ST.GALLEN: Keine Teilzeit am Symposium

Schlechte Vereinbarkeit von St.Gallen Symposium und Familie: Eine Sozialunternehmerin kritisiert, sie sei wegen ihres Kindes ausgeladen worden. Die Veranstalter ärgern sich über diese Darstellung.

Johannes Wey
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Der Frauenanteil am St.Gallen Symposium ist gering. Das ist auch den Veranstaltern gemäss eigenen Angaben ein Dorn im Auge. (Bild: Michel Canonica)

Der Frauenanteil am St.Gallen Symposium ist gering. Das ist auch den Veranstaltern gemäss eigenen Angaben ein Dorn im Auge. (Bild: Michel Canonica)

Die Sozialunternehmerin und Campaignerin Mareike Geiling schildert ihr Erlebnis so: Eingeladen als eine von 200 "Leaders of Tomorrow" - also "Führungspersönlichkeiten von Morgen" - habe sie den Organisatoren des St.Gallen Symposiums mitgeteilt, dass sie als stillende Mutter nicht am gesamten Anlass vom 3. bis 5. Mai teilnehmen könne.

Ihr Vorschlag sei gewesen, zusammen mit ihrem Kind anderthalb Tage dabei zu sein. Dies sei abgelehnt worden. Die Begründung: Eine Teilnahme mit Kind sei nicht möglich. Später wurde als Grund angegeben, dass die verkürzte Teilnahme das Problem sei, wie sie im Onlinemagazin "Edition F" in einem offenen Brief schreibt. Der Titel: "Ausgeladen weil ich Mutter bin." Menschen, die Kinder betreuen, hätten so keine Möglichkeit, sich in die Debatte einzubringen, schreibt Geiling. "Ihr wisst, wohin das führt: Die von euch ausgewählten 'Leaders of Tomorrow' sind nicht nur gerade schon, sondern vielleicht auch in Zukunft vornehmlich männlich."


Man bezeichne die Leistungen des Symposiums zwar als Weltklasse, sei aber "nicht in der Lage, eine Kinderbetreuung zu organisieren". Mehr Flexibilität könnte aus Geilings Sicht dazu beitragen, die Frauenquote zu erhöhen. Denn unter den Organisatoren seien lediglich 8 von 35 Frauen, bei den Referenten 14 von 68.

St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Shira Kaplan (Bild: Michel Canonica)
Sir J. Scarlett (Bild: Michel Canonica)
Cyborg Neil Harbisson (Bild: Michel Canonica)
Podium mit Sir j. Scarlett, Shira Kaplan und L. James (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Bild: Michel Canonica
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Bild: Michel Canonica
Bild: Michel Canonica
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / TAGBLATT St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / Tagblatt St.Gallen Symposium Paneldiskussion "Politics in a disrupted world", u.a. mit BR Johann-Schneider Ammann. (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / Tagblatt St.Gallen Symposium Paneldiskussion "Politics in a disrupted world", u.a. mit BR Johann-Schneider Ammann. (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / Tagblatt St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
Michel Canonica / TAGBLATT St.Gallen Symposium Paneldiskussion "Politics in a disrupted world", u.a. mit BR Johann-Schneider Ammann. (Bild: Michel Canonica)
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St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)
St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)

St.Gallen Symposium (Bild: Michel Canonica)

Auf der Facebook-Seite von "Edition F" hat der Eintrag zahlreiche Kommentare ausgelöst. "Das ist strukturelle Diskriminierung und sowas von gestern!", heisst es etwa oder: "'Leaders of Tomorrow' ... schon blöd, wenn die Agenda nur eine Phrase ist...".

Organisatoren sind "enttäuscht"

Bei der Trägerstiftung des Symposiums räumt man einen Fehler ein: "Die Kommunikation verlief unglücklich", sagt Dominic Baumann, der interimistische Geschäftsführer der St.Galler Stiftung für Internationale Studien. Das erste Mail, wonach eine Teilnahme mit Kind nicht möglich sei, sei falsch gewesen. Fehler könnten überall passieren. "Das Symposium wird weitgehend von Studenten organisiert. Wir wollen nicht jedes Mail vorab kontrollieren." Der Fehler sei in einer extrem intensiven Phase der Vorbereitung passiert, während der die organisierenden Studenten regelmässig 17 Stunden pro Tag gearbeitet hätten. "Nach dem Mailverkehr habe ich sofort telefonisch das Gespräch mit Frau Geiling gesucht. Ich habe mich entschuldigt und ihr Lösungsvorschläge unterbreitet." Zudem seien die Studenten im Organisationsteam sensibilisiert worden. Man sei sich bewusst, dass Frauen am Symposium unterrepräsentiert seien. Deswegen lege man bei den Einladungen an die "Leaders of Tomorrow", wie Mareike Geiling eine erhalten hat, bewusst Wert auf Ausgewogenheit.

Das St.Gallen Symposium sei so angelegt, dass für die "Leaders of Tomorrow" nur eine Teilnahme an allen drei Tagen Sinn mache. Zum einen bauten die einzelnen Programmpunkte aufeinander auf, zum anderen seien es die "Leaders of Today", die mit ihren Teilnahmegebühren die Teilnahme der "Leaders of Tomorrow" vollumfänglich finanzierten. Dass der Austausch zwischen diesen Gruppen dann während des gesamten Symposiums stattfinden könne, sei die Bedingung für die Teilnahme. "Von einer Ausladung kann also keine Rede sein. Vielmehr hat sich Frau Geiling entschieden, die Einladung nicht anzunehmen."

Mit Mareike Geiling sei man sei so verblieben, dass man im Nachgang zum Symposium über eine Teilnahme im kommenden Jahr reden wolle. Dass Geiling nun "den Deal gebrochen" habe und den Vorgang in dieser Tonalität öffentlich machte, sei enttäuschend. Derzeit wisse er noch nicht, ob die Einladung für 2018 erfolgen soll. Beim Symposium sei man zwar offen für Kritik. "Aber so, wie das abgelaufen ist, war es frustrierend", sagt Baumann. Jedenfalls werde man die Einführung einer Kinderbetreuung für das kommende Jahr prüfen - unabhängig von Geilings Artikel.