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Abtreibung oder nicht? In St.Gallen hilft eine Beratungsstelle bei der Entscheidung

Ärztinnen und Ärzte müssen Frauen vor einer Abtreibung eingehend beraten. Im Alltag ist das aber schwierig. Deshalb arbeitet das Kantonsspital St.Gallen nun enger mit einer Beratungsstelle zusammen.
Marlen Hämmerli
Ein Gespräch hilft, sich für oder gegen eine Abtreibung zu entscheiden. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Ein Gespräch hilft, sich für oder gegen eine Abtreibung zu entscheiden. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

«Schwanger? Bitte nicht!» Das dachte Sandra Müller, als sie den positiven Schwangerschaftstest sah. Sollte sie das Kind mit über 40 Jahren gebären? Konnte sich die Familie überhaupt ein drittes Kind finanziell leisten?

Sandra Müller ist ein fiktives Beispiel. Doch so ähnlich ging es einigen der 166 Frauen, die sich 2018 an die Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität (Fapla) wandten. 144 der Frauen liessen sich am Standort St.Gallen beraten. Diese Zahl ist so hoch, weil Fapla seit vergangenem Jahr vertieft mit dem Kantonsspital St.Gallen zusammenarbeitet. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht hervor, der kürzlich erschienen ist.

Ärzte müssen Patientin vor einer Abtreibung aufklären

Ärztinnen und Ärzte müssen Frauen vor einem Schwangerschaftsabbruch beraten. Zudem müssen sie einschätzen, in welcher Situation sich die Frau befindet und abklären, ob sie wirklich abtreiben will. «In der Hektik des Spitalbetriebs ist das für die zuständigen Assistenzärzte schwierig», sagt Jutta Ahlke. Sie leitet die Beratungsstelle, die auch in Wattwil, Rapperswil-Jona und Sargans Standorte betreibt.

Aus diesem Grund fragte René Hornung, Chefarzt der Frauenklinik am Kantonsspital, Fapla an, ob eine vertiefte Zusammenarbeit möglich sei. «Wir beraten seit jeher Frauen, die sich nicht sicher mit ihrer Schwangerschaft sind. Beratungen zu ungeplanten Schwangerschaften sind eine unserer Kernkompetenzen», sagt Ahlke. Anders als im Spital könne die Beratungsstelle auf alle Fragen zu einer Abtreibung ausgedehnt eingehen, denn es stehe mehr Zeit zur Verfügung, heisst es im Bericht.

Ein dreimonatiges Pilotprojekt war erfolgreich. Heute sagt Ahlke: «Die Beratung zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch hat sich etabliert und bewährt. Manche Frauen rufen uns einen Tag später an und bedanken sich. Das Gespräch habe ihnen geholfen, sich zu entscheiden.»

Zuweisungen durch Ärzte hat sich mehr als verdoppelt

Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Fapla und Kantonsspital spiegelt sich auch in der Statistik. 2017 hatte Fapla erstmals mehr Migrantinnen als Schweizerinnen beraten. Nun hat sich das Verhältnis wieder gekehrt und beträgt 51 zu 49 Prozent. 2018 wandten sich 317 Schweizerinnen und Schweizer an die Fapla St.Gallen. Gegenüber 2017 bedeutet das eine Steigerung um knapp 55 Prozent.

Klientinnen und Klienten St.Gallen

2018
2017
2016
Schweizerinnen/SchweizerMigrantinnen/Migranten0100200300

Die Anzahl Zuweisungen durch Ärzte und Spitäler hat sich in St.Gallen gar mehr als verdoppelt: von 122 auf 262. Das Verhältnis von Männern zu Frauen beträgt nun über alle Beratungsstellen 16 zu 84 Prozent.

Sterilisation und Abgrenzung - was Männer beschäftigt

Die Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität (Fapla) berät auch Männer. 2018 waren es 16 Prozent. «Wir zählen natürlich Männer, die als Teil eines Paars beraten werden», sagt Jutta Ahlke, Leiterin von Fapla.

Kommen Männer alleine in eine Beratung, geht es laut Ahlke häufig um Verhütung, etwa um eine Vasektomie: ein chirurgischer Eingriff zur Sterilisation. «Wir haben aber auch Männer, die sich zum Thema Behinderung und Sexualität informieren», sagt Ahlke. Dabei gehe es um Abgrenzung: Wie kann ich meine Sexualität leben und die Rechte und Wünsche des anderen beachten? Aber auch darum, wie eine beeinträchtigte Person ihre Sexualität ausleben kann.

Die Beratungen zu Schwangerschaft/Mutterschaft machen weiterhin den Hauptteil der Beratungen aus. Vergangenes Jahr ist deren Zahl jedoch leicht gesunken. Dafür liessen sich mehr Lehrpersonen beraten: Insgesamt waren es vergangenes Jahr 26. Fapla ist die offizielle Fachstelle für Sexualpädagogik. Auch die Zahl der Beratungen zu Familienplanung und Verhütungen ist gestiegen. «Viele davon ergaben sich aus den Gesprächen zum Schwangerschaftsabbruch», sagt Ahlke.

Die vier häufigsten Gründe für eine Anmeldung in St.Gallen

050100150200250Schwangerschaft/MuterschaftGsprächsangebot zum med. SchwangerschaftsabbruchInformationen/DokumentationenFamilienplanung/Verhütung

In Notsituationen finanziert Fapla auch Langzeitverhütungsmittel teilweise oder ganz. Etwa bei Frauen, die arbeiten, deren Geld trotzdem kaum bis zum Monatsende reicht und die nun das vierte Kind erwarten. Das natürlich mit dem Ziel, dass es gar nicht erst zu Fällen wie jenem von Sandra Müller kommt.

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