Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

70-jähriger St.Galler rennt 6700 Höhenmeter in 24 Stunden

Während andere in seinem Alter den Ruhestand geniessen, läuft Christoph Sturzenegger von Berggipfel zu Berggipfel. Der 70-Jährige hat zusammen mit seinem Sohn am Eiger Ultra Trail Grindelwald teilgenommen, einem der härtesten Bergrennen der Schweiz.
Marion Loher
Nach 24 Stunden und 50 Minuten im Ziel: Christoph Sturzenegger und Silvan Steiner. (Bild: Ralph Ribi)

Nach 24 Stunden und 50 Minuten im Ziel: Christoph Sturzenegger und Silvan Steiner. (Bild: Ralph Ribi)

Christoph Sturzenegger sitzt im Garten hinter seinem Haus und schlägt sich mit den Händen leicht auf die Oberschenkel. «Hier spüre ich es ein bisschen», sagt er, «die Oberschenkel fühlen sich etwas schwer an.» Dabei sind erst wenige Tage vergangen, seit der 70-Jährige den Eiger Ultra Trail Grindelwald absolviert hat. Die 101 Kilometer lange Strecke von Grindelwald auf das First und Faulhorn, hinab nach Burglauenen und wieder rauf auf den Männlichen, unter der Eiger Nordwand hindurch zurück nach Grindelwald gilt als einer der härtesten Bergläufe der Schweiz. 6700 Höhenmeter müssen überwunden werden. «Ich bin selber überrascht, dass ich nicht mehr Muskelkater und Gliederschmerzen habe», sagt er und schmunzelt. Neben ihm am Tisch sitzt sein Sohn Silvan. Er ist stolz auf seinen Vater und auf sich selbst. Der 33-Jährige ist den Eiger Ultra Trail ebenfalls gelaufen. Zusammen mit dem Vater. Die körperlichen Strapazen sind auch dem gelernten Schreiner nicht anzusehen. «Ich hatte zwar während des Laufs Schmerzen im Knie, doch die sind mittlerweile wieder weg.»

Erst spät mit Laufen begonnen

Der Eiger Ultra Trail ist wegen seiner spektakulären Bergkulisse bei vielen Läuferinnen und Läufern sehr beliebt. «Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, uns für diesen Lauf anzumelden», sagt Christoph Sturzenegger. Allerdings rechnete er sich keine grossen Chancen auf einen Startplatz aus. «Die 500 Startplätze sind jeweils rasch weg.» Doch er hatte Glück, die Online-Anmeldung klappte auf Anhieb.

«Als ich die Bestätigung vor mir sah, wurde ich schon etwas nervös. Vor allem auch, weil mein Sohn nichts davon wusste und ich ihm diesen Lauf schenken wollte.»

Vater und Sohn sind seit Jahren leidenschaftliche Läufer. Für einmal war es aber nicht so, dass der Vater den Sohn mit dem Lauf-Virus infiziert hatte. «Silvan und sein Zwillingsbruder waren schon als Kinder gute Läufer und nahmen regelmässig an Rennen teil», sagt der Stadtsanktgaller. «Ich bin durch sie zum Laufen gekommen. Damals war ich bereits Ende vierzig.» Als Nachteil empfand er sein Alter aber nicht. «Im Gegenteil. Ich hatte viel aufzuholen und einiges an Potenzial», sagt er mit einem Augenzwinkern. Er fing mit einem Fünf-Kilometer-Rennen an und weitete seine Laufdistanz allmählich über den Halbmarathon bis hin zum Marathon aus. Rasch merkte er, dass ihm das Laufen in den Städten und auf Asphalt weniger gefiel und wechselte ins Gebirge. «Die Wege, die Aussicht und die Atmosphäre sind in den Bergen viel besser», sagt der ausgebildete Biologe ETH, der die meiste Zeit seines beruflichen Lebens in der Flüchtlingsarbeit verbracht hat. Mittlerweile ist er pensioniert und hat über 15 Marathons sowie zahlreiche Bergläufe absolviert.

Am Schluss zählt die mentale Stärke

Der Eiger Ultra Trail Grindelwald war für das Vater-Sohn-Gespann der erste gemeinsame Berglauf dieser Art. Die beiden bereiteten sich auch gemeinsam auf das Rennen vor: Sie liefen im Alpstein und trainierten in Grindelwald. «Ich wusste, ein solcher Lauf ist nur im Team zu schaffen», sagt Christoph Sturzenegger. Vor allem bei Krisen sei man auf die Unterstützung des Anderen angewiesen: «50 Prozent des Laufes wird im Kopf entschieden.» Und Krisen gab es bei beiden auch während des Berglaufs. «Nach etwa 50 Kilometern tat mein Knie ziemlich weh und ich war kurz davor, aufzugeben», sagt Silvan und sein Vater fügt hinzu: «Auch ich hatte zu diesem Zeitpunkt körperliche Beschwerden.» Er wusste, würde er das Wort «aufgeben» laut aussprechen, hätten sie es beide getan. Er sagte nichts, sie bissen sich durch. Und wie. Nach 24 Stunden und 50 Minuten kamen Vater und Sohn gemeinsam im Ziel an. Überglücklich und voller Adrenalin.

«Als sich die Euphorie langsam legte, schliefen wir zunächst einen halben Tag lang.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.