10'000 neue Griffe: Das Kletterzentrum in Winkeln baut aus

Die Betreiber planen draussen auf dem eigenen Bauland neue Wände. Auf rund 800 Quadratmetern sollen neue Boulderflächen und auf weiteren 700 Quadratmetern Kletterrouten entstehen.

Mirjam Bächtold
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Nur wenige Besucher sind an diesem Nachmittag in der Halle des Kletterzentrums in Winkeln. Zwei Kletterer erklimmen die Wände mit einem Selbstsicherungsseil. Eine Frau klettert 17 Meter bis zum Dach empor, während ihre Kollegin sie sichert. Das schöne Wetter lockt nach draussen, nicht in eine Halle.

Das ist einer der Gründe, weshalb die Betreiber des Kletterzentrums ihr Angebot ausbauen wollen. Draussen auf dem eigenen Bauland planen sie neue Wände: Auf rund 800 Quadratmetern sollen neue Boulderflächen und auf weiteren 700 Quadratmetern Kletterrouten mit insgesamt rund 10000 Griffen entstehen. Ein zweiter Grund für den geplanten Ausbau ist der Auftrag, den das Kletterzentrum als Leistungszentrum für das Nationalkader erfüllen muss. «Seit 2017 haben wir diesen Status als eines von zwölf regionalen Leistungszentren. Das bedeutet, dass die Mitglieder der Nationalmannschaft bei uns trainieren können», erklärt Diego Lampugnani, der Geschäftsführer. In St.Gallen sei dies Fabrice Rohner. «Damit wir ihren Trainingsbedürfnissen gerecht werden können und den Status behalten, müssen wir den Boulderbereich ausbauen», sagt Lampugnani.

Bouldern wird immer beliebter

Davon profitieren aber nicht nur die Kletterer des Regionalkaders. Die neuen Boulderwände sollen allen offenstehen. «In den letzten fünf Jahren hat das Bouldern stark an Beliebtheit gewonnen. Die Hemmschwelle, es auszuprobieren, ist niedriger als beim Seilklettern», sagt Lampugnani. Beim Bouldern ist man nicht mit einem Seil gesichert, klettert deshalb aber auch nur in eine maximale Höhe von 4,5 Metern. Der Boden ist mit dicken Matten ausgelegt, so dass man weich fällt. Die Routen sind zwar kürzer, der Schwierigkeitsgrad aber meist höher. «Zum Bouldern braucht man keinen Partner, und trotzdem ist es sozialer als das Seilklettern. Man findet schnell Anschluss, holt sich Tipps bei anderen. Schnell entstehen so kleine Gruppen.»

Die neuen Wände sollen überdacht werden, damit auch bei leichtem Regen geklettert werden kann. «Wir wollen hier auch Wettkämpfe austragen können, weshalb wir den Standort der Wände so planen, dass auch Tribünen Platz haben», sagt Lampugnani. Die neuen Kletterwände sollen an die Fassade kommen. Noch haben die Betreiber keine Bewilligung. Lampugnani rechnet damit, diese bis Ende Jahr zu bekommen.

Spendenaufruf via Crowdfunding

Der geplante Ausbau ist ein Lichtblick nach der Durststrecke, durch die die Betreiber des Kletterzentrums im Frühjahr gehen mussten. Die Coronakrise habe hohe Umsatzeinbussen verursacht. «Der März ist unser umsatzstärkster Monat. Es war hart, dass wir ausgerechnet dann schliessen mussten», sagt Lampugnani. Auch jetzt seien viele noch vorsichtig – insbesondere Gruppen kämen noch wenige.

Zum Vergleich: 2010, im ersten Jahr der Eröffnung, kamen durchschnittlich zwei Schulklassen täglich. Um die laufenden Kosten tragen zu können, führten die Betreiber Kurzarbeit ein, nahmen einen Kredit auf und starteten einen Spendenaufruf via Crowdfunding. Von den erhofften 90000 Franken sind 20000 zusammengekommen. «Man könnte uns nun vorwerfen, ausgerechnet jetzt eine Erweiterung zu planen. Diese hat jedoch mit dem Spendenaufruf nichts zu tun. Für die neuen Wände haben wir einen Investor gefunden», sagt Lampugnani. Wie hoch die Kosten für den Ausbau sind, will er nicht sagen.

Bessere Sicherungsgeräte obligatorisch

Diego Lampugnani war schon bei der Gründung des Kletterzentrums dabei. Ein Meilenstein in den vergangenen zehn Jahren sei die eingeführte Vorschrift von brems- und blockunterstützten Sicherungsgeräten gewesen. Dies sei eine Reaktion auf einen Unfall, bei dem vor drei Jahren ein Mann aus zehn Metern Höhe stürzte und sich mehrere Knochenbrüche zuzog. Diese Sicherungsgeräte bremsen bei einem Sturz automatisch, wenn die sichernde Person abgelenkt ist oder ihr das Sicherungsseil aus der Hand rutscht. «Wir sind somit die erste Halle in der Schweiz, die solche Sicherungsgeräte vorschreibt», sagt der Geschäftsführer. Somit ist das Klettern noch sicherer geworden.

Ein Highlight, nicht nur für das Kletterzentrum, sondern für den Klettersport insgesamt, ist die Aufnahme als olympische Disziplin. Nächstes Jahr können erstmals an den verschobenen Olympischen Spielen auch Kletterer um Medaillen kämpfen.

Hinweis: Am Samstag, 29. August, findet von 10 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür in der Edisonstrasse 9 statt.