Absage des St.Galler Kinderfests 2021: Was die drei Kandidierenden dazu sagen, die im Herbst neu in die Stadtregierung wollen

Die St.Galler Stadtregierung hat entschieden, im Rahmen eines Corona-Entlastungspakets für die Stadtkasse auch auf die Durchführung des Kinderfests 2021 zu verzichten. Im Herbst wird die Stadtregierung neu bestellt. Was sagen die dabei erstmals Kandidierenden zum Kinderfest-Verzicht? Wie hätten sie entschieden?

Reto Voneschen
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Die Absage des Kinderfests ist seit Dienstagmittag das wichtigste Gesprächsthema in der Stadt St.Gallen. Mehrheitlich wird der Verzicht mehr oder weniger scharf kritisiert. Dank einer dringlichen Interpellation wird am 30. Juni im Stadtparlament auch noch eine politische Debatte darüber geführt.

In der Bevölkerung gibt's einiges Verständnis für die mit der Coronapandemie zusammenhängenden Gründe des Stadtrates für die Absage des Kinderfests. Wenig bis gar kein Verständnis ist hingegen fürs Argument zu hören, damit könne man der coronagebeutelten Stadtkasse eine Ausgabe von knapp 1,5 Millionen Franken ersparen.

Neu Kandidierende dürfen sich äussern

Der Stadtrat steht als Gremium hinter der Absage des Kinderfests. Jedes der fünf Mitglieder muss gemäss dem Kollegialitätsprinzip einen einmal gefällten Entscheid nach aussen im Sinne des Gesamtgremiums vertreten. Egal, welche Meinung sie oder er persönlich zu einem Thema hat.

Da haben es die drei im Herbst neu für den Stadtrat Kandidierenden einfacher: Sie gehören dem Gremium nicht an, dürfen sich frei zum Kinderfest-Entscheid des jetzigen Stadtrats äussern. Was also sagen Trudy Cozzio (CVP), Mathias Gabathuler (FDP) und Karin Winter-Dubs (SVP) zum Verzicht auf das Kinderfest 2021? «Tagblatt online» hat nachgefragt.

Trudy Cozzio kandidiert am 27. September für die CVP für den St.Galler Stadtrat.

Trudy Cozzio kandidiert am 27. September für die CVP für den St.Galler Stadtrat.

Bild: Ralph Ribi (9.6.2020)

Trudy Cozzio (CVP)

«Die angekündigte Absage des Kinderfest tut sehr weh. Einerseits habe ich Verständnis für den Entscheid, anderseits tun sich einige Fragen auf. Aus finanzieller Sicht alleine scheint mir die Absage nicht gerechtfertigt zu sein. Der eingesparte Betrag ist angesichts der immateriellen Bedeutung des Anlasses zu klein.

«Aus meiner Sicht sollte die Planung für das Kinderfest 2021 nach dem üblichen Fahrplan starten, aber mit der Option für eine Verschiebung auf 2022.»

Das Kinderfest sollte nur aus epidemiologischen Gründen verschoben werden und nicht aus finanziellen. Wenn zu wenig Geld vorhanden ist, soll eine einmalige Redimensionierung des Fest geprüft und nach Sponsoren gesucht werden. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, dass man nur den Umzug durchführt und zum Schluss gemeinsam eine Bratwurst isst. Doch bevor solche Entscheide getroffen werden, sollte - wie gesagt - zuerst mit Sponsoren gesprochen werden.

Das Kinderfest ist identitätsstiftend und wichtiger Bestandteil der St.Galler DNA. Ausserdem bringt es viel Wertschöpfung. Es ist nicht das erste und sicher auch nicht das letzte Mal, dass sich dunkle Wolken am Finanzhimmel zeigen. Es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass eine Absage dieses generationenverbindenden Fests in Betracht gezogen wird.

Da sollten wir jetzt aber eine ziehen und auch in schweren Zeiten an dieser Tradition festhalten. Traditionen sind nämlich für den Zusammenhalt einer Gesellschaft sehr wichtig. Gerade die Coronakrise hat uns doch in den vergangenen Wochen und Monaten gezeigt, dass dieser Zusammenhalt von grosser Bedeutung ist.»

Mathias Gabathuler bewirbt sich am 27. September für die FDP um einen Sitz im St.Galler Stadtrat und gleichzeitig ums Stadtpräsidium.

Mathias Gabathuler bewirbt sich am 27. September für die FDP um einen Sitz im St.Galler Stadtrat und gleichzeitig ums Stadtpräsidium.

Bild: Michel Canonica (1.5.2020)

Mathias Gabathuler (FDP)

«Als Stadtpräsident wäre es eine meiner wesentlichen Aufgaben, den städtischen Finanzen Sorge zu tragen. Dabei gilt es zwischen Kosten und Investitionen abzuwägen. Grundsätzlich ist es sehr begrüssenswert, dass der heutige Stadtrat proaktiv über griffige Massnahmen nachdenkt, um das sich abzeichnende Defizit abzufedern und das in den letzten Jahren geäufnete Eigenkapital nicht gleich wieder massgeblich zu schmälern.

Aus finanzieller Sicht mag die bereits jetzt erfolgte Absage des Kinderfestes 2021 Sinn machen. Ein nicht unerheblicher Posten über von knapp 1,5 Millionen Franken taucht so schon zum vornherein nicht im nächstjährigen Budget auf.

«Aus gesellschaftlicher Sicht setzt diese Massnahme jedoch ein falsches Signal.»

Wäre es nicht viel wichtiger, jetzt Mut und Entschlossenheit zu zeigen, dass wir es schaffen können und dass wir davon überzeugt sind, dass wir nächstes Jahr wieder zusammen Feste feiern können?

Ist es die richtige Botschaft der Stadtregierung an die St.Galler Bevölkerung, dass man sich für nächstes Jahr - oder gar für die nächsten Jahre - besser keine allzu grossen Hoffnungen macht, dass irgendwelche grösseren Feste stattfinden werden? Was soll das Gewerbe, namentlich die Gastronomie, die Tourismus- und Veranstaltungsbranche einer solchen Botschaft entnehmen?

Veranstalter, wie zum Beispiel das Open Air St. Gallen, setzen alles daran, schon heute wieder einen tollen Anlass für nächstes Jahr zu präsentieren und die Olma prüft die Möglichkeiten einer ‹Olma light 2020›. Diese Investitionen lohnen sich sowohl finanziell als auch gesellschaftlich – dasselbe könnte für das Kinderfest 2021 als wichtiges Signal gelten!»

Karin Winter-Dubs kandidiert am 27. September für die SVP für einen Sitz im St.Galler Stadtrat.

Karin Winter-Dubs kandidiert am 27. September für die SVP für einen Sitz im St.Galler Stadtrat.

Bild: PD

Kathrin Winter-Dubs (SVP)

«Die Absage des Kinderfestes 2021 ist falsch. Genau solche Anlässe wie dieses Fest braucht es jetzt. Das Kinderfest ist ein Leuchtturm der Stadt St.Gallen. Es stiftet Identität, schweisst die Stadtbevölkerung zusammen. Und das ist wichtig in einer immer komplexer werdenden Welt und in diesem Fall jetzt auch nach der schweren Zeit der Coronakrise.

Das Kinderfest belebt zudem die Stadt. Fürs Gewerbe und die Gastronomie generiert es Einnahmen. Und das ist gerade jetzt angesichts der Einbussen während des Lockdowns wichtig.

«Meine Erwartung ist, dass der Stadtrat auf den Entscheid zurückkommt, das Kinderfest 2021 ersatzlos zu streichen.»

Erste Priorität hat dabei die Durchführung nach dem üblichen Programm. Ein ‹Kinderfest light› kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Falls es auf ein Alternativprogramm hinausläuft, wäre eine dezentrale Durchführung, also jedes Schulhaus für sich, keine Option. Das Kinderfest lebt davon, dass sich die Bevölkerung, dass sich alle sozialen Schichten am Umzug und auf dem Festplatz mischen und gemeinsam ein Fest für die Stadt feiern.»

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