Grossveranstaltungen
St.Gallen öffnet den Coronafallschirm: Vermasselt das Virus die Olma oder die Heimspiele des FCSG, entschädigt der Kanton die Veranstalter

Seit Anfang Monat können im Kanton St.Gallen Veranstalter von Grossanlässen Gesuche um finanzielle Unterstützung stellen – für den Fall, dass sich die epidemiologische Lage derart verschlechtert und ihr Anlass abgesagt oder verschoben werden muss. In der Septembersession entscheidet das Kantonsparlament über diese allfällige Hilfe.

Regula Weik
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New Orleans meets St. Gallen: Der Kanton signalisiert Hilfe bei einem erneuten, pandemiebedingten Ausfall.

New Orleans meets St. Gallen: Der Kanton signalisiert Hilfe bei einem erneuten, pandemiebedingten Ausfall.

Bild: Urs Bucher

Jubelnde Fussballfans, volle Gartenbeizen, Warteschlangen am Flughafen, Stau am Gotthard: Sommer wie immer. Und bald auch Herbst wie immer: Schulter an Schulter den Klängen von «New Orleans meets St.Gallen» lauschen, sich durch die Olma-Hallen drängen, mit Tausenden dem FC St.Gallen beim Heimspiel zujubeln. Grossveranstaltungen sind wieder erlaubt – für geimpfte, genesene oder negativ getestete Personen praktisch ohne Einschränkungen. So entschied der Bundesrat. Doch: War da nicht was? Ach so, das Virus. Weg ist es nicht. Und niemand weiss, wo es sich in den nächsten Wochen und Monaten herumtreibt. Deshalb hat der Bundesrat auch einen finanziellen Schutzschirm beschlossen, um Veranstalter von Grossanlässen zu unterstützen – für den Fall, dass sich die epidemiologische Situation verschlechtert, die Behörden Massnahmen verordnen und die Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden müssen.

Das Geld fliesst nicht einfach so. Es müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss eine Veranstaltung mit über 1000 Personen sein, sie muss vom Kanton bewilligt sein und zwischen Anfang Juni 2021 und Ende April 2022 stattfinden. Ist dies gegeben und das Virus funkt dazwischen und verhindert den Anlass, übernehmen Bund und Kanton die ungedeckten Kosten – und zwar je hälftig.

Rasch gehandelt – dank dringlicher Verordnung

Während andere Kantone noch zögern, hat St.Gallen rasch seinen Schutzschirm «für Publikumsanlässe von überkantonaler Bedeutung» aufgespannt. Bereits seit Anfang Monat – wenige Tage, nachdem der Bund Grossveranstaltungen wieder bewilligte – können Veranstalter von Grossanlässen ihre Gesuche um Unterstützung im Fall der Fälle beim Kanton einreichen. Möglich ist dies bis Ende Februar 2022.

Die St.Galler Regierung konnte derart rasch agieren, da sie eine dringliche Verordnung erlassen hat – so wie sie es bereits bei den Härtefallgeldern getan hatte. Und wie schon damals, legt sie nun eine Gesetzesvorlage vor. Das Kantonsparlament wird in der Septembersession darüber beraten und so die Verordnung in ordentliches Recht überführen.

Keine Stadtfeste, keine Jahrmärkte, keine Turnfeste

Aus der Vorlage ans Kantonsparlament wird nun klar, welchen Grossveranstaltungen die Regierung unter die Arme greifen will und welchen nicht, sollte sich die Coronasituation derart verschlechtern, dass die Behörden erneut Einschränkungen anordnen müssen. So können Sportveranstaltungen wie die Heimspiele des FC St.Gallen und der SC Rapperswil-Jona Lakers oder Fach- und Publikumsmessen wie die Olma und die Offa mit finanzieller Hilfe rechnen. Die Regierung ist allerdings offen, weitere Veranstalter zu entlasten. So heisst es in der Vorlage: «Denkbar ist, dass weitere grössere Sportveranstaltungen wie etwa der Ironman 70.3 in Rapperswil-Jona im August, grössere Kulturanlässe wie New Orleans meets St.Gallen im September oder weitere Messen unter den Schutzschirm gestellt werden.»

Kein Thema sind Veranstaltungen von regionalem oder lokalem Charakter wie Stadtfeste, Jahrmärkte, Weihnachtsmärkte, Turnfeste oder Läufe. Da sei die überkantonale Bedeutung nicht gegeben, hält die Regierung fest. Veranstaltungen wie Berufs- oder Branchenkongresse, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, sind ebenfalls ausgeschlossen.

Die Regierung hat eine obere Grenze beim Schutzschirm gesetzt: Der Kanton übernimmt maximal 5 Millionen Franken. Die Veranstalter müssen sich mit einer Franchise von 5000 Franken und einem Selbstbehalt von 10 Prozent beteiligen. Finanziert wird der Schutzschirm aus dem besonderen Eigenkapital.

In dreizehn Kantonen können laut NZZ derzeit Veranstalter Gesuche für eine allfällige Unterstützung einreichen. In neun Kantonen werde die Einführung noch geprüft. In Jura, Zug, Nidwalden und Uri sei ein Schutzschirm für Publikumsanlässe kein Thema.

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