Interview

Wildhüter Mirko Calderara: «Als Wildtier hält man es in Rorschach gut aus»

Im Winter zieht es Tiere auf der Futtersuche vermehrt in Siedlungsgebiete. Ansprechpartner für Wildtiere in der Region Rorschach ist Wildhüter Mirko Calderara. Er empfehlt, Wildtiere gar nicht erst anzufüttern und Abstand zu halten.

Ines Biedenkapp
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Mirko Calderara ist Wildhüter der Region Rorschach.

Mirko Calderara ist Wildhüter der Region Rorschach.

Jonny Schai

Was für Wildtiere leben derzeit in Rorschach?

Mirko Calderara: Was uns sicher am meisten beschäftigt, sind Füchse und die wilden Stadttauben. Wegen Dachsen und Marder kommen aber auch viele Anrufe rein. Und aufgrund des Sees haben wir auch eine Menge Wasservögel. Um die Region des Spitals haben wir aber auch eine hohe Population an Saatkrähen. Das ist die einzige Gruppe im ganzen Kanton St.Gallen.

Und das Rorschacher Spital lockt sie an?

Nein das nicht, aber die grossen Bäume in der Umgebung. Und da sie in Kolonien leben, machen sie besonders viel Lärm. Die sind dann gerne mal 18 Stunden am Stück am Kraken. Das stört natürlich die Patienten im Krankenhaus. Das ist aber hauptsächlich ein Problem während der Brutzeit. Momentan sind sie daher nicht da.

Setzt das derzeit wechselhafte Wetter den Wildtieren eigentlich zu?

Nein überhaupt nicht. Die haben ihren Wintervorrat meist schon angefressen. Und auch der Fellwechsel ist bereits vollzogen. Wetterkapriolen, wie wir sie derzeit haben, stört sie nicht.

Derzeit ist es noch eher warm.

Der Dachs zum Beispiel macht Winterruhe. Das bedeutet, dass er bei kaltem Wetter zwei bis drei Wochen schläft und dann wieder einige Tage unterwegs ist. Bei dem jetzigen Wetter gibt der natürlich keine Ruhe. Als Wildtier hält man es aber gut in Rorschach aus. Der See hat schon immer für Milde gesorgt.

Haben Sie dieses Jahr viele Anrufe wegen Igeln erhalten? Diese müssten doch jetzt im Winterschlaf sein.

Die Phase ist schon vorbei. Das war aber wie immer. Nicht mehr oder weniger Anrufe wie die letzten Jahre.

Was sollte man beachten, wenn man einem Wildtier in der Stadt begegnet?

Gebührenden Abstand halten und nicht füttern. Gerade die Füchse im Südteil Rorschachs wurden wohl gefüttert. Damit verlieren sie die Scheu. Das führt später meist zu Problemen. Denn ein Fuchs unterscheidet später nicht, ob es ein wildes Kaninchen oder Meerschweinchen jagt oder ein Haustier im Garten. Zudem bedeutet Futter gleich Anziehung, da kommen meist mehrere Tiere zusammen. Das bedeutet aber innerartlicher Stress für die Tiere. Daher sollte man das Füttern lieber ganz lassen.

Und wie sieht die Fütterung bei Vögeln aus?

Da scheiden sich die Geister. Allerdings richtet man damit auch keinen grossen Schaden an. Aber die Zugvögel, die Insekten brauchen, sind ohnehin schon weggeflogen. Die körnerfressenden Vögel weichen dem Schnee meist aus. Da wir aber noch keinen Schnee haben, müsste man sie derzeit noch gar nicht füttern. (ibi)

Ruhe ist die beste Fütterung für Wildtiere

Im Fürstentum Liechtenstein hat die Jägerschaft vergangene Woche die Notfütterung für Wildtiere eingeleitet. Im Kanton St. Gallen gibt es grundsätzlich keine Notfütterung. Dennoch wird eine solche immer wieder auch hier gefordert.
Katharina Rutz