100 Mehrweg-Brotsäckli für die Bäckerei Gschwend: St.Galler Schülerinnen entwerfen Kunstwerke für die Umwelt

Im Rahmen einer Sonderwoche haben Schülerinnen der Talentschule Gestaltung wiederverwendbare Brotsäcke für die Bäckerei Gschwend hergestellt. Die bunt bedruckten Säcke wurden anlässlich eines Arbeitslosenprojektes genäht. Verkauft werden sie ab Samstag – vorerst nur in Rotmonten.

Aybüke Köseoglu
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Die Involvierten: die Schülerinnen der Talentschule Gestaltung, Gschwend-Geschäftsführer Wisi Segner, die Leiterin des Vereins Arbeitslosenprojekte Sandra Frei (rechts aussen), Initiantin Jennifer McInnis (hinten rechts) und Lehrerin Karin Bucher (links neben dem Schirm).

Die Involvierten: die Schülerinnen der Talentschule Gestaltung, Gschwend-Geschäftsführer Wisi Segner, die Leiterin des Vereins Arbeitslosenprojekte Sandra Frei (rechts aussen), Initiantin Jennifer McInnis (hinten rechts) und Lehrerin Karin Bucher (links neben dem Schirm).

Bild: Aybüke Köseoglu

Gipfeli, Brezel, Himbeertörtli und weitere Leckereien: Sie alle sind auf den neuen Mehrweg-Brotsäckli der Bäckerei Gschwend in St.Gallen zu sehen. Bedruckt wurden die bunten Werke von Jungkünstlerinnen, genäht von einem Verein für Arbeitslosenprojekte. Die Bäckerei Gschwend startet am Samstag den Testverkauf in Rotmonten.

Brotsäckli statt Papiersäckli

«Das Brot landet zwar bei uns im Bauch, aber eine Menge Papiersäcke im Abfall», sagt Initiantin Jennifer McInnis. Die Mutter dreier Kinder ist Kundin bei der Bäckerei Gschwend. Der übermässige Papierabfall störe sie, darum habe sie sich gefragt: «Warum nicht schöne Stoffsäckli herstellen für die Bäckerei, in der ich täglich einkaufe?»

So könne man einen Beitrag an die Umwelt leisten und dazu eine sinnvolle Idee unterstützen, sagt McInnis. Inspiriert haben sie die Veggiebags, Stoffsäckli für Gemüse, die bei Grosshändlern erhältlich sind. Brotsäckli aus recycelter Baumwolle mit einem coolen Print drauf könne auch im Quartier Rotmonten funktionieren, sagt sie.

Kurz entschlossen rief McInnis den Geschäftsführer der Bäckerei, Wisi Signer, an und erklärte ihm, dass die Nachfrage nach Aufbewahrungssäcken dringend – «wie die Stoffsäcke früher» – da sei. Dieser reagierte erfreut:

«Ich finde es eine coole Idee. Es freut mich, dass sich unsere Kundinnen und Kunden Gedanken machen.»

Signer stimmte zu, 100 Mehrweg-Brotsäcke zu sponsoren. Für die Umsetzung braucht es aber noch weitere Beteiligungen. McInnis fragte die Talentschule Gestaltung – in der auch ihre Tochter Schülerin ist – an. Lehrerin Karin Bucher war begeistert und überlegte sich, wie man das Projekt in den Lehrplan der Schülerinnen integrieren könnte. «Die Brotsäckli im Rahmen der diesjährigen Sonderwoche zu bedrucken, war ideal», sagt Bucher.

Drucktechnik vom Profi

Die Schülerinnen entwarfen selbständig die Designs für die Säcke anhand einer besonderen Siebdrucktechnik. Alle Farben wurden zu 100 Prozent natürlich hergestellt und sind damit umweltfreundlich. Beispielsweise erhält man durch Aufkochen von Blauholz die Farbe schwarz. Hilfe bekamen sie von Druckprofi Jennifer Grunder, Co-Leiterin von «Siebundrot», einer Werkstatt für Siebdruck in Zürich.

Die Schülerinnen lernen von Siebdruckprofi Jennifer Grunder.

Die Schülerinnen lernen von Siebdruckprofi Jennifer Grunder.

Bild: PD

Das Material für die Säcke stammt aus zweiter Hand. Dafür haben sich die Frauen der Kleika, dem Verein für Arbeitslosenprojekte, auf die Suche nach gebrauchtem Baumwollstoff gemacht, der qualitativ noch in gutem Zustand ist.

«Die Säcke sind darum so widerstandsfähig, weil sie vor der Bedruckung mehrmals gewaschen wurden», sagt Sandra Frei, Kleika-Geschäftsleiterin. Nach der Bedruckung hat Kleika die Fertigstellung übernommen. Die erwerbslosen Frauen des Vereins haben über den Sommer die Stoffe zu Säcken genäht.

Die Schülerinnen entwerfen die Designs für die Säcke.
11 Bilder
Anhand der Siebdrucktechnik werden die Muster auf die Säcke gedruckt.
Durch Aufkochen von Naturpflanzen werden die Farben hergestellt ...
... und dann auf die Baumwollstoffe gedruckt.
Die bunten Gipfeli, Brezel und Muster müssen nun gut trocknen.
Und nochmals trocknen in der «Rakete».
Im Wiedereingliederungsprojekt von Kleika nähen die erwerbslosen Frauen nun die Stoffe zu Säcken zusammen.
Nachdem die Säcke glatt gebügelt werden...
...sieht eines der Kusntwerke am Ende so aus.
Bisherige Anrichtung im Café-Gschwend: in Papier eingewickeltes Brot, serviert in einer Aluminium-Schale.
Neu werden die Brote in den wiederverwendbaren Baumwollsäcken aufbewahrt.

Die Schülerinnen entwerfen die Designs für die Säcke.

Bild: PD

Die Brotsäcke werden für circa 15 Franken verkauft. «Die Säcke sind keine Wegwerfprodukte, darum erscheint mir der Preis unter dem geleisteten Aufwand für alle Beteiligten als fair», sagt Wisi Signer. Das Ziel sei klar die Wiederverwendung. Auf die Frage, warum er die Mehrweg-Säckli nur im Geschäft in Rotmonten verkauft, sagt er:

«Die Idee ist in Rotmonten entstanden. Darum sollen sie auch die ersten Mehrweg-Brotsäcke bekommen.»