St.Gallen nimmt dritten Anlauf für nationalen Innovationspark – andere Regionen sind schon weiter

Zweimal ist der Kanton St.Gallen mit seiner Kandidatur für den nationalen Innovationspark gescheitert. Jetzt laufen Gespräche für einen neuen Anlauf. Die Empa und ihre Entwicklungen in der Gesundheitstechnologie spielen eine zentrale Rolle.

Adrian Vögele
Drucken
Teilen
Die Empa in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Empa in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Es war eine der grossen Ostschweizer Enttäuschungen der vergangenen Jahre: Zweimal scheiterte die Bewerbung des Kantons St. Gallen für einen Standort im Schweizer Innovationspark, dem nationalen Netzwerk für Forschung und Entwicklung, das der Bund ins Leben gerufen hatte. Die erste Hiobsbotschaft kam 2014. Die Bewerbung sei zu unkonkret, urteilten die Experten.

Ein Jahr später fiel auch die verbesserte Variante mit dem Fokus auf «intelligente Produktionssysteme» durch. Der damalige St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth musste deswegen viel Kritik einstecken – und bezeichnete den Entscheid selber als nicht nachvollziehbar. Auch die Thurgauer Bewerbung für einen Innovationsstandort im Bereich Ernährungswirtschaft scheiterte, auf eine zweite Runde verzichtete der Kanton.

Seither hat sich von aussen betrachtet wenig getan. In St.Gallen wird die FDP allmählich ungeduldig und erkundigt sich mit einem parlamentarischen Vorstoss nach dem Stand der Dinge. Im März 2018 hatte das Volkswirtschaftsdepartement das Ziel genannt, «in den nächsten ein bis zwei Jahren beim Bund ein Bewerbungsdossier einzureichen»: So steht es im Standortförderungsprogramm 2019-2022. Die Hoffnungen ruhen dabei – einmal mehr – auf dem St. Galler Standort der Empa. Als aussichtsreiches Themenfeld gilt diesmal die Gesundheitstechnologie. Die Kompetenzen der Empa in diesem Bereich liessen sich mit jenen des Kantonsspitals, der Fachhochschule, der Universität und der Wirtschaft verbinden, heisst es im Programm.

Bruno Damann, St.Galler Volkswirtschaftsdirektor. (Bild: Urs Bucher)

Bruno Damann, St.Galler Volkswirtschaftsdirektor. (Bild: Urs Bucher)

Wie also steht es um die St.Galler Bewerbung für den Innovationspark? Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann reagiert auf die Anfrage postwendend: «Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben.» Er müsse zunächst die Regierung informieren, der Termin ist demnächst. Damit scheint klar: Der erneute St.Galler Anlauf wird konkret.

Empa-Direktor: «Wir sind auf Kurs»

Gian-Luca Bona ist als Empa-Direktor an den Gesprächen beteiligt. Details seien noch nicht spruchreif, sagt auch er. «Aber wir sind auf Kurs. Ich bin zuversichtlich, dass der Ostschweizer Anlauf diesmal gelingen wird.» Den Begriff «Ostschweiz» verwendet Bona bewusst: «Denn es handelt sich um ein Vorhaben mit Ostschweizer Ausstrahlung, auch wenn der Kanton St.Gallen federführend ist.» Das Ziel sei, dass Unternehmen in der Region schneller von der praktischen Forschung profitieren könnten. «Der Nutzen für die Wirtschaft steht im Vordergrund, und nicht etwa der Aufbau neuer Forschungsstrukturen.» Darum sei die Industrie an der Vorbereitung der Bewerbung eng beteiligt. «Wir haben mehrere Roundtable-Gespräche geführt.» Auch die Signale hinsichtlich finanzieller Beteiligung aus der Privatwirtschaft seien positiv.

Gian-Luca Bona, Empa-Direktor (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Gian-Luca Bona, Empa-Direktor (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

«Aus meiner Sicht läuft der Austausch mit der Wirtschaft im aktuellen Prozess deutlich besser als bei den früheren Ostschweizer Bewerbungen für den Innovationspark», sagt Bona. In den damaligen Eingaben seien die Bedürfnisse der Industrie zu wenig spürbar gewesen. Auch die Gefahr, dass der Bund erneut einen mangelnden thematischen Fokus beklagt, ist aus Bonas Sicht klein. In der Diskussion um die Bewerbung gehöre die Gesundheitstechnologie zu den zentralen Themen – «ein Wirtschaftssektor, der einiges an Potenzial bietet». Die Zusammenarbeit der Empa mit dem Kantonsspital St. Gallen in diesem Bereich entwickle sich vielversprechend. Derzeit laufen mehrere gemeinsame Projekte, etwa zur Verwendung von Nanopartikeln in der Medizin.

Die Ostschweizer Bewerbung wird inhaltlich auch auf die Angebote der anderen fünf Innovationspark-Standorte abgestimmt. «In St.Gallen haben wir gegenüber anderen Standorten den Vorteil, dass wir mit dem Startfeld bereits über ein Gebäude und ein funktionierendes Startup-Netzwerk verfügen», sagt Bona.

IHK sieht gute Erfolgschancen

Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Involviert ist auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell. «Wir arbeiten am Bewerbungsdossier mit», sagt Direktor Markus Bänziger. Die Forschungsschwerpunkte für die Bewerbung seien noch nicht entschieden, es gebe noch einiges zu tun. Dennoch: «Die Chancen stehen aus unserer Sicht gut, dass es nun mit dem Innovationspark klappt.» Schon 2016 hatten Kanton und IHK eine «Innovationsinitiative» angekündigt, mit der Empa St.Gallen und der Gesundheitstechnologie als zentralen Elementen. Laut Bänziger entwickelt sich das Projekt gut. Die Empa sei heute breiter aufgestellt als früher, habe ihre Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital intensiviert und sich stärker regional vernetzt, etwa mit der HSG und der Fachhochschule. Wichtig sei die Empa gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die sich selber keine Forschungs- und Entwicklungsabteilung leisten könnten. Etwa ein Fünftel der Industrieprojekte, die die Empa zusammen mit Ostschweizer Firmen bearbeitet, betreffen den Bereich Gesundheitstechnologie.

Andere Regionen sind bereits gestartet

Der Schweizerische Innovationspark ist ein Netzwerk von Standorten, an denen Forschungsinstitute und Wirtschaft eng zusammenarbeiten, um Entwicklungen voranzutreiben. Das soll den bestehenden Firmen in den Regionen helfen und weitere Unternehmen anlocken. Der Bund unterstützt das Netzwerk, indem er Grundstücke und finanzielle Darlehen zur Verfügung stellt. 350 Millionen Franken sind als Rahmenkredit vorgesehen. 2012 verabschiedete das Parlament die Gesetzesgrundlage, 2014 bewilligte der Bund vier Standorte. 2015 kam Biel als fünftes Mitglied dazu, 2016 startete das Innovationsnetzwerk offiziell. Die Ostschweiz, die Zentralschweiz und der Kanton Tessin sind darin nicht vertreten.

Die Standorte entwickeln sich sehr unterschiedlich. Der Innovationspark rund um die ETH Lausanne zählt bereits über 150 Firmen und über 2000 Mitarbeiter. Im aargauischen Villigen verzögert sich der Bau des Innovare Parks, weil Investoren für das 160-Millionen-Projekt fehlen. Die Rede ist von einem Containerdorf, in dem Hightechfirmen vorübergehend untergebracht werden sollen. Vom Ziel, 700 Personen zu beschäftigen, ist das Projekt noch weit entfernt. Zügig vorwärts geht es in Biel, wo die Bauarbeiten Ende des vergangenen Jahres begonnen haben. Derzeit beschäftigt der Park rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn der Neubau steht, sollen es bis zu 200 sein. In Zürich ist der Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf immer noch eher Plan als Realität. Die Umwandlung des Areals in ein Firmengelände ist kompliziert, auch aus rechtlichen Gründen. Die Regierung beantragt dem Kantonsrat einen Kredit von über 200 Millionen Franken, um das Vorhaben voranzutreiben. Parlamentarier zeigten sich enttäuscht darüber, dass sich die Wirtschaft nicht stärker engagiere. Die Regierung hofft, dass der Betrieb des Parks ab 2022 mit den Mietbeiträgen von Firmen finanziert werden kann. (av)