ST.GALLEN: Schummelvorwürfe an die Organisatoren

Kritik an der Miss-Ostschweiz-Wahl: Kandidatin Anina Nägeli wirft den Organisatoren vor, dass die Gewinnerin schon vorab feststand. Sie selber sei vom Veranstalter als schlechte Verliererin abgestempelt worden. Jessica Cavelti - auch sie trat bei der Wahl an - doppelt nach: "Ich wusste schon zu Beginn, dass ich keine Chance auf den Sieg habe", sagt sie.

Angelina Donati
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45 Franken Eintritt: Miss-Ostschweiz-Wahl vom letzten Samstag. (Bild: Mareycke Frehner)

45 Franken Eintritt: Miss-Ostschweiz-Wahl vom letzten Samstag. (Bild: Mareycke Frehner)

St.GALLEN. Niemand stehe hin, niemand getraue sich zu reden – damit soll jetzt Schluss sein: Die 19jährige Anina Nägeli ist richtig erzürnt, als sie am Telefon über die Miss-Ostschweiz-Wahl vom Samstag spricht. An der Organisation lässt sie kein gutes Haar. "Alles war bereits vorab geplant", behauptet die Andwilerin, "die Gewinnerin, die Zweitplazierte, die Drittplazierte, Miss Body."

Anina Nägeli Finalistin Miss-Ostschweiz-Wahl (Bild: pd)

Anina Nägeli Finalistin Miss-Ostschweiz-Wahl (Bild: pd)

Nur eben Miss Friendship nicht. Diese nämlich wird in der Finalnacht von den Kandidatinnen erkoren. Genau wegen dieses Titels habe sich jemand aus dem Organisationsteam bei den Kandidatinnen Anina Nägeli und Jessica Cavelti drei Wochen vor der Finalnacht verplappert. "Er verriet uns die Reihenfolge der Finalistinnen. Und sagte, dass er gespannt sei, wer Miss Friendship wird."

Models bevorzugt

Nicht nur die Gewissheit, dass die Gewinnerinnen im Vorfeld feststanden, stösst der Kandidatin sauer auf, sondern auch der Name der Siegerin. "Lara Storchenegger wurde von der St.Galler Look Model Agency angemeldet. Von derselben Agentur also, die die Wahl organisiert. Das ist doch kein Zufall", stellt Anina Nägeli fest. Diese Kritik betreffe auf keinen Fall ihre Mitstreiterin, betont sie. Denn trotz allem gönne sie ihr den Sieg.

Von der Look Model Agency, die Marcel Weingartner führt, fühle sie sich aber hintergangen. Ende vergangenes Jahr übernahm Weingartner die Organisation der Miss-Ostschweiz-Wahl wieder vollständig. Zuvor war nicht klar, ob und in welcher Form die Wahl weitergeführt werden konnte. Für eine Stellungnahme war Weingartner gestern nicht erreichbar. Die frischgekürte Miss Ostschweiz, Lara Storchenegger, bestätigt, dass sie im Frühling 2015 zu Weingartners Agentur stiess. Dieser habe sie damals anfragt, ob er sie zur Wahl anmelden dürfe. "Ich dachte: Ja, wieso nicht? Einen Versuch ist es wert."

Marcel Weingartner Veranstalter Miss-Ostschweiz-Wahl (Bild: pd)

Marcel Weingartner Veranstalter Miss-Ostschweiz-Wahl (Bild: pd)

Vorwürfe nicht angehört

Nachdem sich die Prophezeiung in der Wahlnacht vom vergangenen Samstag bewahrheitet hatte, verschaffte Anina Nägeli ihrem Unmut Luft und konfrontierte Weingartner mit ihren Vorwürfen. "Er ging aber gar nicht darauf ein, sondern sagte nur, dass ich eine schlechte Verliererin sei", sagt sie. Anina Nägeli war nicht unter den Top drei. Das sei aber kein Problem für sie. "Ich kann sehr wohl mit Niederlagen umgehen. Beim Judo und Kickboxen habe ich gelernt, dass auch Verlieren dazugehört."

Lügen und Ungereimtheiten

Die Andwilerin holt zu einem weiteren Schlag aus: "Uns wurde versprochen, dass wir alle Kleider, die wir an der Finalnacht anhatten, behalten dürfen. Auch im Publikum wurde damit geworben. Mitgegeben haben sie uns aber nur wenige Stücke."

Unfair findet sie den Wahlzirkus auch gegenüber allen, die seit Monaten mitgefiebert, beim SMS-Voting ihre Stimme abgegeben und an der Wahlnacht teilgenommen haben. Zudem hätten längst nicht alle für die Show bezahlt. "Schon komisch, dass 300 Leute im Publikum sassen, davon aber nur 97 Eintritt bezahlen mussten", regt sie sich auf. Nicht ein einziges Ticket hätten die Kandidatinnen für Familienmitglieder oder Freunde geschenkt bekommen. "Wir wurden alle über den Tisch gezogen." Sie fasst zusammen: "Angehörige, die gekommen waren, um mich zu unterstützen, haben also 45 Franken liegen lassen – für eine Show, die aus lauter Lügen besteht."

Auch die frischgebackene Miss Lara Storchenegger hat die Ungereimtheiten mitbekommen. Sie möchte sich nicht gross dazu äussern. Den Verdacht, dass die Wahl manipuliert wurde, teilt sie nicht. Es sei Zufall, dass sie als Model von Weingartners Agentur gewonnen habe.

"Keine Chance auf Sieg gehabt"

Die selben Vorwürfe wie Anina Nägeli erhebt Jessica Cavelti aus Herisau, die ebenfalls bei der Miss-Ostschweiz-Wahl mitgemacht hat. Es sei zwar eine coole Show gewesen, sagte sie in einem Interview mit der Appenzeller Zeitung<span style="display: none;">&nbsp;</span>. Leider sei die Spannung bei ihr aber nicht gross gewesen. "Dank interner Leute erfuhr ich schon von vornherein, wer gewinnen wird. So wusste ich schon zu Beginn, dass ich keine Chance auf den Sieg habe", so Cavelti.