ST.GALLEN: Thurgauer Springreiter Fuchs: Untersuchung wegen Tierquälerei eingestellt

Dem Thurgauer Springreiter Martin Fuchs war vorgeworfen worden, sein Pferd am vergangenen CSIO in St.Gallen zu stark mit den Sporen traktiert zu haben. Nun ist die Untersuchung gegen ihn eingestellt worden.

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Martin Fuchs mit "Clooney" am CSIO 2016. (Bild: Urs Bucher)

Martin Fuchs mit "Clooney" am CSIO 2016. (Bild: Urs Bucher)

"Ich habe bereits mein Ziel erreicht, wenn die Leute über den Einsatz von Sporen nachdenken": Das hatte Reinhold Zepf, Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbandes, im vergangenen Juni gegenüber dem St.Galler Tagblatt gesagt . Zepf hatte nach dem CSIO St.Gallen den Thurgauer Springreiter Martin Fuchs wegen Tierquälerei angezeigt. Die Anzeige bleibt nun allerdings ohne Folgen: Die St.Galler Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung gegen den Springreiter eingestellt. Das geht aus der entsprechenden Verfügung hervor, die "Tagblatt online" vorliegt.

"Rücksichtsloser Einsatz"

Martin Fuchs war im Nationenpreis disqualifiziert worden, weil eine blutige Schramme an der Flanke seines Pferds "Clooney" festgestellt worden war. In der Folge zeigte Tierschützer Reinhold Zepf den Reiter an: Fuchs habe dem Pferd die Sporen so stark in die Flanken gedrückt, dass es zu einer blutenden Verletzung gekommen sei, argumentierte Zepf. Es sei Fuchs darum gegangen, ganz bewusst sein Pferd auf diese Weise zu Höchstleistungen anzutreiben, und zwar nur um einen sportlichen Erfolg zu verzeichnen, wobei das Tierwohl in keiner Art und Weise berücksichtigt worden sei. Der Beschuldigte habe mit seinem rücksichtslosen Einsatz der scharfen Sporen wissentlich und willentlich dem Tier unnötigen Schmerz zugefügt.


Vermutlich, aber nicht zwingend

Laut der Einstellungsverfügung sagte Springreiter Martin Fuchs aus, dass er sein Pferd sicher nie vorsätzlich verletzen würde. Gemäss Aussagen von Fuchs sei schwierig zu sagen, ob der "Kratzer" durch den Gebrauch der Sporen entstanden sei - es sei auch möglich, dass er vom Stiefel sein könnte oder durch die Berührung eines Hindernisses entstanden sei.

Laut CSIO-Cheftierarzt Marco Hermann, der das Pferd kontrollierte, stammt die Verletzung vermutlich von den Sporen, ist aber nicht zwingend durch deren Gebrauch entstanden. "Diese Verletzung dürfte im Zuge des Wettkampfes vom Reiter unbeabsichtigt herbeigeführt worden sein" - möglicherweise durch einen Gleichgewichtsverlust oder durch eine ungewollte Bewegung des Reiters im Wettkampf.

"Tier musste nicht leiden"

Gegen eine den Parteien in Aussicht gestellte Einstellungsverfügung wehrte sich zunächst der Kantonale Veterinärdienst. Der Kantonstierarzt machte geltend, Martin Fuchs habe Sporen mit Rädchen verwendet, welche messerscharf seien und daher geeignet sein könnten, Verletzungen beim Pferd zu verursachen.

Laut der St.Galler Staatsanwaltschaft ist der Tatbestand Misshandlung/Tierquälerei aber nicht erfüllt. Aufgrund der "geringfügig blutenden Verletzung" sei nicht erstellt, dass das Pferd habe leiden müssen - dazu sei diese "Verletzung" zu geringfügig gewesen. Dies sei auch durch die Jury so beurteilt worden, zumal das Pferd am Folgetag wieder zum Springen zugelassen worden sei. Des Weiteren hält die Staatsanwaltschaft fest, das Tier habe auch nicht tierärztlich versorgt werden müssen, und die "Wunde" habe nicht genäht werden müssen. "Es ist nicht davon auszugehen, dass das Tier infolge der Verletzung über einen längeren Zeitraum Schmerzen ertragen oder gar leiden musste", schreibt die Staatsanwaltschaft. Es sei auch nicht erwiesen, dass die "Schnittverletzung" durch den Sporeneinsatz von Martin Fuchs verursacht worden sei. Im Übrigen habe Fuchs am CSIO Sporen mit Rädchen getragen, welche erlaubt seien - verboten sei einzig der Gebrauch von stromführenden Sporen.

Die Einstellungsverfügung ist rechtskräftig. (red.)