ST.GALLEN: Unzufriedene Katholikinnen pilgern von St. Gallen nach Rom

Frauen sollen mehr Mitsprache in der katholischen Kirche erhalten. Diese Botschaft trägt eine Gruppe von Pilgerinnen seit Anfang Mai zu Fuss von St. Gallen nach Rom. Am kommenden Samstag soll das Dokument an Papst Franziskus überreicht werden.

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Die Katholikinnen wollen Papst Franziskus eine Botschaft überbringen. (Bild: pd)

Die Katholikinnen wollen Papst Franziskus eine Botschaft überbringen. (Bild: pd)

ST.GALLEN. Nach über 1000 Kilometern war das Ziel der Reise, der Petersplatz in Rom, am Dienstag in Reichweite. Die Pilgerinnen seien fast am Ende ihrer Kräfte, heisst es in einem Communiqué der Verantwortlichen des Projekts «Für eine Kirche mit den Frauen».

Nach heftigen Regenfällen machte auf den letzten Kilometern die Hitze den Pilgerinnen zu schaffen. Eine Frau musste die Wanderung aufgeben, eine andere brach sich einen Arm. «Wir leiden», wird die Hauptinitiantin, die St.Galler Theologin Hildegard Aepli, zitiert. «Aber das Anliegen ist uns dies wert.»

Am 2. Mai, dem Gedenktag der Heiligen Wiborada, St.Gallerin und erste von einem Papst heiliggesprochene Frau, war die achtköpfige Kerngruppe auf dem Klosterplatz in St.Gallen gestartet. Unterwegs wurden die sieben Frauen und ein Mann zeitweise von wechselnden Personen begleitet.
 

Pilgertag mit Bischöfen

Höhepunkt der Reise ist ein Pilgertag am 2. Juli in Rom. Dann wollen die Pilgerinnen ihr Anliegen der Kirchenführung übergeben. Ob Papst Franziskus - wie die Pilgerinnen hoffen - die Botschaft persönlich entgegennimmt, ist aber unsicher. Zum Pilgertag werden rund 500 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und weiteren Ländern erwartet.

Auch der St. Galler Bischof Markus Büchel reist nach Rom und wird am Samstag im Petersdom einen Gottesdienst halten. Die Bischöfe Felix Gmür aus Basel, Wilhelm Krautwaschl aus Graz, und der Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, werden ebenfalls in Rom sein.
 

Besorgte Katholikinnen

Das Pilgerprojekt entstand «aus der Sorge selbstbewusster und tiefgläubiger Katholikinnen», wie die Verantwortlichen schreiben. Gerade junge Frauen würden einer Kirche, die sie nicht angemessen repräsentiere und ernst nehme, zunehmend den Rücken kehren.

«Wir wünschen uns, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion nachdenken. Und nicht mehr ohne Frauen über die Belange der Kirche entscheiden.» Auf konkrete Forderungen wie jener nach dem Priestertum der Frau werde aber bewusst verzichtet.