St.Gallen im Spendenrausch

ST.GALLEN. Die Ostschweizer zeigen Mitgefühl: Hunderte Menschen nahmen heute Freitag an der spontanen Spendeaktion des Restaurants "Focacceria" teil und brachten Kleider, Schuhe und Spielsachen für Flüchtlinge in der Umgebung.

Janique Weder
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Die St.Galler sind im Spendenfieber: Aufnahme von heute aus der "Focacceria"-Manufaktur. (Bild: Janique Weder)

Die St.Galler sind im Spendenfieber: Aufnahme von heute aus der "Focacceria"-Manufaktur. (Bild: Janique Weder)

Das kam unerwartet. In ihren Autos standen zahlreiche St.Gallerinnen und St.Galler am Freitagvormittag Schlange, um ihre Spenden bei der "Focacceria"-Manufaktur im Osten der Stadt abzugeben. Sie brachten Teddybären, Kindervelos, Turnschuhe und Kleider. Eine Frau hat Weihnachtsgeschenke gespendet, jemand anderes Brillen. Und so reichte der bereitgestellte Lieferwagen bei weitem nicht aus, um alle Spenden auf einmal wegzufahren. Bis am frühen Freitagnachmittag sind fünf Anhänger gefüllt worden.

"Positive Menschen"
"Wir sind überwältigt von all diesen positiven Menschen", sagt Restaurantbesitzer Florian Reiser. Zusammen mit dem "Focacceria"-Team und seiner Frau Evelyn hat er diese Woche zu einer Spendenaktion für Flüchtlinge in den umliegenden Unterkünften aufgerufen. Dass viele Leute kommen würden, habe sich im Vorfeld abgezeichnet, sagt Rieser und blickt auf den Berg von Spenden. "Aber das…"

Recht ruhig sei es gewesen, als sie um 9 Uhr bei der Manufaktur an der Rosenheimstrasse eingetroffen sei, sagt Evelyn Reiser. "Erst dann habe ich gemerkt, dass die Menschen in unserer Abwesenheit bereits einen kompletten Anhänger gefüllt haben." Bis 11 Uhr sind rund 300 Menschen gekommen und haben Spenden abgegeben.

Ein symbolisches Zeichen
Zwei von ihnen sind die Teufnerin Annina Höhener und ihr Freund Mark Schuler. "Ich wollte das schon länger machen, wusste aber nicht recht, wohin mit den Sachen", sagt sie. Auf Facebook ist sie schliesslich auf die Aktion der "Focacceria" aufmerksam geworden. Gespendet hat das Paar Kleider und Schuhe, ihre eigenen und die der Freunde und Eltern. Am späteren Nachmittag will Annina Höhener nochmals vorbeikommen, um bei der Sortierung zu helfen. Auch die Schwestern Melis und Melda Karaali aus St.Gallen haben ihren Keller geplündert. "Wir hatten so viele Sachen zuhause, die niemand braucht", sagt Melis. Mit der Spende wolle sie ein symbolisches Zeichen setzen. "Gegen die negative Berichterstattung im Fernsehen und die Hetze in den Online-Medien."

In der Garage der Manufaktur werden derweil die Spenden sortiert, Männerkleider kommen in eine Ecke, Frauen- und Kindersachen in die andere. Spielsachen zum Eingang. Vor Ort sind auch drei Flüchtlinge aus der Asyl-Notunterkunft Riethüsli. Einer von ihnen ist Omidullah Azad. Er kommt aus Afghanistan und ist seit zehn Tagen in St.Gallen. Mit den anderen Helfern unterhält er sich auf Englisch. "Es ist schön zu sehen, wie die Schweizer den Flüchtlingen helfen", sagt er. Am Nachmittag stossen vier weitere Riethüsli-Bewohner zur Gruppe.

Turnhalle als Zwischenlager
Eigentlich hätten die Hilfsgüter erst morgen Samstag in die umliegenden Unterkünfte gebracht werden sollen. "Weil aber viel mehr gekommen ist als erwartet, brauchten wir eine Alternative", sagt Florian Reiser. Das Asylzentrum Thurhof in Oberbüren habe kurzerhand seine Turnhalle als Zwischenlager zur Verfügung gestellt. Dort würden die Spenden von Flüchtlingen sortiert und weitergegeben. Ein Teil sei bereits in die Notasylunterkunft Riethüsli gebracht worden, sagt Reiser. "Den Rest werden wir in den nächsten Tagen selber in die verschiedenen Zentren in der Umgebung bringen."

Evelyn Reiser hofft, dass ihre Spendenaktion einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. "Wir möchten diese Euphorie nutzen und weitermachen", sagt sie. Wie genau, wisse sie noch nicht. "Aber wir haben Ideen."

Weitere Spendendaten
Heute Freitag, 17 bis 18 Uhr, sowie nächsten Freitag, 11. September, 10 bis 11 Uhr und 17 bis 18 Uhr, können nochmals Spenden bei der "Focacceria"-Manufaktur an der Rosenheimstrasse 12 abgegeben werden.