Alles andere als ein «Baummörder»: Ein Lehrabgänger über seinen Beruf als Forstwart

Pascal Steinbrunner hat als Einziger in der Stadt St.Gallen die Lehre zum Forstwart abgeschlossen.

Laura Widmer
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St. Gallen - Porträt eines Forstwarts Pascal, der in diesem Jahr seine Lehre abgeschlossen hat Wald Aufforstung

St. Gallen - Porträt eines Forstwarts Pascal, der in diesem Jahr seine Lehre abgeschlossen hat Wald Aufforstung

Sicheren Schrittes bahnt sich Pascal Steinbrunner den Weg durch das Unterholz. Brombeerranken, Farne und kleine Weisstannen bedecken den Waldboden, die Baumstumpfe sind vom Moos überwachsen.

Nur wenige Autominuten von St.Gallen entfernt, in der Nähe der Vögelins­egg, sind Steinbrunner und sein Ausbildner Ueli Nef mit der Jungwaldpflege beschäftigt. Der 19-Jährige hat vor kurzem seine Lehre als Forstwart bei der Ortsbürgergemeinde St.Gallen abgeschlossen.
Bäume, die bei einem Sturm beschädigt wurden, sind bereits gefällt.

Viel mehr interessiert die Holzernte

In der etwas erhöhten Lage im Steineggwald wachsen viele Fichten. Die Forstwarte haben hier Ahornbäume und Weisstannen gepflanzt. Die bessere Durchmischung macht den Wald weniger anfällig für Schädlinge. Nun wird die Fläche gepflegt. Aussicheln, so nennen es Forstwarte, wenn sie Gestrüpp von Hand schneiden, um kleineren Bäumen das Wachstum zu erleichtern. «Ein paar Tage lang ist das in Ordnung, danach schwindet die Motivation schon», sagt Steinbrunner.

Viel mehr interessiert ihn die Holzernte. Das saubere Fällen eines Baumes mit der korrekten Technik erfordert einiges an Geschick.
Drei Tage noch, dann verabschiedet sich der Lehrabgänger in die Sommerferien. Pläne hat er keine, «mal schauen, was sich ergibt.» Häufig geht es nach Italien auf Motocross-Strecken.

Dem Vater beim Holzen helfen

Der Himmel am Montag ist wolkenverhangen und grau. Der Regen lässt wahrscheinlich nicht mehr lange auf sich warten. Auf den Alltag eines Forstwarts hat das wenig Einfluss, nur selten verbringt Steinbrunner seine Arbeitszeit drinnen. Manchmal müssen Geräte gewartet werden, meist arrangiert man sich jedoch mit dem Wetter. Steinbrunner ist sich die Arbeit im Freien schon seit der Kindheit gewohnt: Sein Vater betreibt Milchwirtschaft auf einem Bauernhof. «Ich habe ihn schon damals gern begleitet, wenn er in den Wald zum Holzen ging.»

Bei der Lehrstellensuche schnupperte Pascal Steinbrunner als Zimmermann und Gärtner, bevor er sich für den Beruf als Forstwart entschied. Es sei gut, wenn wieder mehr auf den Beruf aufmerksam gemacht werde, sagt Steinbrunner. «Viele Leute wissen gar nicht, was wir alles machen.» Denn Forstwarte fällen nicht nur Bäume, sondern pflegen Wälder und Biotope, unterhalten Waldwege und erstellen Hangsicherungen und Verbauungen.

Steinbrunner sagt, viele Menschen hätten den Kontakt mit der Natur verloren. «So etwas wie ‹Ihr seid Baummörder› kann nur jemand sagen, der sich gar nicht damit auskennt.»

Empfehlen könne er den Beruf jedem, wenn man «etwas zwäg ist», Freude an der Natur habe und bei etwas Regen nicht gleich den Kopf hängen lasse.

Forstwart aus Gams gehört zu den besten Lehrabgängern

Eine Forstwartin und 17 Forstwarte aus den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden feierten ihren Lehrabschluss in Herisau und durften das eidgenössische Fähigkeitszeugnis entgegennehmen. Unter ihnen sind auch drei erfolgreiche Werdenberger.