«Alle Unterhaltungsshows an Bord sind abgesagt»: Covid-19-Fälle auf Kreuzfahrtschiff mit Rorschacher Passagieren

Auf dem Ozeandampfer «Artania» mit dem Rorschacher Ehepaar Felicitas und Bruno Eisenring an Bord sind mindestens sieben Personen am Coronavirus erkrankt. Das Schiff ankert zurzeit vor Australien.

Martin Rechsteiner
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Bruno und Felicitas Eisenring vor ihrem ehemaligen Elektronikfachgeschäft in Rorschach.

Bruno und Felicitas Eisenring vor ihrem ehemaligen Elektronikfachgeschäft in Rorschach.

Bild: Res Lerch (November 2016)
  • 25 Personen auf der «Artania» meldeten Fieber und Atembeschwerden. Die Besatzung bat die australischen Behörden um Hilfe.
  • Die Australier liessen das Schiff nicht andocken und schickten Ärzte an Bord.
  • Rorschacher Passagiere sagen: «Uns geht es gut.»
  • Die Ärzte bestätigen mindestens sieben Fälle von Covid-19.
  • Charterflüge sollen Passagiere am Wochenende nach Hause bringen.

Die Ferienstimmung an Bord der «MS Artania» hat abrupt geendet. Auf dem Kreuzfahrtschiff, das derzeit vor Australien ankert, sind mit dem Ehepaar Bruno und Felicitas Eisenring auch zwei Rorschacher dabei.

Wie das deutsche Magazin «Der Spiegel» am Mittwoch auf seiner Website berichtete, steckt das Schiff vor Perth, Westaustralien, fest. Dies, weil 25 der 800 Passagiere an Bord über Fieber und Atembeschwerden klagen, die australischen Behörden das Kreuzfahrtschiff aber nicht andocken lassen. Sie wollen die Ausbreitung des Coronavirus verhindern.

Acht Ärzte in «Vollmontur»

Die Besatzung der «Artania» hat die Australier um Hilfe gebeten. Diese schickten medizinisches Personal an Bord des Schiffs. «Wir haben die Ärzte zufällig gesehen. Etwa acht Personen waren es», sagt Bruno Eisenring am Mittwochnachmittag am Telefon. «Sie sind durch die Gänge gerauscht und trugen Vollmontur, also Atemschutzmasken und Schutzbekleidung.» Sie hätten den Betroffenen Blutproben entnommen. «Die Resultate der Tests entscheiden, wie es jetzt mit uns Passagieren weitergeht. Uns geht es aber gut», betonen die Eisenrings.

Der deutsche Reiseveranstalter Phoenix Reisen hat die Kreuzfahrt in Sidney vor gut zwei Wochen abgebrochen und die «Artania», nach einem Boxenstopp bei Perth, direkt zurück ins Deutsche Bremerhaven beordert. Inzwischen seien die Sicherheitsmassnahmen auf dem Schiff verschärft worden. «Die Besatzung trägt Mundschütze, alle Stühle beim Essen sind im Abstand von eineinhalb Metern aufgestellt. Und die Unterhaltungsshows an Bord sind abgesagt», sagt Felicitas Eisenring.

Über 1200 Passagiere haben auf dem Kreuzfahrtschiff Artania Platz.

Über 1200 Passagiere haben auf dem Kreuzfahrtschiff Artania Platz.

Keystone/Klaus-Gerhard Dumrath / MAURITIUS IMAGES

Vor zwei Wochen sah alles noch anders aus. Von der Coronakrise auf der anderen Seite der Welt bekomme man auf der Kreuzfahrt nur wenig mit, sagte Bruno Eisenring damals und bezeichnete die «Artania» als eine sichere Arche Noah. Die Folgen der Pandemie haben die Passagiere des Dampfers inzwischen eingeholt. «Klar, es ist schade, dass die Reise abgebrochen wurde», sagt seine Frau Felicitas. «Aber wenigstens sind wir gesund. Das ist das Wichtigste.»

Deutsche Medien sprechen von sieben Infizierten

Am späten Donnerstagnachmittag melden deutsche Medien die Bestätigung von mindestens sieben Coronainfizierten auf der «Artania» – fünf Passagiere und zwei Crewmitglieder. Keine der betroffenen Personen befinde sich in einem gesundheitlich kritischen Zustand, schreibt «Focus online». Alle Passagiere seien gebeten worden, bis auf Weiteres in ihren Aussenkabinen zu bleiben. Die Crew versorge sie dort mit Essen und Getränken.

Alle Gäste sollen dieses Wochenende mit gecharterten Flugzeugen aus Australien ausgeflogen werden. Die australischen Behörden hätten das genehmigt. Die Eisenrings waren am Donnerstag für die «Tagblatt»-Redaktion nicht erreichbar.