ST.GALLEN: St. Galler Bauern meiden Risikogebiet

Immer weniger Landwirtschaftsbetriebe aus dem Kanton St. Gallen sömmern ihre Tiere in Vorarlberg. In diesem Sommer sind es noch drei Betriebe mit insgesamt 158 Tieren. Im Tuberkulose-Risikogebiet wird gar kein St. Galler Rindvieh mehr gealpt.

Thomas Schwizer
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Für das Sömmern im Vorarlberg gibt es klare Auflagen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für das Sömmern im Vorarlberg gibt es klare Auflagen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit Januar 2014 ist im Kanton St. Gallen kein Fall von Rindertuberkulose (TBC) festgestellt worden. Und das soll möglichst so bleiben. Deshalb gelten für sämtliche 158 Tiere von drei St. Galler Bauernbetrieben, die auf Alpen in Vorarlberg gesömmert werden, klare Vorschriften. Denn in Vorarlberg ist TBC weiterhin verbreitet. Das belegen Untersuchungen aus dem ersten Halbjahr 2016. 30 Tiere von 13 Bauernhöfen trugen den TBC-Erreger, deutlich mehr als im Vorjahr. Insgesamt mussten 95 Tiere getötet werden, teilte das Land Vorarlberg vergangene Woche mit. 8700 Tiere von 706 Bauern aus 62 Gemeinden wurden untersucht. Zusätzlich wurden 930 «Kontakttiere» von 112 Landwirtschaftsbetrieben auf TBC getestet, weil sie mit einem betroffenen Bestand Kontakt hatten. Das St. Galler Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen steht laut Kantonstierarzt Albert Fritsche regelmässig in Kontakt mit den Vorarlberger Kollegen und ist über die Lage informiert.

Ein Verbot ist nicht möglich

Offensichtlich halten die Fälle von Rinder-TBC immer mehr St. Galler Bauern davon ab, ihre Tiere ennet der Grenze in die «Ferien» zu schicken. Denn gemäss Albert Fritsche verbringen diesen Sommer nur noch 158 Tiere aus drei St. Galler Betrieben den Sommer in Vorarlberg – im Vorjahr waren es noch 181 Tiere aus 5 Betrieben. Es würden jedes Jahr weniger, stellt der Kantonstierarzt fest. Ein Verbot der Sömmerung in Vorarlberg gibt es aber nicht. «Das können wir als Kanton nicht vorschreiben, weil die Schweiz veterinärrechtliche Abkommen mit der EU und damit auch mit Österreich hat», sagt Fritsche.

Alpen in den TBC-Risikogebieten – dies sind insbesondere das Silbertal und das Klostertal – seien dieses Jahr nicht von St. Galler Tieren bestossen, auch wenn das nicht grundsätzlich verboten ist. In diesen Gebieten sind Hirsche als Überträger des TBC-Erregers auf Rindvieh ausgemacht worden. Das bereitet nicht nur in Vorarlberg, sondern auch in angrenzenden Ländern Sorgen, denn Hirsche aus Vorarlberg können über die Grenzen wandern. Ein regelmässiges Monitoring hat allerdings bisher noch keine mit TBC infizierten Hirsche diesseits der Landesgrenzen nachgewiesen.

Keine TBC-Fälle im 2015

In den Sömmerungsvorschriften sind klare Auflagen festgehalten für in Vorarlberg gealpte Tiere. Kehren diese zurück, muss das dem Veterinärdienst innert drei Tagen gemeldet werden. Die Tiere werden dann überwacht, dürfen nicht verkauft werden und keinen Kontakt zu anderem Rindvieh haben. Acht Wochen nach der Rückkehr in die Schweiz werden sämtliche gesperrten Tiere auf TBC untersucht. Letztes Jahr seien keine Tuberkulose-Fälle festgestellt worden, sagt Fritsche.