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ST.GALLEN: Köllikers Hosenlupf

Werden die Strukturen der Ostschweizer Fachhochschulen nicht rechtzeitig der eidgenössischen Gesetzgebung angepasst, verlieren sie die Anerkennung. Das St.Galler Kantonsparlament macht Druck. Die Regierung hält an ihrem Fahrplan fest.
Regula Weik
Sommermedienanlass - Hochschule für Technik Rapperswil HSR (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Sommermedienanlass - Hochschule für Technik Rapperswil HSR (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

ST.GALLEN. Die Regierung verschleppe das Thema nicht, noch habe sie voreilig Entscheide gefällt: Diese zwei Botschaften wiederholt der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker seit Monaten gebetsmühlenartig. Nicht aus purer Lust und Laune. Vielmehr, weil das Kantonsparlament hartnäckig und immer wieder Fragen zur Zukunft der Fachhochschulen in der Ostschweiz aufwirft. Und es langsam Antworten darauf erwartet. Ein erster parlamentarischer Vorstoss, welcher nach «zeitgemässen Strukturen für eine erfolgreiche Positionierung» der hiesigen Fachhochschulen nachfragte, ist achtjährig. Den Bericht dazu ist die Regierung noch immer schuldig. «Ich verstehe Ihre Unruhe und Unsicherheit nicht», sagte Bildungschef Kölliker in der Septembersession an die Adresse des Parlaments. Die Regierung habe eine Auslegeordnung versprochen – an diese Ansage halte sie sich auch. Mitte nächstes Jahr sei es so weit.

Die Ungeduld des Parlaments ist nicht allein dem langen Warten geschuldet. Der Bildungschef hat mit gewissen Aussagen wohl das Seinige dazu beigetragen. So sagte er bereits vor einem Jahr im Interview mit unserer Zeitung, es würde künftig nur noch einen Rektor für alle St.Galler Fachhochschulen geben und St.Gallen wolle eine klare Führungsrolle übernehmen. Dies weckte beim Parlament wohl den Eindruck, die Regierung wisse längst haargenau, wie die Fachhochschulen künftig aufgestellt und geführt sein sollen – bloss lasse sie es darüber im Dunkeln. Kölliker wies in der Session solche Andeutungen zurück: Die Regierung habe keineswegs vorgegriffen; sie habe vielmehr die neue Bundesgesetzgebung und damit die neuen Spielregeln abgewartet.

Diese definiert das eidgenössische Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz, das Anfang 2015 in Kraft trat. Und da zeigt sich: Das bisherige Ostschweizer Konstrukt funktioniert nicht mehr. Die Ostschweizer Fachhochschulen erfüllen in ihrer heutigen Form die Voraussetzungen für eine institutionelle Akkreditierung nicht. Sie sind nur noch bis Ende 2022 anerkannt, so lange dauert die Übergangsphase.

Graubünden strebt eigene Akkreditierung an

Strukturelle und rechtliche Anpassungen das bisherigen Ostschweizer Fachhochschul-Konstrukts sind also zwingend. Heute sind die drei Fachhochschulen FHS St.Gallen, HRS Rapperswil und NTB Buchs als selbständige rechtliche Anstalten organisiert – mit je einem Rektor und je einem Hochschulrat. Zusammen mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur bilden sie heute die Fachhochschule Ostschweiz (FHO). Die FHO als Ganzes und erst recht die einzelnen Teilschulen sind im Schweizer Vergleich klein. Ein Zusammenschluss zu einer Institution unter einer strategischen und operativen Leitung ist der einzige Weg, wenn die Fachhochschulen in der Ostschweiz wettbewerbsfähig bleiben wollen. So jedenfalls beurteilen es Bildungsexperten.

Ein Vorentscheid ist bereits gefällt: Der Kanton Graubünden strebt eine eigenständige Akkreditierung seiner Fachhochschule in Chur an, die bislang mit Buchs zusammengearbeitet hat. Damit reduziert sich die Zahl der Schulstandorte auf drei, nämlich St.Gallen, Buchs und Rapperswil. Mitträger sind Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, Schwyz, Glarus, Thurgau sowie das Fürstentum Liechtenstein; St.Gallen ist als einziger Kanton an allen drei Fachhochschulen beteiligt. Aufgabe des Kantons St.Gallen ist nun, sich mit den Nachbarkantonen auf eine neue Trägerschaft zu einigen; dass Graubünden Mitträger bleibt, ist unwahrscheinlich. Die von St.Gallen bevorzugte Lösung: ein einheitliches, interstaatliches Konkordat für die drei Schulen. Findet sich darüber kein Konsens, hat die Regierung ein Szenario in der Hinterhand: die Kantonalisierung der Fachhochschulen.

Fünf Millionen Mehrkosten bei Kantonalisierung

Vier Fünftel der Kosten, welche den Kantonen anfallen, trägt heute St.Gallen. Würde der Kanton die drei Schulen gänzlich übernehmen, hätte dies jährliche Mehrkosten von fünf bis sechs Millionen Franken zur Folge. St.Gallen werde zu keiner Kantonalisierung gedrängt, liess Bildungschef Kölliker im September das Kantonsparlament wissen. Die Trägerkantone hätten bei einer Umfrage klar signalisiert, dass sie weiterhin an einer Ostschweizer Lösung interessiert seien. Ob damit auch die Zustimmung zur klaren Führungsrolle St.Gallens einhergeht, wird sich zeigen. Für die Mitträger bedeutete dies nämlich: weniger Kosten, weniger Risiko – aber auch weniger Mitwirkung und Mitsprache. Die Aushandlung des neuen Konkordats wird für die St.Galler Regierung jedenfalls kein Spaziergang.

In einem Punkt lässt die Regierung nicht mit sich reden: Sie hält an den Schulstandorten Buchs, Rapperswil, St.Gallen fest. Es habe niemand zu befürchten, dass mittel- oder langfristig ein Standort eingestellt werde, betont Kölliker – «das ist ein klares Bekenntnis der Regierung und das wissen auch alle Träger». Dies dürfte vor allem im Werdenberg gerne gehört werden: Die NTB Buchs ist die kleinste der drei Fachhochschulen im Kanton. Wie die Regierung in einer Interpellationsantwort schreibt, ist die Schülerzahl zu gering und das Angebot mit nur einem Fachbereich zu einspurig, als dass die Schule eine Akkreditierung anstreben könnte; Buchs muss zwingend in eine neue Struktur überführt werden. Anders die beiden Schulen in Rapperswil und St.Gallen. Rein rechtlich könnte für jede separat eine Akkreditierung beim Bund angestrebt werden – so wie es Graubünden für die Schule in Chur vorhat. Bereits heute zeichnen sich aber Vorbehalte gegenüber Einzelakkreditierungen kleiner Schulen ab; die Beratungen im Rahmen der gesamtschweizerischen Hochschulkoordination dazu stehen noch aus.

Buchs SG - NTB Campus, Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs. 06.12.2010 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Buchs SG - NTB Campus, Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs. 06.12.2010 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Bahnhof Nord: Stadt möchte das ganze Gebiet zwischen Spanischem Klubhaus und der Fachhochschule neu überbauen lassen. 08.04.2014 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas)

Bahnhof Nord: Stadt möchte das ganze Gebiet zwischen Spanischem Klubhaus und der Fachhochschule neu überbauen lassen. 08.04.2014 Bild: Urs Jaudas (Bild: Urs Jaudas)

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