20 Millionen Franken für die ARA St.Gallen-Au: Teufen, Stein und Hundwil entsorgen ihr Abwasser bald im Sittertobel

Die Abwasserreinigungsanlage St.Gallen-Au soll bis 2025 ausgebaut werden. Anlass ist der Anschluss dreier Ausserrhoder Gemeinden. Kommenden Dienstag entscheidet das St.Galler Stadtparlament über einen Verpflichtungskredit für das Grossprojekt.

Luca Ghiselli
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Die Kläralage ARA St. Gallen-Au, am Dienstag, 11. August 2020, in St. Gallen. © Benjamin Manser

Die Kläralage ARA St. Gallen-Au, am Dienstag, 11. August 2020, in St. Gallen. © Benjamin Manser

Benjamin Manser

Sie stösst heute schon an ihre Kapazitätsgrenze: die Abwasserreinigungsanlage (ARA) St.Gallen-Au. Neben der Stadt St.Gallen entsorgen auch die Stadt Gossau und die Gemeinde Gaiserwald Teile ihres Abwassers in der Anlage im Sittertobel. Derzeit ist die ARA Au auf 66000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Das heisst: Sie vermag jährlich das Abwasser von 66000 Personen zu reinigen.

Und nun sollen mit Teufen, Stein und Hundwil gleich drei Ausserrhoder Gemeinden dazukommen. Sie wollen ihre kleinen und aufwendig betriebenen ARA aufgeben und sich aus Synergiegründen der Stadt anschliessen. Eine entsprechende Absichtserklärung gibt es bereits seit 2008, nun werden die Pläne für den Zusammenschluss konkret.

Letztmals ausgebaut wurde die Anlage von 2000 bis 2004. Damit Teufen, Stein und Hundwil an die ARA Au angeschlossen werden können, muss diese saniert und ausgebaut werden. Eben weil die Kapazitätsgrenze heute schon ohne diesen Zusammenschluss erreicht wird. Der Stadtrat hat dem St.Galler Stadtparlament zu diesem Zweck einen Antrag um einen Verpflichtungskredit vorgelegt. Am kommenden Dienstag berät die Stadtsanktgaller Legislative über die Vorlage.

Kapazität wird durch Ausbau deutlich erhöht

Die Gesamtkosten des Sanierungs- und Erweiterungsprojekts belaufen sich auf 20,2 Millionen Franken. Die Stadt St.Gallen trägt etwas mehr als einen Drittel (7,9 Millionen Franken). Vorgesehen sind im Wesentlichen zwei Grossprojekte: einerseits der Ausbau der Kapazität in der biologischen Abwasserreinigung, andererseits eine ganze Reihe flankierender Massnahmen. So soll eine fünfte Biologiestrasse erstellt werden, der Energiekanal erweitert, die Rechenanlage und zwei Blockheizkraftwerke ersetzt werden. Ausserdem sind eine Verladestation und ein Kapazitätsausbau bei der Schlammentwässerung vorgesehen. Nach dem Ausbau ist die ARA im Sittertobel auf insgesamt 88000 Einwohnergleichwerte ausgelegt.

Peter Jans, Stadtrat und Direktor Technische Betriebe.

Peter Jans, Stadtrat und Direktor Technische Betriebe.

Michel Canonica

«Dabei wird das Bevölkerungswachstum berücksichtigt», sagt Peter Jans, Direktor Technische Betriebe, auf Anfrage. Für die drei bestehenden Anschlussgemeinden St.Gallen, Gossau und Gaiserwald gehe man von einem Wachstum von 0,55 Prozent pro Jahr aus, für Teufen ebenfalls. Bei Stein und Hundwil beträgt die Wachstumsprognose 0,35 Prozent pro Jahr. Müsste die ARA St.Gallen-Au auch ohne Anschluss der drei Ausserrhoder Gemeinden in naher Zukunft ausgebaut werden, um das erwartete Bevölkerungswachstum in der Stadt aufzufangen?

Anlagen in Teufen und Hundwil werden stillgelegt

«Das ist so», bestätigt Peter Jans. Aber: «Der Ausbau mit gleichzeitigem Anschluss weiterer Gemeinden hilft, diesen wirtschaftlicher abzuwickeln.» Die Anlagen in Hundwil und Teufen werden bis zum Anschluss in St.Gallen weiterbetrieben und danach stillgelegt. «Die Anlagen haben einen grossen Sanierungsbedarf. Dieser kann mit dem Anschluss an die ARA in St.Gallen vermieden werden.» Vom gemeindeübergreifenden Projekt profitiere demnach nicht nur die Stadt, sondern auch die neuen Anschlussgemeinden, zeigt sich Jans überzeugt.

Baustart für 2022 vorgesehen

Wie geht es nun weiter? Spricht das St.Galler Stadtparlament am Dienstag den Verpflichtungskredit über 7,9 Millionen Franken, wird Ende 2020 die Planung ausgeschrieben. Im kommenden Jahr steht dann das Bauprojekt an, die Bauzeit von rund drei Jahren ist von 2022 bis 2025 angesetzt. Danach werden Teufen, Stein und Hundwil ans Netz angeschlossen.

Und danach muss noch eine Anlage zur Elimination von Mikroverunreinigungen gebaut werden. Das schreibt der Bund vor – und steuert entsprechend auch rund 75 Prozent zum nächsten 20-Millionen-Franken-Projekt bei. In der ARA Hofen auf Gemeindegebiet Wittenbachs, wo das Abwasser aus dem Osten der Stadt hingeleitet wird, wird diese Anlage derzeit gemeinsam mit der ARA Morgental in Stein­ach gebaut und 2021 in Betrieb genommen. Dort steht die nächste grosse Sanierungsrunde erst etwa 2040 an, wie Stadtrat Peter Jans erklärt.

Stadtrat verzichtet auf Abwassergebühr

Per Ende 2019 verfügt die Spezialfinanzierung des Gewässerschutzes über 45,8 Millionen Franken. Diese Reserven überschreiten das betrieblich notwendige. Deshalb hat der Stadtrat entschieden, sie um 10 Millionen Franken abzubauen. Dieser Schritt soll durch einen Verzicht auf die Erhebung der Schmutzwassergebühr von Juli 2020 bis Juni 2021 erfolgen, wie der Vorlage zur Sanierung der ARA Au ans Stadtparlament zu entnehmen ist.

«Es profitiert jeder Bürger und jeder Betrieb, der in St.Gallen Trinkwasser bezieht und somit Abwasser produziert», erklärt Peter Jans. Die Gebühren belaufen sich auf 1,70 Franken pro Kubikmeter Trinkwasser. Im Schnitt beträgt der Einwohnergleichwert 55 Kubikmeter Abwasser pro Jahr. Pro Einwohnerin und Einwohner ergibt sich so eine Einsparung von rund 100 Franken – und die Stadt baut mit der Massnahme rund 9,3 Millionen Franken Reserven ab.

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