Ab Montag dürfen die St.Galler Museen wieder öffnen, nun putzen sie sich heraus: Ein Blick hinter die Kulissen

Nach acht Wochen dürfen die Museen ab Montag wieder öffnen. Sie haben die Zeit genutzt für Reparaturen und Reinigungsarbeiten.

Marlen Hämmerli
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Die Kleiderpuppen mussten raus: Slavica Panic putzt eine Vitrine von innen. Noch bis Dienstag zu: Der Eingang des Historischen und Völkerkundemuseums.

Die Kleiderpuppen mussten raus: Slavica Panic putzt eine Vitrine von innen. Noch bis Dienstag zu: Der Eingang des Historischen und Völkerkundemuseums.

Bild: Michel Canonica

Slavica Panic ist derzeit gut beschäftigt: Gerade steht die Reinigungsmitarbeiterin des Historische und Völkerkundemuseums (H VM) in einer Vitrine und putzt in Kreisbewegungen die Scheibe. Das HVM hat die Schliessungszeit während der Coronakrise für einen gründlichen Frühlingsputz genutzt.

Am Dienstag öffnet das Museum nach acht Wochen erstmals wieder. Dafür arbeiten die Verantwortlichen diese Woche das Schutzkonzept aus. Dabei halten sie sich an die Vorgaben des Verbands der Schweizer Museen. Zumindest eine Plexiglasscheibe an der Kasse des Museums ist bereits montiert. Der Spuckschutz ist so sauber, dass man ihn kaum wahrnimmt.

Kommt eine Gruppe, wird woanders weitergeputzt

Die Schliessungszeit auf Grund von Covid-19 hat auch Vorteile. «Wenn wir Besucherinnen und Besucher haben, ist es umständlicher. Vor allem, wenn es Lärm gibt», sagt Hauswart Erwin Bosshart. Kommt eine Gruppe, muss die Reinigungskraft unterbrechen und an einem anderen Ort weiterarbeiten.

Erwin Bosshart ist der Technische Hauswart des Historischen und Völkerkundemuseums und damit vor allem für den Austellungsaufbau zuständig.

Erwin Bosshart ist der Technische Hauswart des Historischen und Völkerkundemuseums und damit vor allem für den Austellungsaufbau zuständig. 

Bild: Michel Canonica

So kann sie nun aber in Ruhe Glasfläche um Glasfläche reinigen, Raum für Raum. Normalerweise geht die Reinigungskraft einfach mit dem Staubwedel über die Aussenfläche der Vitrine. Jetzt putzt sie nass, was den Staub bindet. Unterstützt wird Panic derzeit von einer Kollegin vom Besucherdienst. Diese putzt gerade Vitrinen im Erdgeschoss in der Dauerausstellung «Welten sammeln»:

Bild: Michel Canonica

Dabei nimmt sie nur das Nötigste aus den Glaskästen. «Die Restauratorinnen haben keine Freude, wenn man die Objekte rausnimmt. Und die Gestalterin möchte, dass danach wieder alles richtig platziert ist», erklärt Bosshart. Deshalb fotografieren die Putzkräfte oft den Inhalt der Vitrinen, bevor sie sich ans Werk machen. So ist sichergestellt, dass nach der Reinigung wieder alles an Ort und Stelle steht.

Kieselsteine beschädigen die Holzböden

Bosshart geht weiter, betritt ein historisches Zimmer, in dem Coiffureutensilien ausgestellt sind. Viele winzige Löcher, ähnlich denen von Holzwürmern, spicken den 99-jährigen Nussbaumboden.

Sie stammen von Kieselsteinen aus dem Stadtpark. Über die Jahre haben unzählige Besucherinnen und Besucher mit ihren Schuhen Löcher ins Hartholz gedrückt. Um weitere Beschädigungen möglichst zu verhindern, hält Bosshart die Treppe vor dem Museum ständig sauber. Der Eingangsbereich und die Haupttreppe werden täglich gesaugt. Normalerweise.

Auch die Figuren im Eingangsbereich wurden hinter eine Sicherheitsschranke verwiesen.

Auch die Figuren im Eingangsbereich wurden hinter eine Sicherheitsschranke verwiesen.

Bild: Michel Canonica
An den Schuhen der Besucherinnen und Besucher bleiben Kieselsteine aus dem Stadtpark haften. Deshalb wird die Treppe vor dem Eingang häufig geputzt.

An den Schuhen der Besucherinnen und Besucher bleiben Kieselsteine aus dem Stadtpark haften. Deshalb wird die Treppe vor dem Eingang häufig geputzt.


Bild: Benjamin Manser (6. Januar 2020)

Anders als die Fenster des Museums: Nun da der Blütenstaub weniger wird, geht es ans Fensterputzen. Einmal jährlich reinigt Slavica Panic jedes der 172 Fenster. Das ist vor allem bei den hohen Fenstern aufwendig. Dazu kommt das Freiräumen der Simse. «Das Vorbereiten ist aufwendiger als das Putzen selbst», sagt Bosshart. Dafür muss es zudem warm sein. In den Museumsräumen sollten immer etwa 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit herrschen.

Eines von 172 Fenstern: Blick zum Kantonsspital.

Eines von 172 Fenstern: Blick zum Kantonsspital. 

Bild: Michel Canonica

In der Halle im Untergeschoss hat Bosshart die Brenndauer der Lampen verkürzt und einige Designersessel, Liegen sowie andere Gegenstände mit weissen Tüchern abgedeckt, um die Möbel zu schonen. Jetzt, da niemand neugierig durch die Ausstellung «Vom Jugendstil zum Bauhaus» schlendert.

Praktisch alle Ausstellungsmöbel sind selbst produziert

Bosshart ist aber vor allem für den Ausstellungsaufbau zuständig. In der museumseigenen Werkstatt stellt er Möbel und Stellwände her. Etwa 90 Prozent sind selbstproduziert.

«Es kann vorkommen, dass meine Mitarbeiterin eine Woche lang malt.»

Derzeit ist Bosshart damit beschäftigt, Stellwände vorzubereiten für die neue Ausstellung «Berufswunsch Malerin». Die Vernissage ist für den 28.August geplant.

Der Rest des Teams arbeitet im Hintergrund. Objekte inventarisieren, Führungen schreiben, das 100-Jahr-Jubiläum von 2021 vorbereiten: «Zu tun haben wir genug, aber wir vermissen die Begegnungen, den Austausch, das Leben», sagt Peter Müller, der beim HVM für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

In den letzten Wochen habe er sich wieder ausgiebig mit der Geschichte des Hauses beschäftigt. Der Fundus an Fakten und Geschichten, Fotos und Erinnerungen wachse stetig. In der Hoffnung, das nächstes Jahr die Coronakrise überwunden ist und das HVM sein Jubiläum gebührend feiern kann.

Im Naturmuseum wird die Oster-Ausstellung am Dienstag eröffnet

Auch im Naturmuseum wurde in den vergangenen Wochen im Hintergrund gearbeitet. Kaum war es geschlossen, machte sich dessen Personal an die Arbeit. Es reinigte das gesamte Gebäude und desinfizierte Toiletten, Tische, Stühle, Handläufe und Türfallen. WCs und Türgriffe werden zur Sicherheit weiterhin zweimal täglich gereinigt.

Gleichzeitig putzt der Hausdienst derzeit schwer zugängliche Orte. Zum Beispiel Scheinwerfer, die hoch oben hängen. Der Warenlift musste nach einer Störung aufwendig repariert werden. Aber auch kleine Dinge werden geflickt. So wurden Befestigungen erneuert, Scheiben gerichtet und Vitrinengläser ausgetauscht. «Nichts, was ins Auge fällt», sagt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums. Auch Pendenzen können nun, da das Museum wegen des Coronavirus geschlossen ist, abgearbeitet werden. Der Techniker flickt Exponate, die schon länger in der Werkstatt liegen.

Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums.

Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums.

Bild: Sabrina Stübi (21. März 2018)


Nicht alle können im Homeoffice arbeiten

Ein Grossteil des Personals arbeitet im Homeoffice oder bildet sich online weiter. Gewisse Arbeiten, etwa die Tierpräparation, können aber nur vor Ort erledigt werden. Zudem müssen Fische, Waldameisen, Mauereidechsen und Zwergmäuse täglich gefüttert werden. Ausserdem musste das Naturmuseum das Ausstellungsjahr neu planen. So wird die für den Sommer geplante Sonderausstellung zu den Tierpräparaten von Ernst Heinrich Zollikofer um ein Jahr verschoben – auch wenn das Museum nun einen Monat früher öffnen darf, als ursprünglich angekündigt.

Nach der Wiedereröffnung nächsten Dienstag ist die jährliche Osterausstellung «Allerlei rund ums Ei» zu sehen. Anfangs mit lebendenden Tieren, danach ohne. Die für Anfang Oktober geplante Eichhörnchen-Ausstellung, wird auf 28. August vorgezogen

Bei der traditionellen Ausstellung «Allerlei rund ums Ei» sind jeweils auch lebende Tiere zu sehen. Bibeli schlüpfen direkt vor Ort.

Bei der traditionellen Ausstellung «Allerlei rund ums Ei» sind jeweils auch lebende Tiere zu sehen. Bibeli schlüpfen direkt vor Ort.

Bild: Sabrina Stübi (21. März 2018)

Das Kunstmuseum verlängert Ausstellungen

Auch das Kunstmuseum musste umplanen und hat alle Ausstellungen neu beurteilt. Einige werden verlängert, andere verschoben. Details verrät Griesfelder noch nicht. Nur so viel: Alle aktuell laufenden Ausstellungen, mit Ausnahme der Altmeistergeschichten, werden verlängert.

Am Montag wird das Museum wieder öffnen. Dabei gilt: Bei Symptomen zu Hause bleiben, Hygieneempfehlungen beachten, Abstand halten und keine Gruppen bilden. Der Kunklerbau umfasst über 3000 Quadratmeter. «Wir gehen davon aus, dass wir die Massnahmen gut einhalten können und der Besuch von Kunstmuseum und Kunstzone sicher ist», sagt Co-Direktor Roman Griesfelder.

Statt Besucherinnen und Besuchern wandern derzeit noch Handwerker und Putzkräfte durch das Kunstmuseum. «Wir nutzen die Schliessungszeit ziemlich intensiv», sagt Co-Direktor Roman Griesfelder. So hat der Hausdienst die Glasfassade des Museumscafés gründlich gereinigt. «Das war überfällig.»

Die Glasfassade beim «Trichter» zum Kunstmuseum ist nun wieder saubern.

Die Glasfassade beim «Trichter» zum Kunstmuseum ist nun wieder saubern.

Bild: Hanspeter Schiess (7. November 2016)

Aber auch fest installierte Kunstwerke erstrahlen in neuem Glanz. So etwa der Lüster von Pipilotti Rist, der im Foyer hängt.

Vor allem Reparaturen können derzeit einfacher ausgeführt werden. Normalerweise sind diese auf den Montag beschränkt, wenn das Museum geschlossen ist. Die Handwerker können dann ungestört arbeiten und die Besucher an den anderen Tagen in aller Ruhe durch die Ausstellungen schlendern. Die Beschränkung auf den Montag bringt aber Planungsaufwand mit sich. «Derzeit sind wir flexibler», sagt Griesfelder. «Wir konnten kleinere Reparaturen durchführen, die schon lange fällig waren, die wir aber immer rausgeschoben haben.»