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Der Neuseeländer Harley Williams braut in Gossau Bier unter seinem Schwimmbad

Anfangs fühlte er sich ziemlich einsam, inzwischen ist er in Gossau «voll daheim». Der Neuseeländer Harley Williams lebt seit über acht Jahren in der Schweiz. Genauso sehr wie seine Familie liebt er das Bierbrauen und -trinken.
Corinne Allenspach
Harley Williams in seiner Hausbrauerei mit grosser Neuseelandfahne im Keller in Gossau. Einige seiner Biere reifen auch im Eichenfass. (Bild: Urs Bucher)

Harley Williams in seiner Hausbrauerei mit grosser Neuseelandfahne im Keller in Gossau. Einige seiner Biere reifen auch im Eichenfass. (Bild: Urs Bucher)

Da ist er, schon beim ersten Satz, der typisch neuseeländische Humor. «Wissen Sie, wie meine Brauerei heisst?», will Harley Williams wissen. Auf ein Kopfschütteln hin liefert er die Antwort und Erklärung gleich selber. «Unterbad.» Williams deutet mit einer Hand aufs Schwimmbad im Garten daheim am Hirschberg in Gossau, bevor er die steile Treppe hinunter in den Keller führt. In sein Reich, seine Brauerei – direkt unter dem Bad.

Auch wenn die Hausbrauerei klein ist, hier fehlt es an nichts. Eine grosse Neuseelandfahne dient als «Türe» fürs Regal mit Bierutensilien aller Art. Fein säuberlich angeschrieben stehen Kübel voller verschiedener Malzsorten im Gestell, dazu eine Malzmühle, nebenan liegen Kronkorken in allen Farben, Biermagazine aus aller Welt und Biergläser in allen Formen stehen zum Degustieren bereit. Zehn Biere braut Williams aktuell in seiner Unterbad Brewery. Einige Flaschen sind immer kühlgestellt – damit kein Besuch auf dem Trockenen sitzen muss. Benannt sind Williams‘ Biere alle nach Wissenschaftlern. Pythagos Himbeer, ein Sauerbier, das erst ein Jahr nach dem Brauen getrunken werden kann, Hubble Milch Sout, Fritz Zwicky oder Grace Hopper. Letzteres ist mit grünem Pfeffer. «Auf das bin ich stolz», sagt Harley Williams, in dessen Garten auch Hopfen wächst und der eine eigene Facebook-Seite betreibt.

Nach einer Woche bereits zusammen gewohnt

Dass der Neuseeländer, der in Auckland aufgewachsen ist, in der Schweiz Bier braut, erstaunt nicht. Bereits sein Vater war Hobbybrauer. Als Harley Williams sein erstes Bier probierte, war er noch ein Kind. Nach seinem Studium der Mikrobiologie hat er für Heineken gearbeitet. Aber warum verschlägt es einen Neuseeländer in die Schweiz? «Ich habe ein Mädchen kennengelernt», sagt Williams mit seinem sympathischen Akzent und grinst. «In einer Bar, drinking beer.» Danach ging alles ganz schnell. Seine zukünftige Frau war für drei Monate in Neuseeland, eine Woche nach dem Kennenlernen zog sie bei Harley Williams ein, zwei Wochen später stellte er sie seinen Eltern vor. Auch der Entscheid, ob Neuseeland oder Schweiz, war rasch gefällt. Williams grinst erneut: «Meine Schwiegermutter sagte: Okay, du bist nett, aber meine Tochter bleibt in der Schweiz.» Seither sind gut acht Jahre vergangen, die Familie Williams ist um zwei Buben gewachsen, ein dritter kommt im November zur Welt.

Die ersten zwei Jahre in der Schweiz seien sehr schwierig gewesen, erinnert sich Harley Williams. «Es war ein riesiger Kulturschock.» Er habe sich anfangs «ziemlich lonely» gefühlt, vor allem wegen der Sprache, die er in vielen Kursstunden lernen musste. Inzwischen fühlt sich der 36-Jährige hier aber «voll daheim». Er liebt den Schweizer Käse genauso wie die Schoggi und geniesst es, dass er so nahe an den Bergen wohnt wie nie zuvor. Zudem sei die Schweiz perfekt, um Kinder aufzuziehen: «Mit einer tiefen Kriminalitätsrate und einem super Schulsystem.» Trotzdem gibt es Dinge, die Harley Williams nebst seiner Familie vermisst, die er etwa alle zwei Jahre sieht. Die Offenheit der Neuseeländer beispielsweise, das Multikulturelle und die Freundlichkeit. «Neuseeländer sind viel freundlicher als Schweizer», hat er in all den Jahren festgestellt. Auch die Reiselust mag er. «Das Reisen liegt uns im Blut.». Schliesslich sei Neuseeland so abgelegen, dass man reisen müsse, um etwas von der Welt zu sehen.

Reisen, das tut Harley Williams mit seiner Familie weiterhin, vor allem in Europa, ausserdem allein zur Arbeit. Zwei Stunden täglich ist er unterwegs zur Firma Celerion in Fehraltdorf, wo er als Projektmanager arbeitet. Celerion ist ein Dienstleistungsunternehmen im Bereich der Pharma- und Biotechindustrie, das die Entwicklung von Medikamenten unterstützt. «Wir machen unter anderem viele Bluttests», erklärt Williams. Tests macht er auch in seiner Unterbad Brewery, die er vor knapp zwei Jahren offiziell registrieren liess als damals 947ste Brauerei in der Schweiz. Williams legt den Fokus aufs Experimentelle. «Mein Bier ist nicht immer gut, aber ich bin stolz darauf», sagt er. Einmal pro Monat wird im Keller unter dem Schwimmbad gebraut. Als Nächstes kommt das Weihnachtsbier in den Sudkessel. Bereits stehen das Malz, einige Flaschen Apfelsaft, Zimtstangen und Sternanis parat. Seine Biere verkauft Williams nicht, sie sind nur für den Eigengebrauch und für gemütliche Abende mit Kollegen. Viele von ihnen sind selber Hobbybrauer.

Eltern müssen Brotaufstrich aus Neuseeland schicken

Nebst seinem Vollzeitjob, den zwei kleinen Kindern und dem Bierbrauen läuft Williams fast jede Woche einen Halbmarathon. Wo nimmt er all die Zeit her? Die Antwort kommt prompt: «Ich habe eine sehr verständnisvolle Frau.» Eine Frau, die weiss, dass Running und Brewing für ihn sehr wichtig sind. «Ich brauche viel Zeit für mich selber.»

In den vergangenen vier Jahren hat Williams mehr als 2000 Sorten Bier probiert. Da ist er wieder, der typische Humor. «Das sind 500 Biere pro Jahr, das ist eigentlich nicht viel.» Sein Lieblingsbier? Dazu muss man in seinen Bierkeller gehen, wo die Biere so stilvoll gelagert werden wie bei anderer Leute der Wein. Besonders gern mag Williams das Abbaye de Saint Bon-Chien aus dem Jura. «Es ist vielleicht das beste Bier der Schweiz», sagt er. Es schmecke sensationell, sei weltbekannt, «aber in der Schweiz kennt es leider niemand». Auch ein Basilikumbier findet sich im Bierkeller und viele andere Spezialitäten.

Nach rund achteinhalb Jahren in der Schweiz hat Williams die meisten hiesigen Gepflogenheiten übernommen. Eine neuseeländische Angewohnheit hat er aber beibehalten. «Meine Eltern müssen mir immer Marmite schicken.» Dass Williams die vegetarische Würzpaste mit dem Hefegeschmack, die als Brotaufstrich verwendet wird, so liebt, erstaunt ebenfalls nicht. Gemäss Wikipedia werden für die Herstellung Hefekulturen verwendet, die beim Bierbrauen bei der alkoholischen Gärung anfallen.

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