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ZWISCHENBILANZ: «Goldach fehlt ein Zentrum»

100 Tage ist Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli (CVP) im Amt. Der 45-Jährige über Schwerpunkte, Welpenschutz und den schwierigsten Schritt seines Wechsels.
Linda Müntener
Von Andwil ins Goldacher Rathaus: Gemeindepräsident Dominik Gemperli (CVP) ist seit Anfang Jahr im Amt. (Bild: Linda Müntener)

Von Andwil ins Goldacher Rathaus: Gemeindepräsident Dominik Gemperli (CVP) ist seit Anfang Jahr im Amt. (Bild: Linda Müntener)

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

Dominik Gemperli, seit 100 Tagen fahren Sie jeden Morgen mit dem Auto von Andwil nach Goldach. Nervt Sie der Stau im Dorfzentrum schon?

Dominik Gemperli: Von der geschlossenen Barriere spüre ich zugegeben nicht viel. Ich bin zu Zeiten unterwegs, in denen das Verkehrsproblem nicht akut ist. Um sieben oder acht Uhr abends hat man anders als zu den Stosszeiten kaum Probleme, auf die Autobahn zu gelangen.

Das tönt nach langen Arbeitstagen.

Die ersten Monate waren sehr intensiv. Ich glaube, mir bereits einen guten Überblick über die laufenden Geschäfte verschafft zu haben. Die Zeit war aber auch spannend und schön. Ich habe die Goldacherinnen und Goldacher mir gegenüber als sehr herzlich und wohlwollend erlebt. Das freut mich. Als Neuer geniesse ich natürlich einen gewissen Welpenschutz. Das wird sich wohl bald ändern. (lacht)

Goldach hat eine andere Dimension als Ihr bisheriger Arbeitsort Andwil. Haben Sie sich bei der Einarbeitung Schwerpunkte gesetzt?

Ein Schwerpunkt ist die gesamte Entwicklung des Dorfzentrums mit ihren Teilprojekten. Für Goldach sind diese Vorhaben zentral. Auch das Thema Autobahnanschluss hat mich im Zusammenhang mit der Lösung des Verkehrsproblems in den vergangenen Wochen stark beschäftigt.

Das Verkehrsproblem ist seit Jahren die Hauptsorge der Goldacherinnen und Goldacher. Wie lässt sich dieses aus Ihrer Sicht lösen?

Gute Projekte sind aufgegleist – allen voran die Umfahrung Mühlegut. Jetzt müssen wir unsere Energie darauf fokussieren, dieses Projekt auch umzusetzen. Das ist ein grosses Stück Arbeit.

Die Umfahrung Mühlegut spaltet das Dorf. Die Bürgerversammlung 2016 hat den Projektierungskredit nur knapp bewilligt. Wie erreichen Sie jetzt eine hohe Akzeptanz für dieses Vorhaben?

Mit der Eigentümerin des Baulands, der Ortsgemeinde, habe ich schon gute Gespräche geführt. Eine Zusammenarbeit und ein regelmässiger Austausch mit den Ortsbürgern sind mir ohnehin grosse Anliegen. Wir suchen auch den Kontakt mit Anwohnern. Wichtig ist hierbei, den Nutzen des Projekts für die gesamte Bevölkerung klar zu benennen. Dem Grossteil ist bewusst, dass es solche Teillösungen braucht. Manchmal steht ein Individualinteresse aber gegensätzlich zum Gesamtinteresse. Im Einzelfall auf alle Anliegen einzugehen, ist nicht immer einfach. Wenn sich jemand dann mittels Rechtsverfahren wehrt, müssen wir das akzeptieren.

Durch ein solches Rechts­verfahren wird die Zentrumsüberbauung auf dem Schäfli-Areal seit Jahren blockiert.

Dass ein Anstösser seine Möglichkeiten ausschöpft, ist grundsätzlich legitim. Mich stört grundsätzlich viel mehr, dass Instanzen wie das kantonale Baudepartement oder das Verwaltungsgericht so viel Zeit für ihre Entscheidungen brauchen. Diese Verfahren dauern viel zu lange. Damit werden Projekte im All­gemeinteresse verzögert oder sogar verhindert. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm.

Ein weiteres Projekt im Zentrum ist die Sanierung der Hauptstrasse. Die Planer hatten die Idee, den Dorfbach neben der Strasse freizulegen. Lässt sich das realisieren?

Nein. Unsere Abklärungen haben gezeigt, dass die Abflussmenge für einen solchen Entlastungskanal zu gering ist. Die Arbeitsgruppe prüft derzeit aber, den Dorfbach punktuell an vier Stellen zu öffnen und damit erlebbar zu machen. Durch solche gestalterischen Elemente können wir die Attraktivität unseres Zentrums mit finanziell überschaubaren Mitteln steigern. Das bringt letztlich auch dem Gewerbe einen Nutzen.

Inwiefern? Goldach fehlt heute ein eigentliches Zentrum. Die Neugestaltung der Hauptstrasse soll ein solches erkennbar machen. Das Projekt ist daher mehr als bloss eine Strassensanierung. Ein attraktives Zentrum lädt zum Flanieren und Verweilen ein. Je mehr Leute sich im Dorfzentrum aufhalten, desto höhere Frequenzen verzeichnen die Läden. Dabei sollen die Parkiermöglichkeiten nicht nur erhalten bleiben, sondern verbessert werden.

Sie wohnen mit Ihrer Familie in Andwil. Wann ist ein Umzug an den See geplant?

Definitiv ist noch nichts. Es zeichnet sich aber ab, dass wir Ende Jahr zügeln können.

Ein grosser Schritt für Ihre Familie?

Ja. Meine Frau und Kinder fühlen sich sehr wohl in Andwil. Es ist ihr Zuhause. Ich geniesse währenddessen meine neue Aufgabe und komme jeden Tag sehr gerne zur Arbeit. Für mich ist das der schwierigste Schritt meines Wechsels. Dass wir nach Goldach ziehen werden, haben meine Frau und ich natürlich schon vor meiner Wahl besprochen. Wenn es dann Realität wird, ist die Situation aber nochmals eine andere. Das haben wir vielleicht etwas unterschätzt. Da Andwil zum Glück aber nicht allzu weit weg ist, können wir unser Umfeld dort sicher aufrechterhalten.

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