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Alles führt zur Mitte hin: Mandala-Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen

Mandalas werden heute inflationär verwendet und dienen oft nur noch als Malvorlage. Eine Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum zeigt, was die Diagramme ursprünglich bedeuteten.
Roger Berhalter
Das grösste buddhistische Bauwerk der Welt: Modell der Tempelanlage Borobudur auf der Insel Java in Indonesien. (Bild: Adriana Ortíz Cardozo)

Das grösste buddhistische Bauwerk der Welt: Modell der Tempelanlage Borobudur auf der Insel Java in Indonesien. (Bild: Adriana Ortíz Cardozo)

«Es geht überall um das Gleiche.» Kuratorin Isabella Studer-Geisser sagt den Satz immer wieder, als sie durch die Ausstellung «Mandala – Auf der Suche nach Erleuchtung» führt.

Tatsächlich trifft man in der aktuellen Sonderausstellung des Historischen und Völkerkundemuseums immer wieder die gleichen Formen an: Kreise, Quadrate und Spiralen. Die «Heilige Geometrie», wie die alten Griechen schon sagten, aber auch jüdische, christliche und muslimische Theologen sowie hinduistische und buddhistische Erkenntnistheoretiker. Ihnen allen ging es um das Gleiche: Die Welt zu verstehen, sich selbst zu erkennen und den Menschen im Zentrum des Kosmos zu verorten. Studer-Geisser stellt sofort klar:

«Das ist nicht esoterisch zu verstehen.»

Kuratorin Isabella Studer-Geisser

Kuratorin Isabella Studer-Geisser

Die spirituelle Welt gehöre aber nun einmal zum Menschsein. Immer wieder habe der Mensch versucht, das Chaos der Welt zu ordnen und in Diagramme zu fassen, die geometrisch organisiert und auf einen Mittelpunkt hin ausgerichtet sind. So wie die bekannten Mandalas, die mittlerweile inflationär und losgelöst von ihrer ursprünglichen Bedeutung verwendet werden. Man kauft sich einen Buddha bei Ikea und druckt sich ein Mandala als Malvorlage aus. «Wir wollen zurück zum Original und das Mandala wieder mit Bedeutung füllen», sagt Peter Müller vom Historischen und Völkerkundemuseum.

Ein Koran aus Indonesien, eine Platte von Pink Floyd

Die Mandala-Ausstellung bringt Unterschiedlichstes zusammen: Ein Brustamulett aus Afghanistan, eine Maria-Darstellung aus Russland, geschnitzte Koranverse aus Indonesien, einen Ritualdolch aus Tibet und eine Plattenhülle von Pink Floyd.

«The Dark Side Of The Moon»: Die Ausstellung «Mandala - Auf der Suche nach Erleuchtung» bringt unterschiedlichste Objekte aus aller Welt zusammen und offenbart Verbindendes. (Bild: Adriana Ortíz Cardozo)

«The Dark Side Of The Moon»: Die Ausstellung «Mandala - Auf der Suche nach Erleuchtung» bringt unterschiedlichste Objekte aus aller Welt zusammen und offenbart Verbindendes. (Bild: Adriana Ortíz Cardozo)

Gastkurator und Tibet-Experte Peter van Ham hat Objekte aus der ganzen Welt zusammengetragen und macht frappante kulturelle Übereinstimmungen sichtbar. «Damit eröffnet sich die grosse Chance, die gemeinsamen Wurzeln aller Menschen auf der Welt anzuerkennen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Überzeugung», wird Peter von Ham in der Medienmitteilung zitiert. Die Ausstellung wolle «einen Kontrapunkt zu den wachsenden gesellschaftlichen Spaltungstendenzen setzen».

Auch Psychoanalytiker zeichnen Mandalas

Kein Zweifel: Die Ausstellung behandelt ein grosses, wenn nicht sogar das grösstmögliche Thema. Doch man kann sich als Besucher auch ganz unbefangen auf die Muster und Formen im Ausstellungssaal einlassen und die «Heilige Geometrie» auf sich wirken lassen.

Beispielsweise vor dem grossen Modell der buddhistischen Tempelanlage Borobudur auf der Insel Java in Indonesien. Oder vor der Mandala-Zeichnung des Schweizer Psychoanalytikers Carl Gustav Jung. Oder man blickt den tibetischen Mönchen über die Schulter, die kommende Woche im Ausstellungssaal aus farbigem Sand ein Mandala streuen werden.

Ausstellung bis 26. Januar 2020;
Vernissage: Freitag, 14. Juni, 18.30 Uhr, mit Gebetszeremonie von Mönchen aus dem Tibet-Kloster in Rikon ZH

Kreise, Dreiecke, Spiralen: Geometrische Objekte in der Sonderausstellung. (Bild: Adriana Ortíz Cardozo)

Kreise, Dreiecke, Spiralen: Geometrische Objekte in der Sonderausstellung.
(Bild: Adriana Ortíz Cardozo)

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