Nicht nur in Gossau wartet man gespannt auf den Parlamentsentscheid zur Sana Fürstenland AG

Andwil, Gaiserwald sowie Ober- und Niederbüren sind Minderheitsaktionäre der Sana Fürstenland AG. Auch sie haben ein Interesse am geplanten Provisorium.

Johannes Wey
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Mit einem provisorischen Anbau an die «Schwalbe» sollen die Heime der Sana Fürstenland AG zusammengelegt werden. Bild: Ralph Ribi (10. Oktober 2019)

Mit einem provisorischen Anbau an die «Schwalbe» sollen die Heime der Sana Fürstenland AG zusammengelegt werden. Bild: Ralph Ribi (10. Oktober 2019)

Die Eile, die der Gossauer Stadtrat und die Sana Fürstenland AG an den Tag legen, ist aussergewöhnlich: Anfang September informierten sie das Stadtparlament, dass ein Anbau für vier Millionen Franken die Zusammenlegung der beiden Pflegeheime bei der «Schwalbe» ermöglichen soll. An der Parlamentssitzung unmittelbar vor dieser Information war bereits eine vorberatende Kommission gewählt worden – ohne zu wissen, worum es sich beim vorzuberatenden Geschäft überhaupt handelt.

Und während die öffentliche Auflage des Baugesuchs bereits über die Bühne ist, hat auch die vorberatende Kommission entschieden, ein Ja zu beantragen.

Folgt das Parlament kommenden Dienstag diesem Antrag – und wird kein Referendum ergriffen – könnte das Provisorium bereits kommendes Jahr bezogen werden. Das Pflegeheim Espel würde damit geschlossen.

Aktionärsgemeinden erwarten solide Finanzen

Während das Thema in Gossau nicht nur in den Leserbriefspalten fleissig diskutiert wird, geht schnell vergessen, dass auch die umliegenden Gemeinden ein Interesse am nahenden Parlamentsentscheid haben.

Der Stadtrat sieht Gossau als Hauptaktionärin und Vermieterin des Espels zwar verpflichtet, den Beitrag von drei Millionen selber zu sprechen. Davon profitieren können letztlich aber auch die Minderheitsaktionärinnen Andwil, Gaiserwald sowie Ober- und Niederbüren, die jeweils fünf Prozent an der Sana Fürstenland AG halten – auch wenn nur wenige Bürger dieser Gemeinden in einem Heim der Sana Fürstenland leben.

Gemäss dem Gossauer Stadtrat ist die Zusammenlegung der beiden Heime wegweisend für die Sana Fürstenland AG. Dort verspricht man sich davon, bis zu zwölf Stellen und rund eine Million Franken jährlich einsparen zu können. Dementsprechend hätten natürlich auch die anderen Gemeinden ein Interesse an einem Ja, sagt Boris Tschirky. Der Gaiserwalder Gemeindepräsident vertritt im Verwaltungsrat die Interessen der Minderheitsaktionärinnen. «Wir wollen, dass die Sana auf einer soliden Basis steht.»

Boris Tschirky. Bild: Regina Kühne

Boris Tschirky. Bild: Regina Kühne

Entscheidend für das Überleben

Ähnlich klingt es in der Gemeinde Andwil. «Auch wir sind Teil der Sana Fürstenland AG und wollen, dass sie weiterhin existiert», sagt Gemeindepräsident Toni Thoma. Und damit meine er auch das bestehende Team der Pflegeheime. Thoma spielt damit auf den Vorschlag der IG für ein optimiertes Pflegeheim an, die «Espel»-Bewohnerinnen und Bewohner bis zum definitiven Bezug eines Neubaus in privaten Institutionen unterzubringen.

«Sie sind aber Menschen und keine Waren», sagt Thoma, sie könnten nicht einfach hin- und hergeschoben werden. In einer Lösung mit privaten Anbietern sähe er zudem ein Risiko für den Fortbestand der AG. Thoma stellt aber auch klar:

«Wir Andwiler sind nicht verantwortlich für den Ersatz des ‹Espels›», Eigentümerin der Liegenschaft sei die Stadt Gossau.
Toni Thoma, Gemeindepräsident Andwil. Bild: Urs Bucher

Toni Thoma, Gemeindepräsident Andwil. Bild: Urs Bucher

Für den Oberbürer Gemeindepräsidenten Alexander Bommeli ist es «unschön» dass der Bezug des Neubaus der Sana Fürstenland AG so lange auf sich warten lässt. Dieser sei mit der Abstimmung 2013 beschlossen worden. Das Pflegeheim Espel genüge den Anforderungen definitiv nicht mehr. Deshalb begrüsse er, dass die Situation mit einem Provisorium verbessert werden soll. Und auch wenn das Wichtigste die angemessene Unterbringung der Bewohnerinnen und Bewohner sei: Der Millionenbeitrag der Stadt Gossau wäre natürlich auch aus Aktionärssicht willkommen.

Der Erhalt der Listenplätze ist entscheidend

Auch Caroline Bartholet hat Mühe damit, dass es mit dem Neubau nicht vorangeht. Die Altersversorgung sei ein Auftrag der öffentlichen Hand, sagt die Niederbürer Gemeindepräsidentin. Sie ist seit Oktober im Amt, davor sass sie als Oberuzwiler Gemeinderätin elf Jahre lang in der Kommission des Seniorenzentrums Uzwil und war Spitexpräsidentin. «Aus dieser Erfahrung weiss ich, dass der Erhalt der Verbleib aller Plätze auf der Pflegeheimliste das wichtigste für die Sana Fürstenland AG ist.» Nur so könne die Existenz des Unternehmens längerfristig gesichert werden.

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