80 Corona-Untersuchungen am Tag: Die Olma-Halle 9.1 wird zur temporären Arztpraxis

In der Olma-Halle 9.1 in St.Gallen ist in nur drei Tagen ein Konsultationszentrum aufgebaut worden. Es nimmt am Dienstag seinen Betrieb auf.

Daniel Wirth
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Social Distancing: In den Hallen wird auf genügend Abstand geachtet.

Social Distancing: In den Hallen wird auf genügend Abstand geachtet.

Bild: Nik Roth

In der Olma-Halle 9.1 geht gewöhnlich die Post ab. Hier wird diskutiert, hier wird degustiert, hier werden Geschäfte gemacht. Normalerweise. An der Offa. An der Olma. Doch jetzt ist alles anders. Ganz anders. «Alles ist verrückt», sagte Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann am Freitag an einem Medienrundgang durch das Corona-Konsultationszentrum in St.Gallen; zwei weitere gibt es in Rapperswil-Jona und in Sargans. Hanselmann meinte mit «verrückt» das, was das pandemische Coronavirus auslöst: Es stellt das Leben auf den Kopf.

Die St.Galler Gesundheitsdirektorin legte Wert auf die Feststellung, dass es sich in der temporären Arztpraxis auf dem Messeareal um kein Corona-Testzentrum handelt, das einfach so aufgesucht werden kann. «Es braucht eine Zuweisung durch den Hausarzt», sagte Hanselmann. Der Hausarzt mache einen Termin im Konsultationszentrum. Einlass erhält, wer einen Ausweis vorlegen kann und einen Termin vereinbart hat. Gemäss Hanselmann sollen mit den Konsultationszentren die Hausarztpraxen und die Notfallaufnahmen in den Spitälern entlastet werden.

Regierungsrätin und Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann informiert an der Medienorientierung.

Regierungsrätin und Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann informiert an der Medienorientierung.

Bild: Nik Roth

Die medizinische Leitung des Zentrums in St.Gallen obliegt Raphael Stolz. Der Mediziner hat in der Stadt eine Praxis und wirkt im Regionalen Führungsstab St.Gallen-Bodensee mit.

14 Behandlungszimmer und dafür keine einzige Türklinke

Das Konsultationszentrum nimmt am kommenden Dienstag seinen Betrieb auf. Das Personal: Zwei Ärzte, vier medizinische Praxisassistentinnen, 16 Angehörige der Zivilschutzorganisation.

Die temporäre Praxis in der Olma-Halle hat Dimensionen, die hoffentlich nicht gebraucht werden, wie Stolz sagte. Die von den Hausärzten zugewiesenen Patienten werden beim Eingang von den in zwei Schichten eingesetzten Zivilschutzangehörigen kontrolliert. Sind sie einmal in der Halle, werden sie von den Praxisassistentinnen in Empfang genommen. Grossen Wert wird auf die räumliche Distanzierung gelegt.

Überall auf dem Boden sind gelbe Abstandsmarkierungen aufgeklebt. Wer nach dem Gespräch an den Empfangsschaltern auf die Behandlung warten muss, tut das nicht einem Wartezimmer, sondern in einem veritablen Wartsaal, der in seiner Weite an denjenigen im Hauptbahnhof erinnert. Schwarze Stühle stehen mehrere Meter voneinander entfernt.

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Nik Roth

Das Konsultationszentrum verfügt über 14 Behandlungszimmer. Diese sind spartanisch eingerichtet: Besprechungstisch mit einer Plexiglasscheibe in der Mitte, zwei Stühle, eine Liege und ein Tischchen, auf dem Arzt seine Sachen ablegen kann. Viel mehr gibt es nicht. Doch: In jedem Zimmer hat es ein Lavabo mit Kalt- und Warmwasseranschluss.

Die Hygiene ist wichtig. Auch im Wartsaal und in den anderen Räumen hat es mobile Handwaschanlagen. Die Vorstellung, dass in wenigen Wochen alle 14 Behandlungsräume gebraucht werden, lässt einen schaudern. Ob es soweit kommt, weiss niemand. «Wir wollen parat sein», sagte Heidi Hanselmann beim Rundgang durch das Zentrum. Geöffnet hat dieses jeweils von 8 bis 18 Uhr. «In dieser Zeit können zwei Ärzte rund 80 Patienten untersuchen», erklärt Raphael Stolz.

Tests gehen in ein Labor ausserhalb des Zentrums

Patienten, denen ein Abstrich genommen wird, müssen sich rund zwei Tage gedulden, bis sie das Ergebnis erhalten. «Die Laboruntersuchungen machen wir nicht im Konsultationszentrum», sagte Felix Keller, Stabschef des Regionalen Führungsstabs. Und Stolz ergänzte, das Resultat einer Untersuchung im Konsultationszentrum könne für die Patienten vielerlei bedeuten: Eine sofortige Überweisung in ein Spital, den Beginn einer medizinischen Behandlung, die Quarantäne in den eigenen vier Wänden oder im besten Fall Entwarnung.

Das Konsultationszentrum in der Olma-Halle 9.1 ist riesig. Aufgebaut wurde es in gerade einmal drei Tagen. Türen mit Klinken gibt es keine einzige. Keller sagte:

«Wir wollten keine Virenschleudern einbauen.»

Bei Bedarf kann das Zentrum im Nu vergrössert und zusätzliches Personal aufgeboten werden. «Wir hoffen alle, dass wir das nicht tun müssen», sagte Regierungspräsidentin Hanselmann.