St.Gallen liberalisiert die Öffnungszeiten: Läden in der Innenstadt dürfen ab Juni bis 20 Uhr und die ganze Woche über geöffnet haben – Gewerkschaften wollen dagegen vorgehen

Der Stadtrat will St.Gallen für Touristen attraktiver machen und passt dazu die Ladenöffnungszeiten in der Innenstadt an. Neu dürfen die Läden von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet haben.

Drucken
Teilen
Ab dem 1. Juni kann in der St.Galler Innenstadt auch sonntags eingekauft werden.

Ab dem 1. Juni kann in der St.Galler Innenstadt auch sonntags eingekauft werden.

Bild: Michel Canonica

(red.) Die St.Galler Innenstadt ist das touristische Zentrum der Stadt St.Gallen. Und als eine der zehn grössten Schweizer Städte will sie die touristische Attraktivität der Innenstadt durch erweiterte Ladenöffnungszeiten weiter steigern, das schreibt die Stadt in einer Medienmitteilung.

Neues Reglement gilt per 1. Juni

Aus diesem Grund sei in einem Teilprojekt im Rahmen des Projekts «Zukunft St.Galler Innenstadt» die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten bearbeitet worden. Der Stadtrat hat nun per 1. Juni 2020 ein neues Vollzugsreglement zum städtischen Reglement über Ruhetag und Ladenöffnung verabschiedet. Dieses bezieht sich auf einen klar definierten Innenstadtperimeter. Der Perimeter umfasst die gesamte Altstadt sowie die westliche Innenstadt bis zur St.Leonhard-Brücke. Läden, die sich darin befinden, dürfen ab dem 1. Juni von Montag bis Samstag von 6 Uhr bis 20 Uhr geöffnet sein. Bisher galt: Montag bis Freitag 6 Uhr bis 19 Uhr sowie Samstag 6 Uhr bis 17 Uhr.

Am Sonntag ist neu grundsätzlich eine Öffnung von 10 Uhr bis 17 Uhr erlaubt, sofern die Vorgaben des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel erfüllt sind.

«Rücksichtslose Erweiterung»

Die Gewerkschaft Unia und der kantonale und städtische Gewerkschaftsbund (SGB) bezeichnen diese Änderung in ihren Medienmitteilungen als «schlichtweg skandalös, dass beim gerade eingesetzten Abflauen der Coronavirus-Pandemie ein solches Reglement verabschiedet wird, das offensichtlich von langer Hand geplant gewesen ist.» Die ohnehin schon gebeutelten Arbeitnehmenden müssten sich jetzt extrem kurzfristig mit einschneidenden Änderungen ihrer Arbeitszeiten herumschlagen. «Das werden wir auf keinen Fall mittragen», heisst es in der Mitteilung der Unia und des SGB.

Es bleibe die Frage, wie kleine Geschäfte, die nicht über einen grossen Personalpool verfügten, die zusätzlichen Öffnungszeiten bewerkstelligen sollen. «Dieses Reglement ist nur im Interesse der grossen Detailhandelsketten», lassen sich die Gewerkschaften vernehmen.

«Wir werden gegen diese rücksichtslose Erweiterung der Ladenöffnungszeiten auf Kosten der Arbeitnehmenden vorgehen», so der Wortlaut der Medienmitteilungen. Die St.Galler Bevölkerung habe die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in der Vergangenheit immer wieder abgelehnt.

Mehr zum Thema