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ST.GALLEN: "Wölfe verhielten sich unauffällig"

Das Zeitfenster für den legalen Abschuss zweier Jungwölfe im Calandagebiet ist gestern abgelaufen – ohne Treffer, soweit bekannt. Die Gruppe Wolf Schweiz erklärt das unter anderem damit, dass sich die Wölfe diesen Winter scheuer verhielten als vor einem Jahr.
Adrian Vögele
Wolf im Tierpark Bruderhaus in Winterthur. (Bild: Benjamin Manser)

Wolf im Tierpark Bruderhaus in Winterthur. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Bis gestern abend um 22 Uhr hatten die Wildhüter am Calanda Zeit, zwei Jungwölfe zu schiessen. Soweit bekannt, ist das Zeitfenster ungenutzt verstrichen. Der Bund hatte die Abschussbewilligung im vergangenen Dezember erteilt. Ziel war, den Wölfen durch den Abschuss eines Rudelmitglieds mehr Scheu vor Menschen und ihren Siedlungen beizubringen. Darum wäre ein Abschuss nur von 6 bis 22 Uhr, nur in Siedlungsnähe und nur in Anwesenheit weiterer Wölfe erlaubt gewesen. Zudem hätte nur ein Wolf aufs Mal erlegt werden dürfen.

Trotzdem kam in Graubünden ein Wolf durch einen Abschuss ums Leben: Vor rund drei Wochen wurde ein Jungtier illegal mit Schrot getötet und im Domleschg in ein Tobel geworfen (Ausgabe vom 18. März). Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden hat Anzeige erstattet. Dass der Wolf aus dem Calandarudel stammt, wird angenommen, ist aber noch nicht nachgewiesen. Die DNA-Analysen sind noch im Gang.

10 000 Franken für Hinweise

Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) hat eine Belohnung von bis zu 10 000 Franken für Hinweise zum Wilderer ausgesetzt. Sowohl zum Fall im Domleschg als auch zu einem weiteren gewilderten Wolf im Kanton Wallis hätten sich Personen gemeldet, sagt GWS-Präsident David Gerke. «Wir prüfen die Angaben. Konkrete Hinweise, die bei den Ermittlungen dienlich sein können, leiten wir an die Polizei weiter.» Im Bündner Fall seien bisher jedoch nur sehr allgemeine Hinweise eingegangen – «etwa von Leuten, die einen Schuss gehört haben».

Dass diesen Winter am Calanda kein legaler Abschuss gelang, überrascht Gerke nicht. «Das hat einerseits mit den strengen Kriterien zu tun.» Andererseits sieht sich die GWS aber auch in ihrer Meinung bestätigt, dass es am Calanda keine «Problemwölfe» gibt. Bemerkenswert sei, dass sich die Wölfe im Vergleich mit dem vorangehenden Winter weniger auffällig verhalten hätten, sagt Gerke. Sie seien zwar auf der Jagd in die Nähe von Siedlungen gekommen – aber vor allem nachts. Sichtungen habe es fast keine gegeben. «Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass die Präventionsmassnahmen verstärkt wurden.» So seien beispielsweise Luderplätze mit Futterquellen für die Fuchsjagd, die die Wölfe zuvor in Siedlungsnähe gelockt hatten, entfernt worden. «Zudem dürfte es sich bei den Bauern herumgesprochen haben, dass es nicht gut ist, im Wolfsgebiet Nachgeburten von Nutztieren draussen zu entsorgen.»

Neue Wolfsgeneration

Jungwölfe wandern in der Regel im Alter von ein bis zwei Jahren vom Rudel ab. Gerke hält es für möglich, dass manche Jungtiere, die sich gemäss den Behörden in den Vorjahren «problematisch» verhielten, das Calandagebiet inzwischen verlassen haben. Der Nachwuchs von 2015 hingegen habe wohl bereits weniger Futterquellen in Siedlungsnähe vorgefunden und finde es darum weniger interessant, sich an die Dörfer heranzuwagen.

Abschüsse nicht vom Tisch

Die kantonalen Behörden indes hatten das Verhalten der Wölfe in diesem Winter vor allem mit dem Wetter begründet: Die Beutetiere der Wölfe, die Hirsche, hätten sich wegen der geringen Schneemengen eher in höheren Lagen und abseits der Siedlungen aufgehalten.

Legale Wolfsabschüsse am Calanda sind damit noch nicht vom Tisch. Die Kantone haben bereits angekündigt, die Situation neu zu beurteilen und allenfalls wieder einen Antrag auf Abschüsse für den nächsten Winter zu stellen.

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