Zwölf Jahre im Untergrund

Mit dem CMC gehen Ende Monat ein Untergrund-Club, ein familiärer Treffpunkt und ein Experimentierfeld für Musiker zu. Inhaberin Olivera Widmer hat nach zwölf Jahren genug.

Kathrin Reimann
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Wagt den Wechsel vom Nachtleben ins Soziale: Oliveira Widmer. (Bild: Mareycke Frehner)

Wagt den Wechsel vom Nachtleben ins Soziale: Oliveira Widmer. (Bild: Mareycke Frehner)

Wenn Olivera Widmer durch die Metzgergasse geht, kommt sie nur langsam voran. Jeder grüsst die quirlige Frau, schwatzt mit ihr und will vor allem eines wissen: Ob das Gerücht stimme und das CMC (Café-Metzgergasse-Club) nach zwölf Jahren den Betrieb einstelle. «Ende September geht die Ära zu Ende», sagt die 44-Jährige, der man die jahrelange Nachtarbeit nicht im Geringsten ansieht.

Ein «Piff-Paff-Puff»-Mensch

Seit zwei Jahren hat sie den Spass am CMC immer mehr verloren, mit dem Gedanken ans Aufhören gespielt. «Der Alkoholausschank sagte mir nicht mehr zu.» Ihr 20jähriger Sohn sei im selben Alter wie viele Gäste, das habe sie sensibilisiert. «Auch sonst hat man Verantwortung, gegenüber der Polizei, den Behörden, den Nachbarn – und kann es nie allen recht machen.» Den Entschluss, das CMC aufzugeben, fasste sie letzten Monat in den Ferien. «Ich bin ein Piff-Paff-Puff-Mensch – entscheide schnell.» Den Entschluss, das CMC zu eröffnen, hatte sie ebenso spontan gefasst. Mit ihrem Mann Robert Widmer fuhr sie 2002 – nach den Ferien – an dem zu vermietenden Lokal vorbei. Die jungen Eltern zweier Kinder schlugen zu und stürzten sich ins Abenteuer Selbständigkeit. «Es war nicht einfach, die Miete hoch, wir machten keine Werbung und mussten viel in die Bar investieren.» Doch mit Olivera Widmers Charme und der Hilfe von Freunden mausert sich das CMC zum Untergrund-Treffpunkt. Und da viele Gäste anbieten, Musik aufzulegen oder Konzerte zu geben, ergibt sich eins ums andere.

«Ich habe jedem eine Chance gegeben – Musiker und DJs haben sich verwirklicht, und so hat sich das CMC immer wieder neu erfunden.» Für sie war klar: Ich stehe hinter der Bar – für Musik ist der mit dem Einfall zuständig. «Eintritt muss man im CMC nicht bezahlen, das war meine Bedingung.» Und so gingen Veranstaltungen mit Reggae-, Hip-Hop,- Drum'n'Bass und diversen anderen Tönen über die Bühne. Es wurde getanzt, gefeiert, gefreestylt, gespielt, getrunken, gekocht, getöggelt oder geraucht.

CMC auf der Haut verewigt

«In all den Jahren ist viel passiert, ein Höhepunkt gibt es nicht», sagt Olivera Widmer. In Erinnerung blieb ihr aber, wie Kurt Walter alias Ras-K the selecta von Basstartos eine überdimensionale Musikanlage in den Club schleppte. Das CMC hat auch bei ihm Eindruck hinterlassen – Walter trägt ein Tattoo mit CMC-Schriftzug. Auch schlechte Erinnerungen sind geblieben: «Wir hatten Probleme mit der Polizei, Nachbarn oder Gästen, es verging kein Monat ohne Busse.» Traurig, dass die Ära zu Ende geht, ist sie nicht. «Klar, das CMC wird mir fehlen, aber den Kontakt zu den Gästen verliere ich nicht.» Einige seien «hässig und schockiert» gewesen, als sie vom Entschluss erfahren hätten, aber es gäbe ja ähnliche Lokale. «Ich bin wenig herumgekommen, aber ich denke an die <Tankstell-Bar> oder das <Buena Onda>.» Das Nachtleben will sie nun als Gast erkunden und sich ihren Leidenschaften zuwenden: Wasser und Menschen. «Ich werde viel segeln, und alles was ich über Menschen gelernt habe, positiv nutzen.» Soeben hat sie die Zusage für ein soziales Praktikum erhalten, ihr Ziel ist es, als Arbeitsagogin wieder mit Menschen zu arbeiten. «Allerdings ohne sie abzufüllen.» Doch bevor das CMC schliesst, wird gefeiert, am 20. September mit dem Produzentenduo JD & nice nine, und vom 25. bis 27. September trommelt Olivera Widmer noch ein letztes Mal all ihre Leute im CMC zusammen.

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