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Zwei müssen zahlen, einer kommt ohne Busse davon: Ärger um Kontrolle in Gossauer Regiobus

Ein Kontrolleur lässt einen Schwarzfahrer in einem Regiobus ohne Geldstrafe davonkommen. Einer Mutter und ihrer Tochter hingegen knöpft er wenig später je 100 Franken ab. Das stösst einem Passagier sauer auf.
Daniel Walt
Der Vorfall ereignete sich in einem Regiobus zwischen Gossau und St.Gallen. (Bild: Mareycke Frehner)

Der Vorfall ereignete sich in einem Regiobus zwischen Gossau und St.Gallen. (Bild: Mareycke Frehner)

«Ich dachte mir: Das kann es doch einfach nicht sein!» Noch am Tag danach ärgert sich der Leserreporter über den Vorfall, den er im Regiobus zwischen Gossau und St.Gallen beobachtet hat. Der Mann fragt sich: Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn einerseits ein Schwarzfahrer als einzige Konsequenz den Bus an der nächsten Haltestelle verlassen muss und andererseits zwei Frauen je 100 Franken Busse bezahlen müssen, die ebenfalls kein Ticket haben?

Angeblich ohne Geld und Ausweis unterwegs

Was genau ist passiert? Am frühen Nachmittag stieg der Leserreporter am Bahnhof Gossau in ein Fahrzeug der Regiobus-Linie 151 nach St.Gallen. Eine Handvoll Passagiere sei im Bus gewesen, sagt er. Darunter auch ein Mann und eine Frau, die sich kurz nach der Abfahrt als Kontrolleure zu erkennen gaben.

In der Folge stieg an einer Haltestelle ein Mann Ende 20 ein. «Als der Kontrolleur sein Ticket sehen wollte, sagte er, er löse gleich eins», sagt der Leserreporter. Der Kontrolleur hingegen habe das abgelehnt. In der Folge habe der Mann in gebrochenem Deutsch behauptet, er habe keinen Ausweis und auch kein Geld dabei – «obwohl er zuvor noch nachträglich ein Ticket hatte lösen wollen.» Der Kontrolleur habe dem Mann in der Folge beschieden, er müsse an der nächsten Haltestelle aussteigen.

Wenn nötig Polizei beiziehen

Bereits zu diesem Zeitpunkt wunderte sich der auswärtige Fahrgast über das Vorgehen des Kontrolleurs. «So lasch wird das hier also gehandhabt?», habe er sich gefragt und den Kontrolleur auch darauf angesprochen. Dieser habe ihm zur Antwort gegeben, was er denn hätte tun sollen – der Mann habe ja keinen Ausweis dabeigehabt, alles andere würde nur einen beträchtlichen Aufwand verursachen.

In der Folge gingen dem Kontrolleur zwei Frauen ins Netz: eine Mutter und ihre Tochter im Teenageralter, laut dem Augenzeugen möglicherweise pakistanischer Herkunft. «Die beiden mussten ihre Personalien angeben und je 100 Franken Busse bezahlen», erzählt der Passagier. Weil er habe aussteigen müssen, habe er sich nicht mehr eingemischt.

Der Leserreporter ärgert sich aber:

«Das Vorgehen des Kontrolleurs widerspricht jedem Gerechtigkeitssinn.»

Sein Verdacht: Der Kontrolleur habe möglicherweise Angst vor dem jungen, stämmigen Passagier gehabt und diesen deshalb so ohne Weiteres davonkommen lassen. An der Mutter und ihrer Tochter hingegen habe man gut ein Exempel statuieren können.

Für den Mann ist diese Ungleichbehandlung inakzeptabel. In seinen Augen hätte der Kontrolleur mit dem Schwarzfahrer aussteigen und dessen Personalien abklären müssen – wenn nötig auch mit der Androhung, die Polizei beizuziehen, wie das beispielsweise in Zürich gemacht werde. «Vielleicht hätte der Mann dann ja plötzlich doch einen Ausweis dabei gehabt?», mutmasst der Augenzeuge.

Auch Transportausschluss ist eine Sanktion

Bruno Huber, Geschäftsführer der Regiobus AG, hält auf Anfrage fest, das Unternehmen habe die Ticketkontrollen seit rund zehn Jahren an die Appenzellerbahnen ausgelagert. «Ich gehe davon aus, dass diese den Job professionell erledigen, worauf auch diverse Rückmeldungen hindeuten», so Huber. Eine Kritik in der Art, wie sie der Leserreporter übe, sei erstmalig, hält er fest.

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen, sagt:

«Ich verstehe, dass der Eindruck einer Ungleichbehandlung entstanden ist.»

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen. (Bild: Urs Bucher)

Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen. (Bild: Urs Bucher)

Tatsache sei aber, dass auch der Ausschluss vom Transport eine Sanktion sei. Wer ohne Ticket unterwegs sei, müsse den Fahrpreis und eine Gebühr bezahlen. Dabei würden die Personalien aufgenommen, sofern diese greifbar seien. Wenn die betreffende Person weder über einen Ausweis noch über Geld und auch über keine Sprachkenntnisse verfügt, bleibt laut Baumgartner wie im vorliegenden Fall nur die Wegweisung – «und das haben wir gemacht».

Heisst das im Umkehrschluss, dass jeder Schwarzfahrer künftig einfach behaupten kann, kein Geld und keinen Ausweis dabeizuhaben, um einer Busse zu entgehen? Baumgartner winkt ab: In dieser Kombination habe es sich um einen Einzelfall gehandelt, sagt er.

«Dürfen niemanden festhalten»

Die Klärung der Personalien sei im vorliegenden Fall nicht möglich gewesen und hätte auch von der Polizei nicht innert kurzer Frist vorgenommen werden können, so Thomas Baumgartner weiter. «Zudem dürfen wir Personen keine Gegenstände wegnehmen und sie auch nicht festhalten», fügt er an. Wenn ein Kontrolleur mit dem Schwarzfahrer ausgestiegen wäre, wäre dieser vielleicht davongerannt, bevor die Polizei eingetroffen wäre.

«In Zürich werden jeweils deutlich grössere Kontrollen vorgenommen. Hierzu haben wir in unserer Region keinen Bedarf.»

Den Verdacht, dass man den Mann aufgrund seiner stämmigen Postur habe davonkommen lassen, weist Thomas Baumgartner zurück. Genauso wie die Behauptung, man habe an der Mutter und ihrer Tochter ein Exempel statuiert.

Umfrage: Hat der Kontrolleur zu lasch gehandelt?

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