Ärger über Parkfelder im Riethüsli: Stadt und Kanton St.Gallen wollen sie nicht verschieben

Die Gleise sind weg: Statt Freude über die gewonnene Fläche liefert diese jetzt Diskussionsstoff.

Christoph Renn
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Ein Quartierbewohner will die Parkfelder zur Teufener Strasse hin verschieben.

Ein Quartierbewohner will die Parkfelder zur Teufener Strasse hin verschieben.

Bild: Ralph Ribi

Die Züge der Appenzeller Bahnen fahren seit Ende 2018 durch den Ruckhaldetunnel. Die Gleise, die bis dahin quer durchs Riethüsli-Quartier verliefen, sind entfernt. Die Strasse entlang der Geschäfte hat sich dadurch verbreitert; es gibt mehr freie Fläche. Neu gibt es anstelle der Gleise einen Veloweg. Statt einer Begegnungszone vor den Geschäften im Zentrum des Quartiers gibt es auf dem ehemaligen Trottoir aber sechs gelbe Parkfelder.

Das stösst nun auf Kritik. Ein Quartierbewohner fordert, dass die Parkfelder näher an die Strasse verschoben werden sollen, damit der durch den Wegfall des Bahntrassees neu gewonnene Platz kreativ genutzt werden könne.

«Im Sinne des öffentlich kommunizierten Wunsches nach Partizipation wünschen wir uns eine Verschiebung zur Strasse hin», heisst es im Stadtmelder. Denn wegfahrende Autos würden auf den Fussgängerbereich fahren und dort warten, bis sie in eine Lücke fahren könnten. So hätte eine Verschiebung gemäss dem Verfasser der Meldung für alle Betroffenen nur Vorteile: «Eine Aufwertung der Liegenschaften, eine grosse freie Begegnungsfläche und sichere Zugänge zu den Geschäften.»

Eine Verschiebung ist rechtlich nicht möglich

Das Grundstück, auf dem die Parkfelder eingezeichnet sind, gehört zwar der Politischen Gemeinde St.Gallen, hat aber den gleichen Status, wie wenn es einer Privatperson gehören würde. Zuständig für die Parkfelder ist die Abteilung Liegenschaften der Stadt. Und diese hat gemäss der Antwort im Stadtmelder ein hohes Interesse an den Parkplätzen im Riethüsli.

Seit Oktober 2018 fährt der «Tango» der Appenzeller Bahnen durch den Ruckhaldetunnel und nicht mehr durchs Quartier.

Seit Oktober 2018 fährt der «Tango» der Appenzeller Bahnen durch den Ruckhaldetunnel und nicht mehr durchs Quartier.

Lisa Jenny

Hinzu komme, dass es sich bei der Teufener Strasse, auf die der Quartierbewohner die Parkfelder verschieben möchte, um einen Gehweg auf der Parzelle der Kantonsstrasse handle. «Wir können keine privaten Parkfelder auf öffentlichen Grund verschieben», sagt Mattias Gschwend, Projektleiter Strassenbau beim kantonalen Tiefbauamt. Der Vorschlag des Quartierbewohners sei deshalb aus rechtlicher Sicht nicht möglich. Zudem wären parkierte Autos auf einem Gehweg definitiv falsch platziert.

In der Antwort der Stadt heisst es weiter, dass deshalb auch der Kanton eine Verschiebung dieser sechs Parkfelder ablehne, da er grundsätzlich die Auffassung vertrete, dass ein Trottoir möglichst dem Strassenverlauf folgen soll. Dieses Argument sei jedoch erstaunlich, weil ein paar Meter weiter Richtung Teufen Grünpflanzen an die Strasse platziert würden, heisst es in einem Bericht in der Quartierzeitung.

Die Situation wird von Kanton und Stadt unter Berücksichtigung der verschiedenen Parameter aber nach wie vor als richtig beurteilt. Sie sei im Rahmen des Projektes der Appenzeller Bahnen und dem darauffolgenden Projekt der Teufener Strasse so geplant und zwischenzeitlich erstellt worden.

Autofahrer müssen über den Fussgängerbereich

Bei der Stadt sei man sich bewusst, dass die zu- und wegfahrenden Fahrzeuge über den Fussgängerbereich fahren müssen. Hier gelte aber die Regelung, dass die Autos grundsätzlich dem Fussgänger auf dem Trottoir den Vortritt gewähren müssen, heisst es in der Antwort weiter.

Könne jedoch ein Fahrzeug einmal nicht unmittelbar ausfahren, sei es auch dem Fussgänger zuzumuten, kurz zu warten oder dann über die Parklücke oder die Freifläche vor den Hauszugängen zu gehen. Aus diesen Gründen sei eine Anpassung der jetzigen Situation und damit eine Verschiebung der Parkfelder nicht vorgesehen.

Der Quartierbewohner zeigt sich von der Antwort auf seinen Eintrag im Stadtmelder unbeeindruckt: «Offensichtlich fallen die Quartieranliegen nicht unter die von der Stadt erwähnten Parameter, die beurteilt wurden», schreibt er. Partizipation bleibe in der Stadt ein Fremdwort. Er ärgert sich auch über die Formulierung der Stadt, dass eine Verschiebung der Parkfelder «nicht einfach so möglich» sei.

Dies bestätige doch eigentlich, dass es eben doch möglich wäre, mit ein wenig gutem Wille und einer Portion Menschenverstand. Deshalb fordert der Quartierbewohner Stadt und Kanton auf, nett zueinander zu sein und das Anliegen im Sinne der Quartierbewohner nochmals aufzugreifen. Doch nicht alle kritisieren die Parkfelder. So schreibt ein Anwohner als Reaktion auf den Bericht in der Quartierzeitung: «Ich finde es gut, wie es ist.»