32-Jähriger muss 2000 Franken für Sexdienste bezahlen

Das Kantonsgericht bestätigt ein Urteil der Vorinstanz. Der Mann muss nun eine Busse, die Schulden und die Gerichtskosten bezahlen.

Claudia Schmid
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Der 32-jährige Portugiese gab eine Sex-Annonce auf und bot für einen Abend 2000 Franken an.

Der 32-jährige Portugiese gab eine Sex-Annonce auf und bot für einen Abend 2000 Franken an.

Boris Bürgisser

Ein Portugiese war im November vor einem Jahr vom Kreisgericht St.Gallen wegen Betrugs, Datenbeschädigung und geringfügigen Diebstahls zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden. Der Einzelrichter sah es als erwiesen an, dass der 32-Jährige eine Frau über seine Zahlungsfähigkeit und seinen Zahlungswillen getäuscht hatte, um unentgeltlich zu einer sexuellen Dienstleistung zu kommen. Dieses Urteil akzeptierte der Angeklagte nicht, weshalb nun am Kantonsgericht St.Gallen die Berufungsverhandlung statt fand.

Der Beschuldigte erzählte, dass er sich für sein erfolgreich beendetes Studium eine «Belohnung» habe gönnen wollen. Diese bestand aus einem Escortdienst, der auch Sex beinhaltete. Weil er sich an keinen professionellen Escortservice wenden wollte, gab er ein Inserat auf. Darin bot der 32-Jährige 2000 Franken für einen Abend an. Er habe keine Berufsprostituierte gewollt, sondern quasi «ein Mädchen von nebenan», begründete er sein Vorgehen.

Die Wahl fiel auf eine junge Frau

Aus mehreren Angeboten wählte er eine junge Frau aus und traf sich mit ihr am Bahnhof Gossau. Sie habe sogleich das Geld haben wollen, erklärte der Mann in der Befragung durch den vorsitzenden Richter. Im Auto habe er ihr den Betrag kurz gezeigt und gesagt, sie werde ihn im Hotel erhalten. Gleich nach der Ankunft habe er ihr die 2000 Franken übergeben.

Nach zweifachem Geschlechtsverkehr
sei er eingeschlafen.

Als er nach dem Aufwachen erneut Sex gewollt habe, sei die Frau wütend geworden. Sie habe mehr Geld gefordert und ihm gedroht, sie werde Fotos von ihm an den Arbeitgeber und die Nachbarn senden. Die Frau erstattete bei der Polizei Anzeige und gab zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihr nicht nur die Bezahlung der vereinbarten 2000 Franken verweigert, sondern auch aus ihrem Portemonnaie 40 Franken gestohlen und auf ihrem Smartphone alle Chatverläufe, sowie E-Mails und Fotos von sich gelöscht.

Hier am Bahnhof Gossau trafen sich der 32-Jährige und die junge Frau.

Hier am Bahnhof Gossau trafen sich der 32-Jährige und die junge Frau.

Benjamin Manser

Der vorsitzende Richter sprach den Beschuldigten auf seine bescheidenen finanziellen Verhältnisse an und stellte in Frage, ob er tatsächlich im Besitz von 2000 Franken gewesen sei. Auf seinem Konto befanden sich in jener Zeit offenbar gerade mal 100 Franken, zudem hatte er während des Studiums 100'000 Franken Schulden angehäuft. Er habe über eine lange Zeit die Münzen in seinem Portemonnaie in einer Glasvase gesammelt. So sei die Summe von 2000 Franken zusammengekommen, erläuterte der Mann.

Der Staatsanwalt verlangte die Abweisung der Berufung. Der Beschuldigte habe die Notlage der Frau schamlos ausgenutzt. Für sie seien die 2000 Franken viel Geld gewesen. Nur deshalb habe sie sich auf das Inserat gemeldet und auf den Handel eingelassen.

Kantonsgericht weist Berufungsklage ab

Die Verteidigerin verlangte hingegen einen vollumfänglichen Freispruch sowie die Zusprache einer Entschädigung und einer angemessenen Genugtuung. Die Frau habe sich in ihren Aussagen in Widersprüche verwickelt. Sie habe ganz einfach aus dem Deal mehr Geld herausschlagen wollen.

Das Kantonsgericht St.Gallen folgte den Erklärungen des Beschuldigten und den Ausführungen der Verteidigerin nicht. Es bestätigte das Urteil der Vorinstanz.

Damit wird der Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 110 Franken und einer Busse von 300 Franken verurteilt. Zu den Kosten der vorinstanzlichen Gerichtsverhandlung muss er nun auch den Aufwand des Berufungsverfahrens zahlen. Er beträgt zusammen mit den Kosten der amtlichen Verteidigung rund 9300 Franken. Der Privatklägerin hat er die vereinbarten 2000 Franken zu zahlen.