Alles für die Familie unter einem Dach: Eggersriet erhält ein Familienzentrum

Die Stimmbürger haben einen rund vierjährigen Testbetrieb und die nötigen Finanzkredite genehmigt. Somit kann das Familienzentrum im August seinen Betrieb aufnehmen.

Perrine Woodtli
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Das gelbe Haus an der Spitzestrasse 6 wird ab August zum Eggersrieter Familienzentrum.

Das gelbe Haus an der Spitzestrasse 6 wird ab August zum Eggersrieter Familienzentrum.

Bild: Urs Bucher (20. April 2020)

Ausserschulische Betreuung, Mittagstisch, Mediathek und Spielgruppe: Das alles und noch mehr wird in Eggersriet künftig an einem Ort vereinigt, nämlich in der Liegenschaft an der Spitzestrasse 6. In diesem ehemaligen Wohnhaus entsteht ein Familienzentrum.

Roger Hochreutener, Gemeindepräsident Eggersriet

Roger Hochreutener, Gemeindepräsident Eggersriet

Bild: Urs Bucher

Seit Sonntag ist klar, dass dieses umgesetzt werden kann. Die Eggersrieterinnen und Eggersrieter stimmten einem rund vierjährigen Testbetrieb und den nötigen Finanzkrediten mit 356 Ja-Stimmen gegenüber 225 Nein-Stimmen zu. Die Stimmbeteiligung lag bei 36,5 Prozent.

Gemeindepräsident Roger Hochreutener hätte sich ein deutlicheres Resultat gewünscht. Geschuldet sei dieses der Tatsache, dass keine Bürgerversammlung stattfinden konnte. «Die Bürger hatten keine Gelegenheit, Fragen zu stellen. Im Amtsbericht kann man vieles nicht gleich gut erklären und begründen wie an einer Bürgerversammlung», sagt Hochreutener.

«Und ganz ehrlich: Die wenigsten lesen den Amtsbericht.»

Familienzentrum soll Gemeinde attraktiver für Familien machen

So oder so, das Familienzentrum kann realisiert werden. Im gelben Haus, das der Gemeinde gehört, sollen alle Angebote für Familien an einem Ort zusammengebracht werden. Ins Familienzentrum kommt unter anderem die ausserschulische Betreuung von Kindern ab der Stufe Kindergarten bis zum
6. Schuljahr.

Vor allem Familien, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind, sollen von den schulergänzenden Angeboten profitieren. Die Gemeinde erhofft sich dadurch auch eine Aufwertung der Standortattraktivität für junge Familien.

Nebst der ausserschulischen Betreuung finden im Familienzentrum aber auch die Spielgruppe und der Mittagstisch Platz. Ebenfalls untergebracht werden unter anderem eine Mediathek und eine Bibliothek, ein Game-Raum sowie die Hausaufgabenhilfe.

Vorgesehen ist folgende Aufteilung:

  • Erdgeschoss/Untergeschoss: Themenraum für Werken und Basteln, Kellerraum und Vorratsräume
  • 1. Obergeschoss (Mittagstisch): Küchenausbau für Verpflegung von 50 Personen, Essensraum (hier ist ein Wanddurchbruch nötig), Reserveraum und Fluchtweg
  • 2. Obergeschoss (Spielgruppe): Drei einzelne Zimmer mit einem grossen Tisch, Bad (hier müssen die Sanitäranlagen erneuert werden), Fluchtweg (muss noch erstellt werden)
  • 3. Obergeschoss: Mediathek, Bibliothek, Game-Raum, Hausaufgabenhilfe, Reserveraum für Mittagstisch, Ruheraum

Die Angebote seien auf die Bedürfnisse der Eggersrieter zugeschnitten, sagt Hochreutener.

«Es gibt nur das, was auch benötigt wird. Wir haben eine passende und zukunftsorientierte Lösung gefunden.»

Was gefragt in der Gemeinde sei, hätte unter anderem die Umfrage zur familienergänzenden Tagesbetreuung der CVP-Ortspartei 2019 gezeigt.

Liegenschaft kann mit wenigen Investitionen umgenutzt werden

Der Standort an der Spitzestrasse biete sich optimal an, da das Haus nahe dem Dorfzentrum liegt und gewisse Teilbereiche ideal in den neuen Generationengarten zwischen Gemeindehaus und Alterswohnungen eingebunden werden könnten. Zwischen dem Haus und der Spitzestrasse sei zudem genügend Raum für Aussenanlagen und Spielgeräte.

Rund um das künftige Familienzentrum haben bereits Umgebungsarbeiten begonnen. Zwischen den Alterswohnungen (links) und dem Gemeindehaus (rechts) entsteht der Generationengarten.

Rund um das künftige Familienzentrum haben bereits Umgebungsarbeiten begonnen. Zwischen den Alterswohnungen (links) und dem Gemeindehaus (rechts) entsteht der Generationengarten.

Bild: Urs Bucher

Um das Haus nutzen zu können, sind zudem nur wenige Investitionen nötig, unter anderem Schreinerarbeiten, ein Fluchtweg, ein Küchenausbau und Elektroinstallationen. Alles zusammen kostet die Gemeinde rund 180'000 Franken. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von 80'000 Franken.

Familienzentrum könnte ins neue Schulhaus zügeln

Das Familienzentrum nimmt seinen Betrieb im neuen Schuljahr 2020 auf. Die Bedürfnisse nach den einzelnen Angeboten sollen über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren ausgewertet werden. Ziel ist, dass in der neuen Eggersrieter Schulanlage - die derzeit noch in Planung ist - dann die konkreten räumlichen Anforderungen so bestellt werden können, dass die Bedürfnisse der Familien abgedeckt sind. Hochreutener:

«Es kann aber auch sein, dass das Familienzentrum dort bleibt, wo es ist. Wenn alles passt, wieso nicht?»

Es werde sich abzeichnen, was am sinnvollsten ist. Ein Pilotbetrieb sei auch dazu da, um immer wieder Anpassungen vorzunehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten in dieser Zeit flexibel sein. Je nach Auslastung der einzelnen Angebote helfe eine Spielgruppenleiterin dann vielleicht mal in der Küche aus.

Der Gemeinderat warte nun die Frist des Stimmrechtsrekurses ab und die Arbeitsgruppe befasse sich mit den nächsten Schritten. Sobald die Frist verstrichen sei, werde man die baulichen Themen finalisieren und die Personalstellen ausschreiben, sagt Hochreutener. Der Zeitplan habe sich aufgrund der abgesagten Bürgerversammlung verzögert. «Der Start im August ist aber definitiv, ob es dann schon an der Spitzestrasse ist oder in einem Provisorium, wird die Detailplanung zeigen.»

In Wittenbach muss die Eröffnung des Familienwerk warten

Auch in Wittenbach sollen Familienangebote unter einem Dach vereint werden und zwar während einer zweijährigen Pilotphase im evangelischen Kirchgemeindehaus Vogelherd. Eigentlich hätte das Familienwerk diesen Samstag, am 25. April, eröffnet werden sollen. Das fällt aufgrund des Coronavirus ins Wasser. Die Eröffnung werde bis auf weiteres verschoben und man warte nun erst einmal ab, sagt Gemeinderat Benjamin Gautschi. Man wolle aber eigentlich spätestens im Herbst eröffnen. Sämtliche Umbauarbeiten seien getätigt, man befinde sich im Schlussspurt. Grundsätzlich sei es sehr schade, sagt Gautschi. «Aber es ist zu akzeptieren.» (woo)