Zwischen Zuversicht und Skepsis

REGION AM SEE. Die grössten heimischen Unternehmen zeigen sich mit der geschäftlichen Bilanz für das Jahr 2014 zufrieden. Bezüglich Auftragsvolumen und Beschäftigungsentwicklung für 2015 sind Firmenchefs mehrheitlich optimistisch.

Rudolf Hirtl
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Laut Markus Sauerbruch, CEO der Stadler Altenrhein AG, konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr wichtige Aufträge der Doppelstockzüge Kiss weiter bearbeiten oder abschliessen. Für die SBB hat Stadler elf sechsteilige Züge abgeliefert. Mit der Ablieferung von acht Doppelstockzügen für die BLS sei dieser Auftrag mit der pünktlichen Lieferung aller Züge abgeschlossen worden. Ausserdem wurden vier in Altenrhein gefertigte Doppelstockzüge für Aeroexpress (*) in Moskau ausgeliefert. «Für das Schwesternwerk in Minsk hat Altenrhein durch die Schulung von 100 weissrussischen Stadler-Mitarbeitern massgeblich zur Werksinbetriebnahme beigetragen», so Sauerbruch, der 2014 als «ein gutes Jahr» bezeichnet. «Wir konnten alle Aufträge gemäss langfristigen Lieferverträgen erfolgreich abarbeiten, pünktlich abliefern und haben wichtige neue Aufträge gewonnen, zum Beispiel den Folgeauftrag für 19 Doppelstockzüge Kiss für die SBB. Zudem begann die Produktion für BLT-Trams sowie für die Albula Gliederzüge der RhB.»

Auftragsbücher sind voll

Nach Meinung des Stadler-CEO ist es wichtig, dass nicht noch mehr staatliche Regulierungen die Wirtschaft hemmen und dadurch im harten internationalen Wettbewerb Arbeitsplätze gefährden. «Noch sind wir – namentlich in den Ostschweizer Kantonen – in einer guten Ausgangslage. Dieser müssen wir Sorge tragen.» Noch nichts sagen kann er zu den Auswirkungen der EU-Sanktionen und des Zerfalls des Rubels. Dafür macht er Hoffnung, dass das Unternehmen weiterhin von Altenrhein aus operieren wird. «Unsere Perspektiven sehen derzeit gut aus, zumindest was das neue Jahr betrifft. Wir konnten einen guten Auftragseingang erzielen und damit auch eine zufriedenstellende Auslastung erreichen. Doch wir müssen uns in einem harten internationalen Wettbewerb bewähren.»

Stürm SFS AG

Welche Sparten haben sich 2014 bei Stürm SFS AG in Goldach besonders erfreulich entwickelt? «Wir bieten Kunden Gesamtlösungen in der Rohmaterialbewirtschaftung an. Die Sparte Systempartnerschaften ist ein wichtiger Eckpfeiler und Erfolgsfaktor, der sich gut entwickelt hat. Bekannte Firmen wie Bühler, Hilti oder SBB gehören dazu», sagt CEO Michael Thüler. Der Ausbau an Bearbeitungsleistungen und die Erhöhung der Fertigungstiefe hätten zur Ergebnisverbesserung beigetragen. Im Jahr 2014 konnte Stürm SFS AG laut Thüler eine wesentliche Verbesserung der Ertragszahlen gegenüber 2013 erreichen. Wichtig sei es nun, den eingeschlagenen Weg auch 2015 weiterzuführen und so eine solide Basis für weiteres qualitatives Wachstum für das Unternehmen zu legen.

Die Politik muss nach Meinung von Thüler dafür sorgen, dass Unternehmen möglichst wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen vorfinden und so weiterhin erfolgreich aus der Schweiz operieren können. «Damit Investoren weiterhin Vertrauen haben und ihr Geld in der Schweiz investieren, braucht es eine klare und vor allem verlässliche Politik. Die Berechenbarkeit scheint mir sehr wichtig für Politik und Stimmvolk. Da ich das ganze berufliche Leben in der Industrie verbrachte, liegt mir der Werkplatz Schweiz sehr am Herzen. Wir müssen uns bemühen und Bedingungen schaffen, dass wir unsere Produkte weiterhin in der Schweiz konkurrenzfähig herstellen können.» Viele Kunden von Stürm SFS AG seien global tätig. Das ganze Wirtschaftssystem sei heute so vernetzt, dass Ereignisse wie zum Beispiel EU-Sanktionen oder Währungszerfall des Rubels ein Unternehmen indirekt immer betreffen. «Verunsicherte Kunden stoppen oder verschieben bereits entschiedene Investitionen, was unsere Kunden im Maschinen- und Anlagenbau unmittelbar spüren. Stürm SFS AG als Zulieferer ist da indirekt auch betroffen», räumt Thüler ein. «Unser Hauptstandort ist Goldach; wir fühlen uns wohl hier, da wird sich in naher Zukunft nichts ändern», sagt er zur Standortsicherheit.

Für 2015 wünsche er sich für das Unternehmen und auch für die Mitarbeitenden, den eingeschlagenen Weg konsequent und erfolgreich weitergehen zu können. «Und dass wir die Herausforderungen gemeinsam meistern.» Schön wäre es seiner Meinung nach, wenn 2015 als Jahr mit wenig Konflikten und vielen positiven Ereignissen in Erinnerung bleiben würde. Er hoffe, dass in den Krisengebieten Lösungen gefunden würden, damit der Wirtschaftsmotor nicht ins Stottern gerate.

Holz wird zu wenig eingesetzt

«Im Einfamilienhaus beträgt der Holzbauanteil circa 20 Prozent. Im Hochbau werden zwar einige Grossobjekte und Überbauungen realisiert, doch in der Gesamtmenge vom Baustoff Holz her betrachtet ist dieser Holzanteil bei keinen 2 Prozent der Baustoffe», stellt Martin Schwarz, CEO der Goldacher Holz Stürm AG, mit Bedauern fest. Bis zu den Neunzigerjahren seien Giebeldächer gebaut worden, die viel Konstruktionsholz und Dachverkleidungen benötigten. Heute, bei kubischen Bauten und Flachdächern, sei der Holzanteil sehr gering. Auch im Innenausbau würden Decken und Wände selten mit Holztäfer verkleidet. Einzig im Bodenbereich wie Parkett und breiten Landhausdielen sei der Holzanteil gefragter. Eine grosse Nachfrage gebe es nach wie vor bei Terrassenhölzern sowie Fassadenverkleidungen aus Holz, die im eigenen Hobelwerk produziert und auch gefärbt würden. «Mit speziellen Handelsprodukten wie Leimbinder, Brettsperrholz und Kielstegelementen gelingt es uns, sich vom Mitbewerber zu etablieren.»

2014 war für Holz Stürm laut Schwarz ein sehr durchzogenes Jahr. «Der milde Winter brachte in den ersten vier Monaten eine rege Bautätigkeit, wodurch auch mehr Holz gebraucht wurde als Jahre zuvor. Ins Stocken geriet es nach den Sommerferien. Der erwartete Schwung im Hochbau, der sich im Herbst normalerweise zeigt, blieb aus und konnte sich bis zum Jahresende nicht mehr so richtig einpendeln.» Holz Stürm investiere für die Zukunft. Im Sommer sei eine neue Holzheizanlage installiert worden, die auf dem neuesten Stand der Umwelttechnik funktioniert. Ebenfalls werde nun das Hobelwerk vergrössert und erweitert, sowie mit einer erneuerten Hobelanlage bestückt. Die Fremdarbeiten seien allesamt an Handwerker in der nächsten Umgebung vergeben worden, wodurch längerfristig Arbeitsplätze gesichert würden.

Für 2015 ist nach Einschätzung von Martin Schwarz mit einem Rückgang beim Bau zu rechnen, was auch die Holzbranche treffe. Doch dank innovativer Produkte, die auch im Umbau eingesetzt werden könnten, rechne er mit einer positiven Zukunft. Individualität, Flexibilität, Geschwindigkeit, die Nähe zum Handwerker, das grosse Holzlager sowie die Treue der Mitarbeiter seien Stärken, die der Holz Stürm AG auch 2015 Erfolg bringen würden.

(*) Zum Bild: Da Züge in den GUS-Staaten breiter und höher sind als im übrigen Europa, müssen die Aeroexpresszüge, die Stadler für Moskau baut, per Schiff transportiert werden.