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12 Bauern, 120 Tonnen Braugerste

Lange war der Mörschwiler Landwirt Andreas Boschung der einzige, der Braugerste für das Schützengarten Landbier anbaute. Nun ist er einer von zwölf, die auf heimischen Böden mit neuen Sorten experimentieren.
Corinne Allenspach
Die Bevölkerung von Mörschwil verfolgt die Braugersten-Ernte bei Schloss Watt. (Bild: Michel Canonica)

Die Bevölkerung von Mörschwil verfolgt die Braugersten-Ernte bei Schloss Watt. (Bild: Michel Canonica)

Es ist wie beim Kinderfest: Wenn die Braugerste beim Schloss Watt in Mörschwil geerntet wird, ist schönstes Sommerwetter garantiert. Zwar ist das Publikum nicht ganz so zahlreich, aber gegen 350 Personen sind es schon, die sich am Mittwochabend zum Erntefest versammeln. Während sich die einen auf Einladung von Schützengarten direkt eine Bratwurst gönnen und ein Bier, gezapft am historischen Bierwagen, interessieren sich andere mehr fürs Landwirtschaftliche.

Die Szenerie könnte einem Werbefilm entsprungen sein. Stahlblauer Himmel, goldgelbe Getreidehalme, die in der Sonne leuchten und Festbänke voller Menschen, die zwischen Maisfeld und Mähdrescher angeregt plaudern. Seit 2001, seit der Lancierung des Landbiers, wird auf dem Gutsbetrieb Schloss Watt die zugehörige Braugerste angepflanzt. Bis vor zwei Jahren war Landwirt Andreas Boschung der einzige Lieferant. Dann kam ein weiterer hinzu und seit diesem Jahr pflanzen zwölf Landwirte zwischen Mörschwil und Bronschhofen die Braugerste fürs Landbier an.

Ein richtig dicker Bauch ist erwünscht

Die hohe Zahl der Landwirte ist nicht die einzige Premiere. Erstmals wurde heuer die speziell gezüchtete Sorte Avalon angebaut. «Diese Braugerstensorte gibt es in der Schweiz sonst nicht», sagt Christoph Gämperli, Geschäftsführer St. Gallische Saatzucht. Avalon kommt aus Deutschland, im Landwirtschaftlichen Zentrum in Flawil wurden zuerst Anbauversuche gemacht, um die Sorte für hiesige Verhältnisse anzupassen. Der Erfolg bei den Züchtungssorten sei enorm, sagt Gämperli: «Alle vier bis fünf Jahre gibt es eine neue Topsorte.»
Was macht denn eine gute Sorte aus? Gämperli bricht einen Gerstenhalm ab und schält ein Korn heraus. Gewünscht seien «richtig runde Körner mit einem dicken Bauch». Zudem müssen sie möglichst wenig Eiweiss enthalten und das Korn muss schwer sein. Das mit dem Eiweiss sei eine Gratwanderung: «Damit der Eiweissgehalt tief bleibt, darf man nicht zu stark düngen.» Handkehrum sei genau der Stickstoff wichtig für die Ertragsmenge.

«Mir hat die Sorte gefallen», sagt Landwirt Andreas Boschung, während der massige John Deere Mähdrescher Halm um Halm erntet. Staub und Getreidefetzen wirbeln durch die Luft und wer zu nahe am Geschehen dran ist, muss den Mund schliessen und sein Bierglas zudecken, damit nichts Ungewolltes rein flattert. Von seinem 1,7 Hektaren grossen Feld rechnet Boschung mit rund zwölf Tonnen Ertrag. Alle zwölf Landwirte zusammen liefern dieses Jahr voraussichtlich 120 Tonnen Gerste (Rohfrucht) fürs Landbier. Daraus können später rund 500000 Liter Bier produziert werden.

Nicht nur der Anbau erfordert Fingerspitzengefühl, sondern auch die Ernte. «Beim Dreschen darf man nicht zu aggressiv vorgehen, damit die Körner nicht beschädigt werden», sagt Christoph Gämperli. Denn nach der Ernte muss das Korn in der Mälzerei keimen können. Dort entstehen die Enzyme, welche die Getreidestärke zu Malzzucker abbauen. Bei der Gärung in der Brauerei wandelt die Bierhefe Zucker in Alkohol und Kohlensäure um.

Einheimische Braugerste auch für andere Biere

Einfacher, und daher der Normalfall ist, dass für Biere bereits vermälzte Gerste aus dem Ausland gekauft wird. Bei Schützengarten will man den umgekehrten Weg gehen. Ziel sei es, nach und nach auch bei den anderen Bieren den Anteil an einheimischer Braugerste zu erhöhen, sagt Finanzchef Sepp Zweifel, selber ein Mörschwiler. «Wobei die Böden in der Schweiz grundsätzlich nicht so ideal sind für Braugerste.» Beim Schloss Watt habe man aber immer gute Erfahrungen gemacht. So wird denn auch der jüngste Ernteerfolg gebührend gefeiert: Mit reichlich Landbier, versteht sich.

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