Als es noch keine Guggenmusik gab: So war die Rorschacher Fasnacht vor 50 Jahren

Fredy Morini erinnert sich an die Rorschacher Fasnacht von vor über 50 Jahren. Damals war er ein Vorreiter.

Lisa Wickart
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Fredy Morini und seine Freunde im Rorschacher Hotel Anker.

Fredy Morini und seine Freunde im Rorschacher Hotel Anker.

Bild: Archiv Fredy Morini

«In Rorschach war die Fasnacht immer ein riesiges Fest», sagt Fredy Morini. Der Rorschacher ist schon seit eh und je ein begeisterter Fasnächtler. Der 72-Jährige denkt gerne an die fünfte Jahreszeit in der Region zurück: «Für mich sind es Jugenderinnerungen an schöne Zeiten in längst abgerissenen Hotelsälen, Restaurants und Cafés.» Als Kind etwa sei der Kindermaskenball im alten Kronensaal und dem Schäflegarten ein Höhepunkt der Fasnachtszeit gewesen. Er erinnert sich:

«Nach dem Umzug lieferten sich alle Kinder eine legendäre Konfettischlacht, für die jeweils extra die Hauptstrasse gesperrt wurde.»

1964 hatte Morini einen seiner ersten Auftritte an der Fasnacht als Trompetenspieler. «Mit einer Gruppe aus der Berglermusik zog ich verkleidet als Feuerwehrmann durch die Stadt», erzählt der Pensionär. Weil es damals in Rorschach noch keine Guggenmusik gegeben hatte, habe er seine Freunde zusammengetrommelt, um an der Fasnacht zusammen Musik zu machen. 1965 ist er mit drei Jugendfreunden auf eigene Faust in den damals noch zahlreichen Rorschacher Beizen aufgetreten. Heute wäre eine Fasnacht ohne Guggenmusik wohl kaum mehr vorstellbar.

Auftritte im Café Schnell und im Hotel Anker

In der Region bekannt sei auch die Rorschacher Cliquenfasnacht gewesen, an der Fredy Morini 1966 zum ersten Mal mit einer Schnitzelbank teilgenommen hat. «Unser Motto bezog sich auf das bittere Aus des Kampfflugzeugs P-16», erzählt er. Jeden Mittwoch seien seine Freunde und er mit dem Velo an den Flughafen Altenrhein gefahren, um die vorbeifliegenden Kampfflugzeuge zu bewundern. «Wir Buben waren besessen vom P-16», sagt er. Für die Kostüme schnitzte der damals 19-Jährige stundenlang Modelle aus Holz, die er dann an den Helmen befestigte. Nach Auftritten im Café Schnell, der Kornhausstube, dem Hotel Anker, dem Hafenbuffet und dem Restaurant Post kürte die Jury die vier Freunde schliesslich zu den Gewinnern.

Fredy Morini (vorne links) an der Fasnacht im Jahr 1965.

Fredy Morini (vorne links) an der Fasnacht im Jahr 1965.

Bild: Archiv Fredy Morini

Zum ersten Mal in einer richtigen Guggenmusik spielte Morini in seiner neuen Heimat Rapperswil-Jona. An den Zürichsee zog er mit 24 Jahren wegen einer neuen Stelle. Doch die Rorschacher Fasnacht liess ihn nicht los. Seine Guggenmusik habe immer wieder an Auswärtswochenenden gespielt. Als die Mitglieder nicht mehr wussten, wo sie als Nächstes auftreten sollten, hatte Morini eine Idee: «Ich schlug meine alte Heimat Rorschach vor und alle waren begeistert.»

Auch Jahre später zog es Morini mit seiner Familie immer wieder in die Region für die Fasnacht. Es seien jeweils besondere Momente gewesen, seine Kinder am Fasnachtsumzug zu sehen. Er sagt:

«Für mich war es wie ein Déjà-vu.»

Heute sei er hingegen kaum mehr in der Region anzutreffen. Aber vergessen werde er seine Jugenderinnerungen aus Rorschach nie: «Die Fasnacht wird mir immer in Erinnerung bleiben.»