60 Meter lang und über 12 Meter hoch: Am Gossauer Bahnhof sind nochmals 35 Wohnungen geplant

Zwischen dem Perron 3 und der Goldzackhalle erstellt die Pensionskasse Thurgau eine neue Grossüberbauung. Die Stadtplanung begrüsst diese neue «Stadtkante». Die Urbanisierung im Bahnhofsquartier geht damit weiter.

Johannes Wey
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Die neue Überbauung soll - Attikageschoss eingerechnet - sechs Stockwerke zählen.

Die neue Überbauung soll - Attikageschoss eingerechnet - sechs Stockwerke zählen.

Visualisierung: PD

Die Stadt Gossau wächst weiter an den Bahnhof heran - und in die Höhe. Zwölfeinhalb Meter hoch will die Pensionskasse Thurgau ihr neues Mehrfamilienhaus bauen. Fast 60 Meter lang soll die Fassade werden. Die Überbauung mit fünf Voll- und einem Attikageschoss ist an der Stadtbühlstrasse zwischen Goldzackhalle und dem - noch leicht höheren - Perron 3 geplant und soll zwei Gebäude der ehemaligen Breitenmoser AG (Bremo) ersetzen.

Rund 17 Millionen Franken will die Pensionskasse investieren, sagt Real Estate Manager Romeo Vetter. Geplant sind 35 Mietwohnungen und 200 Quadratmeter Gewerbefläche. Das Mitwirkungsverfahren für den Sondernutzungsplan läuft bis zum 10. Juli.

Die Aussicht auf moderne Mietwohnungen direkt am Bahnhof gefällt Vetter:

«Diese Lage ist sensationell.»

Wichtiges Baudenkmal für Gossau

Nachdem die Pensionskasse Thurgau das Grundstück 2016 gekauft und danach einiges in die Sanierung von Goldzackhalle und Migros - die beide unter Schutz stehen - investiert habe, könne sie nun den Neubau angehen.

Die ikonische Goldzackhalle.

Die ikonische Goldzackhalle.

Benjamin Manser (2. Mai 2015)

Insbesondere was die Goldzackhalle angeht, sei man sich immer bewusst gewesen, dass es sich dabei um einen prominenten Bau mit überregionaler Ausstrahlung handle:

«Uns war klar, dass wir mit den beiden Schutzobjekten sorgfältig umgehen müssen. Zusammen mit dem Neubau rechnen sich die Investitionen in das Grundstück als Ganzes aber.»

Eine Prognose zum frühstmöglichen Bezugstermin will Vetter in diesem frühen Stadium der Planung allerdings noch nicht abgeben.

Stadtentwicklerin: «Goldzackhalle profitiert»

Mit der Goldzackhalle steht unmittelbar neben der geplanten Überbauung auf derselben Parzelle eines der bedeutendsten Gossauer Baudenkmäler. Die Halle von 1954 wurde ohne Säulen errichtet. Sie ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung und Fotos und Pläne wurden schon im New Yorker Moma gezeigt.

Monique Trummer, Projektleiterin Stadtentwicklung.

Monique Trummer, Projektleiterin Stadtentwicklung.

PD

Für Monique Trummer von der Stadtentwicklung kommt der Sondernutzungsplan der Goldzackhalle in mehrfacher Hinsicht zugute: Die Parkplätze direkt vor dem Eingang fallen weg und werden in einer Sammelgarage ersetzt. So komme das Baudenkmal besser zur Geltung und die Sicherheit für Fussgänger steige - was nicht zuletzt mit Blick auf die 35 zusätzlichen Wohnungen wichtig sei.

Ausserdem verpflichte sich die Pensionskasse Thurgau mit dem Sondernutzungsplan, bei einer umfassenden Sanierung der Goldzackhalle die Südfassade wieder dem Originalzustand anzugleichen.

Optisch spreche für den Sondernutzungsplan, dass der Neubau die Gestaltung des Perron 3 aufgreifen und die Baumreihe an der Stadtbühlstrasse fortgesetzt werden soll. Die beiden Gebäude würden so eine «Stadtkante» bilden mit einem Abschluss zur Goldzackhalle hin.

Weitere urbane Projekte

Erst am Montag ist die Frist für ein weiteres Mitwirkungsverfahren abgelaufen. Jenes für die Überbauung Poststrasse der Wildegg Immobilien AG der Akris-Gebrüder Albert und Peter Kriemler:

Die geplante Überbauung Poststrasse.

Die geplante Überbauung Poststrasse.

Visualisierung: PD

Und im Planungsbericht zum Sondernutzungsplan «Bremo» ist nun auch die Rede von einem Workshop, bei dem verschiedene Grundeigentümer im Gebiet zwischen Stadtbühl-, Herisauer-, Post- und Bahnhofstrasse die mögliche künftige Nutzung ihrer Parzellen erörtert haben. Das Mehrfamilienhaus der Pensionskasse Thurgau sei nun das «erste Projekt aus dem Arealentwicklungsprozess». Der Startschuss zu einem neuen Stadtteil?

Monique Trummer winkt ab: Im Workshop hätten die teilehmenden Grundeigentümer unverbindlich geklärt, was möglich wäre, ausgehend von völlig unterschiedlichen Zeithorizonten. Es sei nicht die späte Verwirklichung einer «Neustadt» geplant.

Niemand spricht mehr von der «Neustadt»

Unter diesem Begriff wurde im Stadtentwicklungskonzept von 2004 die Idee eines neuen Stadtzentrums im Bahnhofsquartier skizziert, das dem historischen Zentrum an der St.Gallerstrasse den Rang ablaufen würde.

Die «Neustadt» sei aber seit dem neuen Stadtentwicklungskonzept von 2016 kein Begriff mehr, sagt Trummer:

«Es gibt keine Absicht mehr, das Zentrum zu verschieben.»

Vielmehr trägt das neue Stadtentwicklungskonzept sowohl dem historischen Zentrum als auch dem Bahnhofsquartier als «sich ergänzende Schwerpunkte» Rechnung. Während die Altstadt Identität stiften und als Einkaufs- und Wohnstandort attraktiv sein soll, sieht der Stadtrat im Bahnhofsquartier vor allem wertschöpfungsstarke Dienstleistungen und städtisches Wohnen, wie im Stadtentwicklungskonzept zu lesen ist.

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