34-Jähriger wegen Gewaltvideo zu Geldstrafe verurteilt

Der Mann hatte verschiedene Videos auf sozialen Medien verbreitet. Von einem Landesverweis sah das Kreisgericht St.Gallen ab.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen
Alles hatte mit Comics angefangen. Über Facebook hatte der somalische Staatsangehörige Videos mit Gewaltdarstellung versandt. (Smybolbild: AP Photo/Jenny Kane)

Alles hatte mit Comics angefangen. Über Facebook hatte der somalische Staatsangehörige Videos mit Gewaltdarstellung versandt. (Smybolbild: AP Photo/Jenny Kane)

Ein somalischer Staatsbürger wurde angeklagt, weil er auf sozialen Medien Videos mit Porno- und Gewaltszenen versendet haben soll. Die Staatsanwaltschaft klagte den 34-Jährigen wegen harter Pornografie (sexuelle Handlungen mit Minderjährigen) und Gewaltdarstellungen an. Sie beantragte, der Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe, einer Busse und einer Landesverweisung von fünf Jahren zu bestrafen.

Vorgeworfen wurde dem Mann, dass er auf Facebook ein Video mit sexuellen Handlungen zwischen einem minderjährigen Buben und einer Ziege anschaute und es einem Freund weiterschickte. Dasselbe habe er mit einem Video gemacht, welches zeigte, wie mit einer Spitzhacke auf einen wehrlosen Mann eingeschlagen wird.

Zufällig aufgenommene Sequenz

Er habe oft Comics über Facebook geschaut, erzählte der Beschuldigte dem Einzelrichter am Kreisgericht St.Gallen. Dabei sei er auf das Video mit dem Buben und der Ziege gestossen. Er habe den Inhalt als lustig empfunden. Den anderen Film habe er nicht zu Ende geschaut, weil er Gewaltdarstellungen verabscheue. Er könne sich nicht daran erinnern, dass er die beiden Filme weitergeleitet habe. Möglicherweise seien sie unbewusst weitergeleitet worden.

Die Verteidigerin verlangte Freisprüche für ihren Mandanten. Er habe nicht auf einschlägigen Plattformen mit pornografischen und gewaltverherrlichenden Bildern gesurft. Sein Interesse habe Comics gegolten. Auf der Suche nach unterhaltenden, lustigen Filmen sei er dabei auf das Video mit der Ziege gestossen. Dies zeige alles andere als eine gewollt pornografische Darstellung mit Minderjährigen, sondern eine wenige Sekunden dauernde, wohl zufällig aufgenommene Sequenz, die zeige, wie eine junge Ziege kurz das Geschlechtsteil eines Knaben berühre. Im Hintergrund höre man Frauen lachen.

Es sei keineswegs erwiesen, dass der Beschuldigte die Filme bewusst weitergeleitet habe. Zu solchen Anklagen komme es, weil die amerikanischen Behörden von Gesetzes wegen problematische Bilder, die auf Facebook verbreitet würden, den Schweizer Behörden meldeten. Andere Kantone löschten sie, ohne dass es zur Strafverfolgung komme. Im Kanton St.Gallen gehe man den Meldungen nach und so komme es immer wieder zu Anklagen.

Social Media ist beliebt

Unter somalischen Staatsangehörigen sei der Informationsaustausch über Facebook kulturbedingt besonders gross, erklärte die Verteidigerin weiter. Auch die Ehefrau und ihr gemeinsames Kind hätten das Handy benutzt, weshalb auch sie unbewusst die Videos weitergeschickt haben könnten. Man könne dem Beschuldigten nachlässigen Umgang mit dem Handy und Facebook vorwerfen, mehr aber auch nicht.

Während der Gerichtsverhandlung erklärte der Mann, er sei 2008 als Asylbewerber in die Schweiz gekommen. Er habe seine Heimat verlassen, weil in Somalia Krieg geherrscht habe. Ihr Mandant habe sehr bald einen Job gefunden, sich angepasst, stets seinen Lebensunterhalt selber verdient und sich nie etwas zu Schulden kommen lassen, betonte die Verteidigerin. Er sei völlig perplex gewesen, als er von den Anschuldigungen gehört habe und zunächst gar nicht gewusst, was er falsch gemacht haben könnte.

Kein Fall von Pornografie

Der Einzelrichter sprach den Mann vom Vorwurf der harten Pornografie frei. Wer das Video schaue, erkenne klar, dass es sich nicht um die Darstellung einer sexuellen Handlung handle. Aufgrund dieses Freispruches entfalle auch die obligatorische Landesverweisung.

Im Falle des zweiten Videos erhielt der Beschuldigte hingegen einen Schuldspruch wegen Gewaltdarstellungen. Da der Film über den privaten Messenger verschickt worden sei, müsse man davon ausgehen, dass er bewusst weitergeleitet worden sei, begründete der Richter das Urteil. Dafür sprach er eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 40 Franken aus mit einer Probezeit von zwei Jahren.

Sexuelle Handlungen mit Kindern: Steinacher Gemeindeschreiber bis 15. Januar in Untersuchungshaft +++ Als Tennisclub-Präsident soll er keinen Kontakt zu Junioren gehabt haben

Die Kantonspolizei St.Gallen hat am Mittwoch den Gemeindeschreiber von Steinach verhaftet. Der Mann wurde wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Kindern inhaftiert. Das Zwangsmassnahmengericht hat nun entschieden, dass der Beschuldigte bis mindestens 15. Januar in U-Haft kommt.
Rudolf Hirtl, Rossella Blattmann, Alexandra Pavlovic