In der Stadt St.Gallen werden 130 Strassenkilometer gefilmt

Die Stadtverwaltung lässt das Strassennetz der Stadt etappenweise mit Kameras aufnehmen. Das kostet jährlich 35000 Franken.

Lisa Wickart
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Die Kameras auf dem Kastenwagen zeichnen auch sämtliche Markierungen und Signalisationen auf.

Die Kameras auf dem Kastenwagen zeichnen auch sämtliche Markierungen und Signalisationen auf.

Bild: Peter Käser

Ein weisser Kastenwagen mit zahlreichen Kameras auf dem Dach war in den vergangenen Tagen immer wieder in St.Gallen zu sehen. Stephan Horat verrät, was es mit dem Fahrzeug auf sich hat: «Im Auftrag der Stadtverwaltung filmt und vermisst die Firma iNovitas das gesamte Strassennetz», sagt der Leiter der Dienststelle Geomatik und Vermessung.

Dadurch spare die Verwaltung einiges an Kosten und Zeit. «Künftig können wir auf die meisten Begehungen vor Ort verzichten», sagt Horat. Bisher mussten Mitarbeiter für eine Messung oder Kontrolle extra an den entsprechenden Ort fahren. Nun können sie stattdessen im Büro bleiben und sich die Videos am Computer anschauen. Die Aufnahmen sähen ähnlich aus wie Bilder auf Google Street View, seien aber weitaus komplexer. Für jeden aufgenommenen Punkt werden Messwerte und Koordinaten angezeigt, die auf den Zentimeter genau stimmen.

Auch Stadtpolizisten nutzen die Aufnahmen

Von den digitalen Bildern profitiert gemäss Horat vor allem die Stadtpolizei. Vielfach erhalte diese Meldungen von Anrufern, die einen bestimmten Ort beschreiben. «Die Beamten am Telefon können sich im Büro die Aufnahmen ansehen und sich ein Bild von der Lage machen», sagt er. Aber auch andere Abteilungen nutzen den Dienst.

Das Tiefbauamt kann die städtischen Strassen auf ihren Zustand prüfen, ohne dass jemand vor Ort sein muss. Auch das Amt für Baubewilligungen oder das Hochbauamt haben die Möglichkeit, Objekte im System anzuschauen. Zugriff auf die Bilder haben lediglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt. Eine öffentliche Nutzung der Daten sei vorerst nicht geplant.

Die Firma iNovitas vermisst St.Gallen nicht zum ersten Mal. Bereits vor fünf Jahren haben die weissen Kastenwagen das rund 400 Kilometer lange Strassennetz abgefahren und gefilmt. Die Kosten für die erste Befahrung und Auswertung der Daten lagen damals bei rund 150000 Franken. Da diese Messungen mittlerweile nicht mehr aktuell sind, benötigt die Stadtverwaltung neue Aufnahmen. Horat sagt:

«Das Ziel ist es, jedes Jahr einen Drittel der Strassen zu befahren.»

Für die Vermessung von 130 Kilometern zahlt die Stadtverwaltung jährlich 35000 Franken. Letztes Jahr sei bereits ein Drittel des Gebiets neu erfasst worden. Die zweite Vermessung findet aktuell im Mai statt und das letzte Drittel soll nächstes Jahr aufgenommen werden. Den Zyklus von drei Jahren möchte Horat in Zukunft weiterführen.

Ganze Strassenschluchten werden gefilmt

In den ersten Aufnahmen hatten die Fahrzeuge lediglich vorne und hinten auf dem Dach Kameras montiert. Nun seien die Autos mit neuen Kameras ausgestattet worden, die eine höhere Auflösung haben und auch seitlich und nach oben Bilder aufnehmen. Dadurch können nebst Strassen sämtliche Signalisationen, Markierungen, Hausfassaden und Oberleitungen der Stadtbusse vermessen werden. «So erhalten wir Bilder von der gesamten Strassenschlucht vom Boden bis zu den Dachuntersichten», sagt Horat.

Das Fahrzeug, welches in St.Gallen im Einsatz ist, fährt wie jedes andere Auto im Strassenverkehr und braucht ungefähr vier Tage, um rund 130 Kilometer aufzuzeichnen. Dabei sei die Befahrung stark vom Wetter abhängig:

«Es braucht gute Lichtverhältnisse, und die Strassen dürfen nicht nass sein, weil man sonst auf den Bildern allfällige Schäden im Belag kaum erkennt.»

Gesichter und Kennzeichen müssen verpixelt werden

Fatos Drbaci, Marketingleiter der iNovitas, erklärt, wie die Vermessung mit der sogenannten infra3D-Technologie zu Stande kommt: «Zuerst befährt das Fahrzeug die Strassen und nimmt Bild- und Navigationsdaten auf.» Danach verarbeitet die Firma die erfassten Rohdaten, wandelt sie in 3D-Bilddaten um und verortet sie mit Koordinaten. In diesem Schritt wird auch die Anonymisierung durchgeführt: «Aus Datenschutzgründen verpixeln wir alle Gesichter und Autokennzeichen», sagt Drbaci.

Da es für gewisse Arbeiten sinnvoll ist, Daten aus verschiedenen Jahren miteinander zu vergleichen, bleiben die alten Messungen im System. Geplant ist, dass die Aufnahmen bis im September ausgewertet sind. Ab dann kann die Stadtverwaltung diese für ihre Projekte nutzen.