bewegungsprogramm eingeführt. Über eine App werden sie dann an ihr Programm erinnert und vom Physiotherapeuten virtuell begleitet.

Die Studie «Day Guide» richtet sich an Personen mit beginnender Demenz. Ein Tablet soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Wichtiges erinnern: Vom offenen Kühlschrank über das regelmässige Essen und Trinken bis hin zu ausreichender Bewegung. «Die Angehörigen können auch andere Erinnerungen programmieren, etwa für Geburtstage oder Gottesdienste», sagt Christen. Zudem soll über das Tablet jederzeit eine Sprachverbindung mit den Angehörigen aufgebaut werden können.

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