2022 bis 2027 wird die Stadtautobahn St.Gallen saniert: Ideen gegen den Verkehrskollaps gesucht

Bis 2027 wird die St.Galler Stadtautobahn saniert. Damit der Verkehr während der Bauzeit noch rollen kann, muss er reduziert werden. Das Bundesamt für Strassen lanciert eine Kampagne, mit der es alle Verkehrsteilnehmer aufruft, sich am Kampf gegen den Stau zu beteiligen.

Reto Voneschen
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Gegenverkehr beim Ostportal der Stadtautobahn: Ab Mitte 2021 wird das Autofahrerinnen und Autofahrern während der Sanierung der St.Galler Hauptverkehrsachse wie schon im Herbst 2011 wieder blühen.

Gegenverkehr beim Ostportal der Stadtautobahn: Ab Mitte 2021 wird das Autofahrerinnen und Autofahrern während der Sanierung der St.Galler Hauptverkehrsachse wie schon im Herbst 2011 wieder blühen.

Bild: Urs Jaudas

Spitzenstunden auf der St.Galler Stadtautobahn sind die Zeitfenster zwischen 7 und 8 sowie noch prägnanter zwischen 17 und 18 Uhr. Im Morgen- und Abendverkehr ist die Hauptverkehrsachse bis an ihre Kapazitätsgrenze und teilweise leicht darüber belastet. Stockender Kolonnenverkehr und Stau sowie Verkehrschaos nach Unfällen oder Pannen sind die Folgen.

Die Situation schürt bei Autofahrerinnen und Autofahrern böse Vorahnungen für die Jahre ab Mitte 2021 bis Ende 2027, wenn die Autobahn zwischen Winkeln und Neudorf komplett saniert, also mit Baustellen garniert werden soll. Bereits die laufenden Vorarbeiten machen sich zeitweise im Verkehrsfluss und auf dem städtischen Strassennetz bemerkbar.

Zehn Prozent des heutigen Verkehrs sind zu viel

Dass die Sanierung bei der täglichen Abwicklung des motorisierten Verkehrs in Stadt und Region St.Gallen ein Problem sein wird, ist auch den Verantwortlichen vom Bundesamt für Strassen (Astra) klar. Erfahrungswerte dazu haben sie von anderen Bau- und Sanierungsprojekten am Nationalstrassennetz in Städten.

Der Zeitplan für die Sanierung der St.Galler Stadtautobahn.

Der Zeitplan für die Sanierung der St.Galler Stadtautobahn.

Bild: Astra

Aufgrund der Ausgangslage werden gewisse Verkehrseinschränkungen unvermeidbar sein. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass der Verkehr während der Stosszeiten um rund zehn Prozent reduziert werden muss, damit die anderen 90 Prozent rollen können.

Behörden appellieren an Betriebe und alle Verkehrsteilnehmer

Am Mittwochabend stellten das Astra sowie Stadt und Kanton St.Gallen Ansätze vor, wie man eine Umlagerung des Verkehrs während der Bauphase auf der Stadtautobahn erreichen könnte. Im Saal des Hotels Walhalla, in dem informiert wurde, sassen rund 140 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und von Mobilitätsorganisationen.

Auf ihre Mitarbeit sei man angewiesen, wurde unter anderem von Stadträtin Maria Pappa und Regierungsrat Marc Mächler betont. Da man den Verkehr nicht örtlich, also von der Autobahn aufs städtische Strassennetz (dort hat es auch keinen Platz), verlagern könne, brauche es bei Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern Verhaltensänderungen.

Es hätte Platz für eine zeitliche Verlagerung des Verkehrs

Da am Morgen und am Abend auf der Autobahn jeweils in der Stunde vor und nach der Spitzenstunde 20 bis 25 Prozent Reserve vorhanden ist, könnte eine solche Verhaltensänderung eine frühere Autofahrt an den Arbeitsplatz oder eine spätere Rückkehr nach Hause sein. Bei Warentransporten wird eine Bündelung, also eine Reduktion der Lastwagenfahrten, in die Stadt hin­ein angestrebt; dies etwa mit Hilfe des Projekts «Urbane Logistik St.Gallen».

Während der Sanierung der Stadtautobahn wird es grosse Anstrengungen brauchen, um in den Spitzenstunden am Morgen und Abend einen Dauerstau zu verhindern.

Während der Sanierung der Stadtautobahn wird es grosse Anstrengungen brauchen, um in den Spitzenstunden am Morgen und Abend einen Dauerstau zu verhindern.

Bild: Ralph Ribi

Den Verkehrsknopf während der Autobahnsanierung lösen helfen würden natürlich auch Umsteigerinnen und Umsteiger vom Auto in den öffentlichen Verkehr oder gar aufs Velo und E-Bike. Vorgestellt wurden daher am Mittwochabend auch Beispiele, wie Unternehmen und Institutionen mit Hilfe des Mobilitätsmanagements Umsteigeeffekte erreichen können – und was für positive Auswirkungen sie selber davon haben.

Zur Sprache kamen unter anderem das Firmenabo des Tarifverbunds Ostwind, Veloaktionen oder Ansätze mit Heimarbeit (Home Office). Bei Bus und Bahn wollen Stadt und Kanton jedenfalls ein Auge darauf haben, dass die Kapazitäten während der Sanierung der Stadtautobahn je nach Bedarf flexibel erhöht werden können, um Umstei­geeffekte auffangen zu können.

Informationskampagne und Dosieranlage für Autobahnanschluss

Natürlich plant auch das Astra Massnahmen, damit der Verkehr während der Autobahnsanierung rollt und nicht die Strassen in Stadt und Region St.Gallen verstopft. Zum einen ist eine grosse Informationskampagne in Vorbereitung, die sich an alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer richtet . Zum anderen werden aber auch verkehrslenkende Massnahmen ergriffen.

Nachtarbeit auf der St.Galler Stadtautobahn: Im Herbst 2016 wurden im Vorlauf zur kommenden grossen Sanierung Arbeiten am Sitterviadukt ausgeführt. Dafür musste die Autobahn in einzelnen Nächten ganz oder teilweise gesperrt werden.

Nachtarbeit auf der St.Galler Stadtautobahn: Im Herbst 2016 wurden im Vorlauf zur kommenden grossen Sanierung Arbeiten am Sitterviadukt ausgeführt. Dafür musste die Autobahn in einzelnen Nächten ganz oder teilweise gesperrt werden.

Bild: Benjamin Manser

Der grösste Engpass auf der Stadtautobahn besteht zwischen den Autobahnanschlüssen Winkeln und Schoren. Dies, weil hier der Pannenstreifen als Fahrspur genutzt wird, also keine Reserveflächen für die Bauphasen zur Verfügung stehen. Damit es in Fahrtrichtung St.Gallen nicht zu langen, unfallträchtigen Rückstaus auf der Autobahn und der Behinderung des Verkehrs Richtung Zürich im Anschluss Winkeln selber kommt, ist der Einsatz einer Dosieranlage geplant. Sie soll jeweils nur so viele Autos auf die A1 lassen, wie diese zu schlucken vermag.