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44 Jahre beim gleichem Arbeitgeber – St.Galler Maurer über Bohrmaschinen im Spital und Avancen im Kloster

Von der Lehre bis zur Pensionierung hat Peter Tobler als Maurer bei der Firma Stutz AG gearbeitet. Der Beruf habe sich gewandelt. Jetzt freut er sich aufs Ausschlafen – und auf das Tessin.
Sandro Büchler
«Mir wird es bestimmt so schnell nicht langweilig», sagt Peter Tobler. (Bild: Raphael Rohner)

«Mir wird es bestimmt so schnell nicht langweilig», sagt Peter Tobler. (Bild: Raphael Rohner)

Peter Tobler fragt seinen Arbeitskollegen, ob er das Mischgerät für den Mörtel brauche. «Denn so kleine Mengen habe ich immer von Hand angerührt.» Tobler ist Maurer und kniet gerade im Treppenhaus eines Wohnhauses im Osten von St.Gallen. Zu zweit verputzen und isolieren sie eine neu eingebaute Eingangstür.

In einem blauen Topf mischt er Kalkputz an, bis eine graue, teigige Masse entsteht. Sein Kollege Beda schleppt unterdessen einen weiteren Sack Mörtel heran und holt Wasser aus dem Keller des Gebäudes. Durch die Glastür blitzen Sonnenstrahlen auf Peter Toblers Kopf. Es ist sein drittletzter Arbeitstag.

Sein Berufswunsch stand für Tobler früh fest. Bereits als Schüler habe es ihn zum Bau gezogen. Er versuchte sich im Strassenbau.

«Aber das war mir zu heiss. Man ist der Sonne und dem Verkehr stark ausgesetzt.»

Stattdessen absolviert er eine Lehre als Maurer. Die Firma Stutz AG wird sein erster und einziger Arbeitgeber.

Avancen im Kloster, verdutzte Blicke im Spital

Tobler hat nicht die typische Statur eines Bauarbeiters. «Im ersten Lehrjahr wurde ich deshalb oft gefragt, ob ich nicht lieber im Büro arbeiten möchte.» Er merkte aber, dass er sehr gut mit Kunden umgehen konnte. So kam er in den Kundendienst. «Dort bin ich hängengeblieben.» Später bildete er sich zum Vorarbeiter aus.

Peter Tobler blickt zufrieden auf seine Zeit als Maurer zurück. (Bild: Raphael Rohner)

Peter Tobler blickt zufrieden auf seine Zeit als Maurer zurück. (Bild: Raphael Rohner)

Seine erste Baustelle war der Neubau des St.Galler Rathauses. Es folgten Arbeiten an Kirchtürmen, Schwimmbädern – und im Krematorium. «Die Verbrennungsöfen zu mauern war ein sonderbares Gefühl.» Verdutzte Blicke erntete Tobler auf der Baustelle in einem Spital: «Ich war wie ein Arzt angezogen. Als ich mit der Bohrmaschine an den Patienten vorbeiging, haben sie mich irritiert angeschaut», sagt Tobler. Ganz andere Blicke zog der Maurer bei Arbeiten an einem Kloster auf sich:

«Die Oberin schien von mir fasziniert zu sein. Sie hat ein Auge auf mich geworfen.»

Ihre Avancen habe er jedoch höflich zurückgewiesen. So auch die Annäherungsversuche einer Künstlerin, in deren Villa Tobler an einem neuen Boden arbeitete: «Ich wurde von der Hausherrin nach einer Meinung zu ihren Bildern gefragt», sagt Tobler. Anzüglich sagte sie, dass sie auf ein fürstliches Trinkgeld für seine Beratung bestehe.

Herausforderung statt 0815

Tobler klatscht den weichen Mörtel gekonnt in den Spalt zwischen Wand und Türrahmen. Eine Routinearbeit für ihn. Er habe immer die Herausforderungen bevorzugt. «Komplizierte Aufgaben sind mir lieber als monotone 0815-Arbeiten.» Als Maurer müsse man aber ohnehin vielseitig und flexibel sein. «Man muss alles können – und noch etwas mehr», sagt Tobler.

Mit viel Geschick bringt Peter Tobler den Mörtel mit der Kelle zwischen den Spalt. (Bild: Raphael Rohner)

Mit viel Geschick bringt Peter Tobler den Mörtel mit der Kelle zwischen den Spalt. (Bild: Raphael Rohner)

Die Baubranche habe sich verändert. Wo sie früher die Gerüste in Eigenregie aufgebaut hätten, seien heute eigene Berufe dafür geschaffen worden. «Der Beruf des Steinhauers ist hingegen verschwunden.» Rapporte würden heute auf dem iPad geschrieben. Geblieben seien die körperlichen Strapazen, die der Beruf stelle. «Es ist anstrengend, man ist viel draussen und dem Wetter ausgesetzt», sagt Tobler.

Die Belastungen sind denn auch der Grund, weshalb man sich im Baugewerbe mit 60 Jahren pensionieren lassen könne. In seiner letzten Arbeitswoche feierte Tobler seinen 60. Geburtstag. Er ist gesund, erzählt aber von einem Riss in der Netzhaut, den er kürzlich erlitten habe. «Das kommt vom vielen Tragen», sagt er. Die Verletzung sind neben einem eingeklemmten Finger die einzigen Spuren, die der Beruf bei ihm hinterlassen haben. «Auf dem Bau entwickelt man einen sechsten Sinn und sieht Gefahrenherde.»

«Muss mich in die neue Situation einpassen»

Der Junggeselle blickt entspannt auf die Zeit nach der Pensionierung. Am meisten freue er sich aufs Ausschlafen. Er sei zwar immer gern aufgestanden, aber «mit dem frühen Arbeitsbeginn hatte ich manchmal zu beissen.» Noch scheint er in seinem gewohnten Trott zu sein, erledigt die Arbeit bis zuletzt gewissenhaft. Er freue sich auf das, was komme. «Ich muss mich aber erst in die neue Situation einpassen.» Seine Arbeitskollegen werde er vermissen, sagt Tobler. Und stockt, als ihm das nahe Ende seines Broterwerbs bewusst wird.

Stattdessen gehe er seinen Hobbys nach. Tobler besitzt einen kleinen Rebberg und brennt Grappa. Zudem habe er im Tessin ein Rustico erworben. «Die Mauern sind alt, müssen erneuert werden. Das Dach ist eingestürzt.» Jetzt will sich Tobler mit Elan dem Steinhaus widmen. Er ist und bleibt eben ein Maurer.

Des Maurers Werkzeuge. (Bild: Raphael Rohner)

Des Maurers Werkzeuge. (Bild: Raphael Rohner)

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