ST.GALLEN: Rheintaler Jetsetter fliegt auf

Ein Altstätter Geschäftsmann soll Anleger aus ganz Europa um mehrere Millionen Franken betrogen haben. Nun hat die St.Galler Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung eröffnet.

Martin Rechsteiner
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Dem mutmasslichen Anlagebetrüger C.N. sind Investoren aus ganz Europa zum Opfer gefallen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. (Bild: SpiegelTV)

Dem mutmasslichen Anlagebetrüger C.N. sind Investoren aus ganz Europa zum Opfer gefallen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. (Bild: SpiegelTV)

ST.GALLEN. Er gab sich als erfolgreicher Rennfahrer, erfahrener Geschäftsmann und leutseliger Jetsetter mit Fangemeinde aus. C. N. (Name der Redaktion bekannt) beeindruckte mit Beziehungen, die scheinbar in die höchsten Etagen der Gesellschaft reichten. Geschickt suggerierte er Erfolg als Sportmanager und lockte so zahlreiche Investoren an, die ihr Geld allerdings nie mehr zu Gesicht bekommen sollten. Der 38-Jährige steht unter Verdacht, diverse Privatanleger und Unternehmer aus ganz Europa um eine zweistellige Millionensumme geprellt zu haben. Die Spur von N. führt in den Kanton St.Gallen.

Gespräch in Bank inszeniert
Publik gemacht hat C. N.'s Machenschaften «Spiegel TV». In seinem Format «Magazin» berichtete der Sender am Sonntag darüber, wie der vermeintlich erfolgreiche Sportmanager N. zahlreiche Anleger über den Tisch gezogen haben soll. Die Methoden, mit denen N. das Vertrauen seiner Investoren gewonnen hat, sollen an Dreistigkeit kaum zu übertreffen sein. So habe er für einen deutschen Privatanleger kurzerhand ein Gespräch mit einem falschen Anlageberater in den Räumen einer britischen Grossbank im Herzen Londons inszeniert. Der Berater soll dem Opfer die Sicherheit der Anlage eingeredet und ihm eine Rendite von 36 Prozent versprochen haben. Der Clou: Der Bankangestellte war gar keiner, die Bank wusste nichts von diesem Gespräch in ihren Räumen.

Nebst Privatanlegern sollen auch Unternehmer zu den Opfern N.'s zählen. Es sei ihm zum Beispiel gelungen, mit buchhalterischen Tricks und dem Vertrauen des Besitzers das erfolgreiche Start-up des Liechtensteiners Christian Goritschnig praktisch zu übernehmen. N. soll damit weitere Investoren an Land gezogen und sich anschliessend mit dem ganzen Geld aus dem Staub gemacht haben. Was Goritschnig blieb, war ein Haufen Rechnungen und die Scherben seines Start-ups, das er zehn Jahre lang aufgebaut hatte.

Mitarbeiter schweigen
Mit leeren Versprechungen über baldige Rückzahlungen der Anlagen oder mit ungedeckten Checks habe N. seine Opfer hingehalten. Generell scheint er sich mit Zahlungen schwer getan zu haben – ein Blick in das Betreibungsregister im Bericht von «Spiegel TV» zeigt den immensen Schuldenberg von C. N.

Über N.'s Aufenthaltsort war länger nichts bekannt. Die Website seiner Balgacher Firma Macom ist offline, die Büros seines Unternehmens Go!nnovate in Buchs sind leer. An N.'s Wohnsitz in Altstätten lebt dessen Fahrer, Bodyguard und Geschäftsführer einiger der dubiosen Firmen. Dieser ergreift jedoch beim Anblick der Journalisten die Flucht.

Wo sich C. N. jetzt befindet, ist bekannt. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat eine Strafuntersuchung wegen Verdachts auf Vermögensdelikte aufgenommen. Mehr will die Staatsanwaltschaft aber nicht sagen, da das Verfahren noch laufe. Klar sei aber: «Der Abschluss der Untersuchung ist noch nicht absehbar. Es gilt umfangreiches Aktenmaterial zu sichten und Einvernahmen durchzuführen», sagt Mediensprecher Roman Dobler auf Anfrage.

Ein Partner N.'s, der Präsident des Verwaltungsrates der mutmasslichen Betrüger-Firma Macom, ist bereits verurteilt worden. Auch er will sich nicht äussern. Gegen den Bodyguard und Geschäftsführer einiger Firmen N's, darunter Macom, läuft laut Staatsanwaltschaft jedoch kein Verfahren in diesem Zusammenhang.