Nach jahrelangem Streit: AB-Haltestelle Rank wird definitiv aufgehoben

Die Haltestelle Rank der Appenzeller Bahnen wird mit dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember aufgehoben. Der Kanton St.Gallen lehnt die Weiterführung ab. Die Anwohner, die für ihre Haltestelle kämpften, sind enttäuscht.

Reto Voneschen
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Die Haltestelle Rank der AB-Linie nach Trogen. Sie liegt auf St. Galler Stadtgebiet an der Grenze zu Ausserrhoden und Speicher. (Bild: Beat Belser)

Die Haltestelle Rank der AB-Linie nach Trogen. Sie liegt auf St. Galler Stadtgebiet an der Grenze zu Ausserrhoden und Speicher. (Bild: Beat Belser)

Das Trogenerbähnli gehört heute zum Netz der Appenzeller Bahnen (AB). Die Haltestelle Rank liegt am Rand des St.Galler Stadtgebietes, kurz vor der Grenze zu Ausserrhoden und Speicher. Pro Zug wird sie, so zeigte eine Erhebung der AB, von durchschnittlich 0,4 Reisenden benutzt. Das ist im Vergleich zu den grossen Haltestellen auf Stadtgebiet natürlich eine kleine Zahl.

Für Bewohnerinnen und Bewohner der Gehöfte und Häuser im Rank, im Loch, in Ober- und Untergädmen, auf Hohenwiesen und bei der Landscheidi, für rund 30 Einwohner und 13 Beschäftigte im Umkreis von 500 Metern, ist die Haltestelle der Anschluss ans öffentliche Verkehrsnetz. Einige von ihnen, darunter Schulkinder und ein Dialysepatient, können nicht aufs Auto umsteigen. Für sie liegt die nächste Haltestelle 750 Meter vom Rank entfernt beim Schwarzen Bären.

Aufhebung mit dem nächsten Fahrplanwechsel

Nach langen Diskussionen über eine allfällige Aufhebung scheinen die Tage der Haltestelle Rank jetzt wirklich gezählt. Wenn kein Wunder geschieht oder die Kantonsbehörden nicht im letzten Augenblick ein Einsehen haben, wird sie mit dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2018 aufgehoben. Im Fahrplanentwurf taucht sie nicht mehr auf: In ihm fährt die Bahn vom Schwarzen Bären direkt zur Vögelinsegg.

Es gibt gemäss Rechtsanwalt Daniel Ehrenzeller, dem Vertreter der Anwohnerinnen und Anwohner, kein Rechtsmittel gegen die Aufhebung der Haltestelle. Die Enttäuschung bei jenen, die seit 2010 für den Erhalt «ihres» Bahnhalts gekämpft hätten, sei angesichts des kantonalen Aufhebungsentscheids gross. Für einige von ihnen werde es im Alltag nicht ganz einfach werden, sich bezüglich ÖV-Haltestelle zum Schwarzen Bären hin zu orientieren. Das gelte auch für jene, die einen längeren Weg von Zuhause nur schon zum Rank hätten.

Parkplätze für Zweiräder und Autos nötig

Wenn die Haltestelle im Rank tatsächlich aufgehoben wird, wünscht sich Daniel Ehrenzeller wenigstens eine bessere Ausstattung der Haltestelle Schwarzer Bären. Hier brauche es dann einen gedeckten Abstellplatz für jene, die mit Velo, Mofa oder Roller kämen sowie einige Park+Ride-Parkplätze.

Kritisch beurteilt der Rechtsvertreter der Anwohner die Kommunikation der Behörden in Zusammenhang mit der Aufhebung der Haltestelle. Anwohnerinnen und Anwohner hätten von den jeweils aktuellen Plänen nur durch Zufall oder dann auf gezieltes Nachbohren hin erfahren. Das sei nicht wirklich bürgerfreundlich.

Über die Aufhebung der AB-Haltstelle Rank wird seit 2010 diskutiert. Ursprünglich war die Bahn der Meinung, dass diese Haltestelle für die Schaffung der Durchmesserlinie von Trogen via St.Gallen und Teufen nach Gais und Appenzell wegfallen müsse. Die Alternative sei ein Ausbau der Doppelspur beim Schwarzen Bären für 7,7 Millionen Franken.

Aufgrund dieser Ausgangslage stimmten die Stadtsanktgaller Behörden der Aufhebung 2011 auch nach Debatten im Stadtparlament zu. In den folgenden Jahren gab’s einzelne Vorstösse der Anwohner gegen diesen Schritt. Den Verantwortlichen wurde gemäss Daniel Ehrenzeller insbesondere das Versprechen abgerungen, die Haltestelle erst nach Fahrplanerfahrungen mit der Durchmesserlinie aufzuheben.

AB und Stadt kommen Anwohnern entgegen

Anfang 2018 kam Schwung ins Thema: Angesichts der mit dem Fahrplanwechsel im Dezember in Betrieb gehenden Durchmesserlinie beantragten die Appenzeller Bahnen die Aufhebung der Haltestelle Rank. Nachdem er davon erfahren hatte, wehrte sich der Vertreter der Anwohner dagegen. Und bei zwei Besprechungen zeigte sich, dass der Schritt technisch nicht nötig ist. Den seinerzeit als Grund angeführten, bei Beibehaltung der Haltestelle Rank nötigen Ausbau der Haltestelle Schwarzer Bären für 7,7 Millionen braucht es nicht mehr.

Schliesslich boten die AB Hand für «eine Übergangslösung» mit der Haltestelle. Die Stadt St.Gallen sprach sich ebenfalls dafür aus, die Haltestelle beizubehalten und ihre Zukunft vertieft abzuklären. Dies mit Rücksicht auf die Auswirkungen einer Aufhebung auf davon Betroffene, wie Verkehrsplaner Christian Hasler schreibt.

Trotz der Kehrtwende entschied das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen anders: Nach einer erneuten Beurteilung sei man zum Schluss gekommen, dass die Aufhebung der Haltestelle «die zweckmässigste Lösung» sei, begründet Amtsleiter Patrick Ruggli.

Anschlusssicherheit wichtig für mehr Reisende

Die Fahrplanstabilität der Durchmesserlinie sei kritisch. Daher wolle man auf Experimente verzichten. Die Wendezeit in Trogen betrage nur noch vier Minuten. Durch kürzere Reservezeiten sinke die Anschlusssicherheit von Trogen her in St.Gallen. Davon seien viel mehr Reisende betroffen als durch Schliessung der Haltestelle Rank, hält Patrick Ruggli fest. An dieser Haltestelle verzeichnen die AB pro Tag 30 Ein- und Aussteiger, von St.Gallen bis Trogen sind es insgesamt 8000 Ein- und Aussteiger pro Tag.

Die Benutzung der Haltestelle Schwarzer Bären sei für die Anwohner im Rank zumutbar, findet das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr. Die Aufrechterhaltung der Haltestelle Rank sei zudem mit relativ hohen Kosten verbunden: Für den Kanton St.Gallen fallen gemäss Patrick Ruggli 35'000, für die Stadt St. Gallen 80'000 Franken im Jahr an. Die AB müssten 60'000 Franken in einen Ticketautomaten investieren.